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Aachen: Straub wäre gerne „unlocker”

Aachen : Straub wäre gerne „unlocker”

An diesen Schrei von 20.000 Menschen, an diese Energie erinnert er sich heute noch, sagt Stephan Straub. Es war der 33. Spieltag der Saison 2003/2004, Alemannia stand vor dem Aufstieg gegen LR Ahlen. Und auf den Aachener Keeper kam es an.

Er hielt den platziert geschossenen Strafstoß von Daniel Felgenhauer kurz vor Schluss und gönnte sich eine seiner seltenen emotionalen Momente. Das Stadion tobte, diese grandiose Parade schob die Mannschaft noch einmal an. Es blieb dennoch beim 1:1, ehe der Aufstieg abschließend am letzten Spieltag in Karlsruhe vergeigt wurde.

Stephan Straub hat viele Geschichten, in acht Jahren Alemannia ist ein großes Archiv angelegt. Es sind immer Geschichten aus der Vergangenheit, die Gegenwart ist für Alemannias dienstältesten Spieler nicht so prickelnd. Heute spielt seine Mannschaft wieder gegen Ahlen, inzwischen RW heißend - und Straub ist nur Ersatz.

Die Bestätigung auf dem Spielfeld fehlt ihm, sagt Straub. Die Phasen, in denen der Keeper in einen Tunnel taucht, sich in seiner eigenen Gedankenwelt verliert. „Wenn du nicht spielst, bist du ziemlich locker”, sagt der Schlussmann. „Ich wäre gerne wieder unlocker.”

So wird es nicht kommen, Thorsten Stuckmann spielt eine gute Saison, der Aufstiegstorwart ist nur noch zweite Wahl. Das ist nicht einfach zu akzeptieren für Straub, der jahrelang auf konstant hohem Niveau gespielt hat. Kritik an seinem Nachfolger gibt es nicht. Torhüter können nicht nur Bälle, sondern auch die Klappe halten. „Ich habe hier noch mit keinem Kollegen Probleme gehabt”, sagt Straub. Die Leistung des Platzhirschen will er nicht kommentieren. So trainiert er und trainiert und trainiert. Er habe diese neue Rolle sehr gut und professionell angenommen, sagt sein Trainer, nachdem Anfang des Jahres der erste Zorn verraucht war. „Die drei Torhüter und ihr Trainer Christian Schmidt bilden eine gute Gruppe.”

Eine der ersten Amtshandlung des neuen Trainers Seeberger war es, Straub (und auch Reghecampf) aus dem Mannschaftsrat zu katapultieren. Ein paar Wochen später wurde Straub von Thorsten Stuckmann abgelöst. Der letzte Rückschlag erfolgte nach zwei Tagen Vorbereitung im Sommer. Seeberger erklärte, dass in dieser Mannschaft nur einer gesetzt sei, eben Thorsten Stuckmann. Der Konkurrenzkampf war mit einer Bemerkung entschieden, bevor er richtig angerollt war. Der Torwart landete vielleicht nicht auf dem Abstell- aber zumindest auf dem Nebengleis.

„Das muss man erst einmal verkraften.” Der Kampfgeist ist dann wieder schnell erwacht. „Ich lasse mich nicht unterkriegen, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint.” Natürlich hat auch er mitbekommen, dass der Klub sich recht ungelenk von verdienten Spielern wie Reghecampf oder Klitzpera getrennt hat. Straub will nicht vom Hof, auch wenn der Vertrag des 37-Jährigen im Sommer ausläuft.

Sportler setzen sich neue Ziele. „Ich will dieses neue Stadion als aktiver Sportler erleben”, sagt Straub. „Dafür rackere ich.” Mit Jörg Schmadtke, als der noch sein Geld fürs Arbeiten bekam, hat er ein erstes vorsichtiges Vorgespräch geführt, man hat sich auf das Frühjahr vertagt. Er fühlt sich fit, will seinen Vertrag in Aachen verlängern.

Straub ist der Kassenwart der Mannschaft. Vielleicht auch, weil er ein Disziplinverwalter ist. So sammelt er die Beträge ein, damit am Ende die Saison auf Mallorca noch einmal durchgegangen werden soll. Straub wird die Kasse auf die Balearen schleppen - er hofft, dass es nicht seine Abschiedsfahrt wird.

Sechs Punkte in einer Woche?

Mit zwei Aufsteigern duelliert sich Alemannia noch in dieser Woche, sechs Punkte sollen her. Am Dienstag läuft der beste Neuling am Tivoli auf. RW Ahlen hat genau so viele Punkte wie die Hausherren. „Wir müssen noch dominanter auftreten, brauchen Präzision in der Spieleröffnung”, sagt Trainer Jürgen Seeberger.

Vermutlich hätte er nichts gegen zwei gute Halbzeiten am Stück einzuwenden. Veränderungen in der Aufstellung sind nicht zu erwarten, auch wenn Lukasz Szukala wieder „entsperrt” ist. Seeberger könnte zum dritten Mal in Folge das gleiche Team aufbieten.