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Aachen: Sergio Pinto: „Dieses Spiel ist ein Geschenk”

Aachen : Sergio Pinto: „Dieses Spiel ist ein Geschenk”

Verabschiedet wird Sergio Pinto ebenso wie seine scheidenden Kollegen (und Masseur Jupp van Houttem) erst später. In dem Rahmen von Alemannias Endspiel ist keine Ablenkung willkommen. Alles ist diesem einen Ziel untergeordnet, die Hoffnung über diesen Samstag hinaus aufrecht zu erhalten.

Unser Redakteur Christoph Pauli traf sich mit dem Portugiesen.

Was ist los mit der Mannschaft, die alles selbst in der Hand hatte und jetzt fast alles selbst vergeben hat?

Pinto: (überlegt lange) Wir trainieren gut und leidenschaftlich. Im Spiel haben wir dann das Pech, dass der erste Schuss immer bei uns gesessen hat. Dann läufst Du dem Rückstand hinterher und wirst nervös. Und einen Abstiegskampf in der 1. Liga haben bislang nur wenige Spieler mitgemacht.

Ist Ihre Ausgangslage jetzt leichter, weil Aachen als Absteiger gilt?

Pinto: Wir haben jetzt schon fast alles verloren, ab jetzt können wir nur noch gewinnen. Wir wollen befreit aufspielen, auch wenn das einfach gesagt ist, weil wir gewinnen müssen.

Zuletzt seid Ihr mit diesem Druck nicht gut umgegangen, sondern sofort nach dem Gegentor weggebrochen.

Pinto: Das stimmt, und wir müssen es ändern. Wir müssen an unseren Plan glauben.

Haben Sie den Ansatz einer Erklärung dafür, dass ein Team nach dem 26. Spieltag allerbeste Chancen auf den Klassenerhalt besitzt und dann nicht mehr punktet?

Pinto: Ich weiß es nicht. Wir haben uns nicht sicher gefühlt, dafür waren die Gegner zu stark. Wir wussten nach dem ersten oder nach dem 29. Spieltag, dass wir mindestens 39 Punkte brauchen.

Gilt diese Aussage immer noch?

Pinto: Jetzt könnten 37 Punkten reichen, aber da können wir uns nicht drauf verlassen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Aachen nicht absteigt?

Pinto: Wenn wir am Samstag gewinnen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch.

Was spricht dafür, dass eine Mannschaft, die erkennbar große Probleme hat, gegen Wolfsburg allen Ballast abwirft und gewinnt?

Pinto: Es spricht dafür, dass wir es wollen. Es spricht dafür, dass der Verein es verdient hat. Und es spricht dafür, dass wir unseren K.o-Schlag immer noch nicht erhalten haben. Das motiviert mich, diese Partie ist ein unerwartetes Geschenk - wie Weihnachten.

Trainer und Manager haben immer vorhergesagt, dass das Team auf ein Nervenfinale vorbereitet wurde. Haben Sie sich getäuscht?

Pinto: Es war vielleicht nicht so, aber wir müssen daraus gelernt haben. Wir haben jetzt in drei Spielen, in denen wir die Gegner hinter uns hätten lassen können, Nerven gezeigt. Jetzt ist es endlich an der Zeit, die Nerven in den Griff zu kriegen.

Welche Atmosphäre erwarten Sie am Tivoli?

Pinto: Es könnte sehr aggressiv werden. Die Fans haben zuletzt schon in Frankfurt böse reagiert. Zu recht! Jetzt geht es aber nicht mehr um drei Punkte, jetzt geht es um alles, um den Verein. Es geht ums sportliche Überleben.

Das große Thema in den letzten Wochen war die Freistellung von Schlaudraff/Dum. Gab es die Idee, dass sich die Mannschaft dazu positioniert?

Pinto: Die Mannschaft trägt diese Entscheidung mit.

Was denken Sie darüber?

Pinto: Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, wennjeder einzelne Spieler seine Meinung jetzt auch noch mitteilt. Die Entscheidung ist so gefallen. Ende.

Sie haben schon vor Monaten entschieden, den Verein zu verlassen. Was hat Hannover, was Aachen nicht hat?

Pinto: Es ist eine Herausforderung, eine Mannschaft mit Potential. Ich kann sicher sein, eine längere Zeit erste Liga zu spielen. Der Trainer hat bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, und natürlich ging es dabei auch um die Finanzen.

Wie sinnvoll ist es, einen Wechsel so frühzeitig bekanntzugeben, wenn schwächere Leistungen immer mit mangelnden Einsatzbereitschaft gleichgesetzt werden?

Pinto: Warum soll ich das Versteckspiel betreiben? Umgekehrt hätte man mir bei jedem schwächeren Spiel vorgehalten: Der ist nicht richtig bei der Sache, weil er noch nicht weiß, was er in Zukunft macht. Ich habe noch keinen Gedanken an Hannover verschwendet.

Würden Sie sagen, dass Sie eine gute Saison in Aachen spielen?

Pinto: Nein, es ist zu wenig Konstanz da.

Sind Sie froh, wenn diese Saison endlich vorbei ist?

Pinto: Ich habe tolle drei Jahre hier gehabt, die werden in Erinnerung bleiben. Es ist sehr anstrengend und nervenaufreibend. Aber froh werde ich nur sein, wenn wir nicht absteigen.

Haben Sie sich mit dem Szenario beschäftigt, dass Aachen am Samstagnachmittag wieder in die 2. Liga strafversetzt werden könnte?

Pinto: Das stelle ich mir nicht vor. Ich bin ein positiv denkender Mensch.