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Portimao: Streit ist plötzlich ganz ausgeschlafen

Portimao : Streit ist plötzlich ganz ausgeschlafen

Der Manager wollte den Ball flach halten. „Wir sollten das nicht überbewerten”, versuchte Andreas Rettig das 9:1 des 1. FC Köln gegen ZSKA Moskau und vor allem die Leistung von Albert Streit zu relativieren. Aber so ganz gelang es ihm nicht.

Denn immerhin hatte der Neue im Trikot der „Geißböcke” beim ersten Test überzeugt, zwei Treffer erzielt und weitere zwei vorbereitet. Selbst Rettig musste einräumen: „Natürlich wissen wir, dass Streit ein hochtalentierter Spieler ist, den vor der Saison fünf Bundesligisten haben wollten.”

Dabei wäre Streit kaum in Köln gelandet, wäre er so ganz ausgeschlafen gewesen. Denn der 23-Jährige hat ein Problem: einen tiefen Schlummer, der fast nur gewaltsam beendet werden kann.

Schlummer kostet Stammplatz

Und der hat ihn beim VfL Wolfsburg wohl den Stammplatz im rechten Mittelfeld gekostet, den er sich beim FC sichern will: „Beim VfL ist es blöd für mich gelaufen. Am Anfang der Saison war ich in der ersten Elf, dann musste ich wegen einer Verletzung am Syndesmoseband zwei Monate pausieren, habe mich aber wieder in die Mannschaft gespielt, ehe man mich im Hotel vergessen hat zu wecken. Und gleich hat mich Jürgen Röber raus geworfen.”

Das soll ihm nicht wieder passieren. Streit hat einen Weckauftrag erteilt, und sicherheitshalber lässt seine Verlobte Uli auch noch einmal sein Telefon schrillen. Schließlich soll ihm sein Job beim FC den Durchbruch in der Bundesliga bringen.

Die Grundlagen dafür legt er in diesen Tagen an der Algarve. Das Verständnis mit seinen Mitspielern auf dem Platz ist schon gut, die Kontakte außerhalb des Platzes entwickeln sich. Streit, der neben der FC-Offerte auch Angebote des Hamburger SV und und seines Heimatklubs Eintracht Frankfurt vorliegen hatte, fühlt sich in Kollers Kader wohl: „Die machen es mir auch einfach, kommen auf mich zu und sprechen mich an. Das hilft mir, weil ich ein zurückhaltender Typ bin.”

Gutes Gefühl

Diese Zurückhaltung legt er offensichtlich nur auf dem Platz ab. Da ist er rotzfrech. „Ich will mich durchsetzen. Das kann ich aber nur, wenn ich so oft wie möglich die vollen 90 Minuten durchspiele.” Das war wohl auch der Hauptgrund, dass Streit nach Köln wechselte. „Manager und Trainer haben mich überzeugt, weil sie glauben, ich könnte der Mannschaft weiterhelfen.”

Ein zweites Kriterium kam für ihn dazu: „Ich entscheide aus dem Bauch heraus. Und beim 1. FC Köln hatte ich ein gutes Gefühl. Hier stimmt für mich alles.” Sein Debüt gegen Moskau wollte auch er nicht überbewerten: „Aber die musst du erst mal schlagen. Die sind immerhin Russischer Meister.” Der Mann ist zumindest im Gespräch schon ziemlich ausgeschlafen.