1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Jena: Seeberger: „Neuaufbau geht nur über Ergebnisse”

Jena : Seeberger: „Neuaufbau geht nur über Ergebnisse”

Der Krach hallte unüberhörbar laut durch das Ernst-Abbe-Sportfeld, nur kurz nach der abschließenden Materialprüfung, der Jenas Angreifer Jan Simak die Torlatte vor der Stehplatzkurve unterzogen hatte.

Das Aluminium hielt, der Aachener Vorsprung auch. Und so kam der Lärm aus den Reihen der jubelnden Aachener, denen gleich reihenweise die Felsbrocken vom Herzen vor die Füße gepoltert waren.

„Das war eine ganz schwere Geburt”, stellte Nico Herzig als Erster der Beteiligten fest, die den zweiten Auswärtssieg der Saison zur Welt gebracht hatten. Zweimal in Rückstand geraten und dennoch 3:2 gewonnen.

„Zu lange her”

Und nach der alten Weisheit „Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind” stand nach Schlusspfiff zunächst ein selbstbewusster Emmanuel Krontiris als einer der potentiellen Erzeuger Rede und Antwort. „Keine Ahnung, da müsst ihr mich nicht fragen. Das ist zu lange her”, kratzte sich der Siegtorschütze ratlos am Kopf.

Und eben weil es so lange her ist, wird die Antwort hier nachgeliefert: Im Mai 2006 hatte der 25-Jährige sein letztes Pflichtspieltor erzielt, vor 21 Monaten in der Regionalliga für den TSV - allerdings 1860 München. „Wichtig ist, dass wir nach dem Rückstand gezeigt haben, dass wir noch da sind”, zog Krontiris für sich selbst einen vorläufigen Schlussstrich unter eine Dauerverletzung, die ihn 18 Monate zurückwarf.

Papa Nummer zwei hatte wie so oft in wirklich entscheidenden Momenten nicht lange gefackelt: „Keine Sekunde nachgedacht, angenommen, draufgehauen. Die lange Ecke war frei, den muss man machen”, beschrieb Matthias Lehmann den Kurzfilm zu seinem Ausgleichstreffer, um dann seinen Blick etwas weiter zurück zu richten: „Im letzten Jahr wären wir hier wohl noch untergegangen. Aber wir haben eine gute Balance gefunden zwischen Druck machen, abwarten und wieder Druck machen.”

Zur Wahrheit gehört allerdings wohl auch, dass in der gesamten Liga kaum noch ein zweiter Gegner zu finden sein wird, der einem bei den Balance-Übungen dermaßen geduldig die Stange hält. Ein unendlich weites Feld stand dem Gast über weite Strecken zur Verfügung. Gas geben und Bremsen auf dem Verkehrsübungsplatz und in der Mitte eine dreispurige Autobahn für den Weg in die Spitze.

Trainer Jürgen Seeberger beurteilte sein erfolgreiches Debüt in der Liga nach außen hin nicht nur wegen des vergrößerten Abstands zu den Abstiegsrängen positiv: „Der Neuaufbau geht nur über Ergebnisse, über Erfolgserlebnisse”, sah der 42-Jährige auch wichtige Impulse für die weiteren Begegnungen. „Das war ein kleines Schlüsselspiel, aber ich schaue trotzdem mehr auf die Mannschaften, die hinter uns stehen.” Grund genug gibt es: „Wir kriegen immer noch so doofe Tore”, fand Nico Herzig. Eine Erkenntnis, der nach dem 20. Standard-Gegentor in dieser Saison niemand widersprechen wollte.