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Wuppertal: Schaffte Reif Geld illegal nach München?

Wuppertal : Schaffte Reif Geld illegal nach München?

Gegen den Sportreporter Marcel Reif hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen einer dubiosen Finanz-Transaktion von einem Schweizer Bankkonto ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet. Oberstaatsanwalt Alfons Grevener bestätigte, dass es bei den Vorwürfen um Steuerdelikte gehe.

Nach den bisherigen Erkenntnissen liege der Straftatbestand der Geldwäsche „eher fern”. Die Ermittlungen der Wuppertaler Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftkriminalität stünden aber erst am Anfang.

Ausgelöst worden waren die Ermittlungen gegen den 55-jährigen Reif durch eine anonyme Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Essen. In dieser Anzeige wird behauptet, dass der Sportreporter 776.151,20 Mark Schwarzgeld von einem Züricher Konto abgehoben und mit einem silbernen Porsche in Einkaufstüten nach München geschmuggelt habe. Das Geld stamme von dem Schweizer Nummernkonto 206-P0038467.0, das dem Wuppertaler Immobilenmakler Gerd Kolbe zuzurechnen sei.

Dem soll der Sportreporter das Geld im Münchner Café Roma übergeben haben. Der Geldtransport liegt offenbar bereits vier Jahre zurück, ist strafrechtlich aber noch nicht verjährt.

Der 59-jährige Kolbe, ein ehemaliger Oberamtsanwalt, war im Dezember 2003 vom Wuppertaler Landgericht in einem spektakulären Korruptions-Prozess wegen schwerer Untreue, Bestechung und Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Zudem muss er 2,9 Millionen Euro Schadensersatz leisten. Gegen das Urteil ist derzeit noch eine Revisionsklage des Verurteilten beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe anhängig.

Reif war offenbar jahrelang eng mit Kolbe befreundet gewesen. Beide fungierten jeweils als Trauzeugen bei ihren letzten Eheschließungen. Mit seiner Freundschaft zu dem prominenten Sportreporter hatte Kolbe gerne bei seinen Geschäftspartnern angegeben. Dort galt der pensionierte Oberamtsanwalt als Drahtzieher für windige Immobiliengeschäfte.

Nach den Feststellungen des Wuppertaler Landgerichts ist die dortige städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG in den 90er Jahren durch ein kriminelles Netzwerk von Kommunalpolitikern, Bauunternehmern, Architekten und städtischen Managern um über 25 Millionen Euro geschädigt worden. Dieses Netzwerk war den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge seit Mitte der 90er Jahre maßgeblich von dem „Landschaftspfleger” Kolbe geknüpft worden.

Falls es sich auf dem Schweizer Nummernkonto um Vermögen aus Kolbes Immobiliendeals mit der GWG gehandelt hat, könnte sich der als Geldkurier beschuldigte Reif auch der Begünstigung einer Straftat schuldig gemacht haben.

Nach Bekanntwerden der gegen ihn eingeleiteten Strafermittlungen hat Reif seine geplante Fußball-Bundesliga-Reportage am Wochenende bei „Premiere” abgesagt. Er könne „nur mit vollster Konzentration kommentieren”, ließ er über einen Sprecher des TV-Senders mitteilen. Zu dem Strafverfahren wolle er sich nicht äußern, ehe sein Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakten erhalten habe.

Reif bestätigte, dass Kolbe sein Trauzeuge sei. Nachdem er jedoch erfahren habe, „in welche Sachen er verstrickt war”, habe er den Kontakt aber abgebrochen. Vor Kolbes Verurteilung soll der Sportreporter in westdeutschen Fußballstadien häufiger mit dem Porsche des undurchsichtigen Wuppertaler Immobilenmaklers vorgefahren sein. Kolbes Autokennzeichen „W- GK 1” war sehr auffällig.

Aber nicht nur Reif, auch der ehemalige Münchner Nationalspieler Karl-Heinz Rummenigge, der Bundesligatrainer Holger Fach und der frühere Regierungssprecher Peter Boenisch zählten zum dem illustren Freundeskreis des umtriebigen Geschäftsmannes. Der hatte gleich in mehreren Bundesliga-Stadien VIP-Logen angemietet.

Mit seiner Entourage aus der Fußballszene wollte Kolbe den heimischen Wuppertaler SV, einen chronisch klammen Klub, in den 90er Jahren durch Millionenspritzen zur Bundesligareife aufputschen. Doch im „Zoo-Stadion” machten sie sich nur lustig über Kolbe und seinen Hofstaat. „C&A”-Fraktion wurde die finanzkräftige Clique dort spöttisch genannt - als Chiffre für Champagner und Anzüge.