1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Köln: Soldo und die Dynamik des Misserfolgs

Köln : Soldo und die Dynamik des Misserfolgs

Der Druck wächst. Zvonimir Soldo spürt ihn. „Du wirst als Trainer an Erfolg und Misserfolg gemessen”, sagt der Coach des 1. FC Köln am Tag nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Schalke 04. „Ich hätte auch gerne mehr Punkte. Ich bin auch nicht zufrieden mit unserer Situation.”

Der 41-jährige Kroate erhielt Rückendeckung vom Manager. „Wir werden aufgrund des Drucks nicht in Aktionismus verfallen und die Nerven verlieren”, sagte Michael Meier. „Der Trainer hat nach wie vor unser Vertrauen.”

Soldo weiß, dass das Verfallsdatum einer solchen Aussage schnell erreicht sein kann, sollte sich der Erfolg nicht bald einstellen. „Ich habe auch andere Ansprüche an mich, als nach fünf Spielen mit einem Punkt am Tabellenende zu stehen”, betont er. „Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität hat, dem zu genügen.”

Soldos Ansprüche sind nicht gerade gering. Attraktiven, erfolgreichen Fußball will er spielen lassen. Weg vom Daum-System der unansehnlichen Siege, hin zum Erlebnis-Nachmittag für die FC-Fans. Der Trainer weiß, dass ein solcher Wandel Zeit braucht. Nicht gesichert ist, ob er sie auch bekommen wird. Was sich hinter Soldos Rücken zusammenbrauen könnte, lässt eine Äußerung Overaths erahnen. „Wenn du bis zum siebten, achten Spiel keine Punkte holst, dann wird der Druck so groß, dass selbst ein gutes Team keine Erfolge mehr erzielt”, hatte der Kölner Präsident schon vor dem Schalke-Spiel verlauten lassen.

Overath hatte nicht gedroht, er hatte die Psycho-Falle beschrieben, in die seine Mannschaft tappen könnte. Das FC-Idol hatte vor der Dynamik des Misserfolgs gewarnt. Denn sollte keine der nächsten Liga-Aufgaben (in Stuttgart, gegen Leverkusen und in München) gelöst werden können, würde sich die Situation dramatisch verschärfen. Es reicht eben nicht, mit den Gegnern auf Augenhöhe zu sein und doch zu verlieren.

Dabei hat der FC viel Qualität im Kader. Torhüter Faryd Mondragón, die Innenverteidiger Pedro Geromel und Youssef Mohamad, das Portugiesen-Duo Petit und Maniche im Mittelfeld, die Angreifer Lukas Podolski und Milivoje Novakovic: Köln hat von den Namen her einiges zu bieten. Soldos Spielerreservoir ist allerdings beschränkt. 22 Profis stehen dem Trainer zur Verfügung. Davon sind zehn der Rubrik Ergänzungsspieler zuzuordnen, Ausfälle von Stammkräften sind nicht zu kompensieren. Und die ersten fünf Spieltage haben gezeigt, dass der FC mit jeder Auswechselung schlechter wird. Soldo hat auf der Bank kaum Alternativen.

Die Mannschaft hat aktuell drei Problemzonen: die beiden defensiven Außenpositionen und den Angriff. Fällt - wie gegen Schalke - Linksverteidiger Pierre Womé aus, ist dieses Problem nur durch Verschiebungen zu lösen. Dann muss entweder Miso Brecko, ohnehin immer ein Risikofaktor, die Seite wechseln oder Fabrice Ehret zurückrücken. Weder Marvin Matip noch Kevin Pezzoni sind Möglichkeiten, über die Soldo ernsthaft nachdenken dürfte.

Die dritte Baustelle ist der Angriff. Zwar weist die offizielle Kaderliste des FC sechs Stürmer auf, doch neben Podolski und Novakovic wird intern nur noch Manasseh Ishiaku so kategorisiert. Sebastian Freis, Wilfried Sanou und Adil Chihi firmieren bei Soldo als offensive Mittelfeldspieler. Und weil das so ist, muss Kapitän Novakovic seit Wochen aufs Feld, obwohl er noch nicht „spielfit” ist. Ishiaku gilt schon längst als Fehleinkauf.

An Baustellen mangelt es derzeit nicht. Doch Soldo hält besondere Maßnahmen für überflüssig. Ein Trainingslager vor Stuttgart? „Ausgeschlossen.”