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Mönchengladbach: Schnupperkurs mit einem guten Freund

Mönchengladbach : Schnupperkurs mit einem guten Freund

Es sind oft Anekdoten, die den Charakter eines Fußball-Profis erkennbar werden lassen. Wie bei Michael Bradley. Borussia Mönchengladbachs Neuzugang landete am Freitag vom WM-Qualifikationsspiel mit den USA auf Kuba um 7 Uhr in Düsseldorf.

Um 8 klopfte der gerade 21 Jahre gewordene Mittelfeldspieler an die Bürotür des Trainers. „Als Erster”, wunderte sich Jos Luhukay. Trainingsbeginn war 10 Uhr. Noch mehr wunderte sich der Niederländer über die Bitte des US-Amerikaners. „Nach so einem strapaziösen Flug überlasse ich es jedem selbst, ob er nur ein wenig laufen will”, sagt Luhukay. Bradley aber wollte mehr: „Trainer, ich möchte unbedingt mittrainieren.” Zum ersten Mal. Also nahm er teil am 45-minütigen 11 gegen 11, bevor er sich pflegen ließ.

„Ein Herz für Fußball”

Fighting spirit, Kampfgeist und Ehrgeiz auch in schwierigen Lebenslagen zählen zu den Qualitäten vieler US-Sportler. „Er hat ein Herz für Fußball”, beschrieb Jos Luhukay seinen Neuzugang. „Wie Rob Friend auch, die muss man eher bremsen denn anschieben.”

Borussias Mittelstürmer ist zwar Kanadier, aber lebte lange in Kalifornien. Und ist mit Bradley seit ihrer gemeinsamem Zeit in Heerenveen befreundet. Beide werden am Sonntag zum ersten Mal auch gemeinsam im Kader der Gladbacher für das Auswärtsspiel in Hannover stehen.

Bradley, um die Nähe der Mannschaft zu schnuppern, Friend, um auf Torjagd zu gehen. Der kanadische Riese traf zu spät fürs Training ein. Mit einer Niederlage gegen Mexiko und einer Mammut-Tour in den Knochen: Mexiko-USA-Toronto-Frankfurt-Düsseldorf, 22 Stunden unterwegs. Aber auch der Torjäger will heute wieder unbedingt trainieren. Und anders als zuletzt gegen Hoffenheim wird er auch wohl in der Startformation stehen. Er hat einen Tag mehr Zeit, den Jetlag zu bekämpfen.

Am Freitagabend konnten die Kumpel erst einmal ihre Erfahrungen austauschen. Bradley übernachtete beim Kollegen, nachdem er am Nachmittag eine Wohnung in der Nähe besichtigt hatte. Und die sieht Luhukay trotz der Fehlzeiten auch positiv für Borussia: „Sie erleben andere Stadien, andere Systeme, offensive, defensive Gegner, bekommen viel Inhalt mit. Das prägt als Fußballer.”

Die nächste sportliche Erfahrung für Bradley erfolgt in Hannover. Am besten eine positive: Borussia gewinnt, und Friend trifft - ein guter Freund eben.