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Marbella: „Spiel mit Ball ist um 100 Prozent besser”

Marbella : „Spiel mit Ball ist um 100 Prozent besser”

„Es ist eine Revolution”, schmunzelte Dick Advocaat. Und meinte damit zum Abschluss des Trainingslagers, dass er erneut mit den Journalisten sprach.

Nicht unbedingt revolutionär geht der Mönchengladbacher Trainer mit seiner Mannschaft um. Aber dennoch gibt es für einige seiner Spieler schmerzhafte Neuerungen.

Zustand der Mannschaft: Der erste Teil der Operation ist gelungen. „Die Mannschaft muss ein Gesicht haben”, fordert Dick Advocaat. Allzu hässlich fühlen müssen sich diejenigen, die den Verstärkungen nun weichen müssen, nicht. „Wir hatten Qualität, aber zu viele ähnliche Spieler mit dem gleichen Temperament. Keine Hierarchie.”

Erste Schnitte sind gemacht. Die drei Neuen Böhme, Thijs und Moore dürften das Niveau angehoben haben. „Bis vor kurzem waren wir froh, wenn wir zwei Ballkontakte hintereinander hatten. Das Spiel mit Ball ist um 100 Prozent besser.” Zu sehen in den Tests gegen Brügge und Mons.

Soll-Stand der Mannschaft: Teil 2 der Operation steht noch an, Advocaat will der Mannschaft „noch mehr Gesicht geben. In sieben Tagen ist das nicht zu schaffen.” Es klemmt weiterhin in der Offensive.

Der Übergang vom Mittelfeld zum Sturm müsse noch verbessert werden. „Aber man fängt eben immer hinten an”, erläutert der 57-Jährige seinen Stufen-Plan.

Weiteres Ziel ist eine Rückbesinnung auf eine Spielweise, die bereits unter Hans Meyer demonstriert wurde: die Vorwärtsverteidigung. „In Deutschland ziehen sich selbst Mannschaften wie Stuttgart nach ihrer Führung gegen uns viel zu früh zurück.”

Das „nationale” Problem erfordert allerdings eine optimale Zusammenarbeit aller Mannschaftsteile und eine ebenfalls optimale Kondition, die gerade die Neuen noch nicht besitzen können.

System: Der letzte Anstoß kam vom Neuzugang Craig Moore und der Unzahl an Chancen, die die Abwehr gegen den Zweitligisten Unterhaching zuließ: Aus 3-5-2 wird ein 4-3-3. Allerdings mit einer Variationsmöglichkeit.

„Vorne kann aus der 3 auch ein 1-2 werden, je nachdem wer noch kommt.” Die Gespräche mit dem Belgier Wesley Sonck (26/Ajax Amsterdam) dauern an; eine Einigung mit dem Stürmer konnte Sportdirektor Christian Hochstätter am Montag noch nicht erzielen.

Rücksichten: „Namen interessieren mich nicht”, sagt Advocaat. Sein „simples” Ziel: Mönchen- gladbach besser machen, besser spielen, bessere Ergebnisse, Fans zufrieden machen. Dafür zählt ausschließlich das Leistungsprinzip.

Was allerdings nicht alle verinnerlicht hätten: „Viele denken, dass sie Super-Spieler sind und ein entsprechendes Gehalt beziehen müssen. Wenn sie dann bei Vertragsverlängerungen mehr Geld wollen, wenn sie dieses Selbstbewusstsein haben, brauchen sie doch auch keine Angst um ihre Zukunft haben, keine Stammplatz-Garantie.”

Spieler: Die Verträge von Steffen Korell, Bernd Korzynietz, Nico van Kerckhoven, Igor Demo, Peer Kluge, Michael Melka, Bradley Carnell, Max Eberl und Oliver Kirch laufen aus.

Abzusehen ist, dass Korell ähnlich wie Eberl eine Position im Marketing/Jugendbereich übernimmt. Bei van Kerckhoven ist wegen der gesundheitlichen Probleme eine Verlängerung unwahrscheinlich. Auch Demo dürfte gehen (müssen).

Korzynietz, gegen Mons völlig von der Rolle, könnte gehalten werden, allerdings muss er sich mit einem wieder erstarkten Milan Fukal um den Platz hinten rechts „prügeln”.

Und Kluge sollte sich noch einmal über das Thema Selbsteinschätzung, Gehalt und Spiel-Garantie Gedanken machen. Advocaat sagt lapidar: „Wenn einer gehen will, muss er gehen.”

Auf der anderen Seite besteht Handlungsbedarf, da die Sprunggelenkprobleme von Ziege (Vertrag bis 2006) nicht grundlegend besser werden.

Carnell hat gute Perspektiven, muss sich aber mit einem neuen Konkurrenten (Philipp Daems?) und auch Talent Marcell Jansen auseinandersetzen. Kirch könnte die gleiche Empfehlung gemacht werden wie dem nach Essen ausgeliehenen Gaede.

Torhüter Melka muss damit rechnen, dass kurzfristig noch eine potenzielle Nr. 1 geholt wird. Dritt-Keeper Sead Ramovic wurde ein Vereinswechsel bereits nahegelegt.

Selbst Urgestein Markus Hausweiler muss sich trotz laufenden Vertrages Gedanken machen.

Problem-Fälle: „Mit Marek muss ich unbedingt reden”, legt Advocaat den Finger in eine der schmerzvollsten Wunden. Auf die Frage, was denn nun eigentlich „die” Position für den Tschechen Heinz, der sich zuletzt am rechten Flügel versuchen durfte, sei, muss auch die „Auster” grinsen: „Ja, wenn ich das wüsste...”

Verhältnis zum Sportdirektor: „Damit das klar ist: Ich sage dem Manager, die Spieler möchte ich haben. Wenn ich sie bekomme und dann trotzdem nicht klar komme, keine Ergebnisse erziele, dann muss ich gehen, nicht der Sportdirektor. Der muss langfristig arbeiten. Er setzt nur das um, was ich gerne möchte.”