Aachen: Schafft Alemannia den „Zittersieg”?

Aachen: Schafft Alemannia den „Zittersieg”?

In den Archiven des Vereins hat die Partie einen Spitzenplatz in der Kategorie: kältestes Spiel aller Zeiten. Ein eisiger Ostwind pfiff an diesem 23. Januar 2010 über die Baustelle Millerntor, die Binnenalster in Hamburg fror parallel zu, gemessen wurden satte minus 11 Grad.

Am Ende stand ein „Zittersieg” für den späteren Aufsteiger FC St. Pauli über Alemannia Aachen. Dieses 1:0 wird gleichsam im Archiv als „völlig dusselige Niederlage” geführt.

Spiele gegen den FC St. Pauli platziert der Spielplangestalter aus unbekannten Gründen gerne an den Anfang einer Runde. Und für Aachen wohnte diesen Wettkämpfen selten ein großer Zauber inne. Die Einweihung des Stadions im August 2009 soll in diesem Zusammenhang ausdrücklich keine Erwähnung finden. St. Pauli hat Alemannia schon mehrfach eiskalt erwischt.

Wieder wartet Alemannia auf die Kiez-Kicker, wenn am Samstag die Rest-Rückrunde freigegeben wird. Schattig wird es werden, ein Kälterekord ist aber nicht absehbar: Die Meteorologen erwarten etwa minus sieben Grad. Und doch freut sich Alemannias Trainer Friedhelm Funkel auf die Partie wie Jürgen Klinsmann einst auf das Polen-Spiel. Doch auch in diesem Jahr öffnet der Winter wieder pünktlich seine Kühlkammern, und so werden die Bedingungen, die ohnehin nicht gut am Tivoli sind, noch einmal schwieriger.

„Wir müssen die richtige Einstellung zu den widrigen Verhältnissen finden, müssen konzentrierter, grelliger und aggressiver als der Gegner sein”, fordert Funkel ein. Das probate Mittel gegen die Kälte ist naheliegend: „Die sollen laufen, laufen, laufen”, schlägt er seinen Spielern vor. Nun ja. Er selbst wird weitgehend bewegungslos am Spielfeldrand bibbern. Die Gefahr eines Gefrierbrands ist nicht so hoch, meint Funkel: „Ich bin innerlich so aufgewühlt, dass ich die Temperaturen nicht so spüre...”

Die Platzverhältnisse werden beiden Teams nicht behagen. Unter der Woche wurden Übungs-einheiten am Tivoli bereits auf 13 Uhr vorverlegt, damit die Rasenpfleger noch bei Tageslicht zur Reparatur schreiten konnten. „Für Kombinationsfussball ist der Rasen sicher nicht geeignet”, sagt Funkel. Freunde des rustikalen britischen Fußballs werden da eher auf ihre Kosten kommen...

Zuversicht ist nach einer guten Vorbereitung eingezogen, die Mannschaft hat das letzte Mal Mitte November in Frankfurt verloren, seitdem geht es zart aufwärts. Langsam, für Funkel viel zu langsam, kriecht das Team aus der größten Gefahrenzone. Den Abstand zu den drei untersten Plätzen zu vergrößern, ist das Nahziel der nächsten Wochen. „Unsere Situation bleibt brandgefährlich, das darf man nicht aus den Augen verlieren”, bleibt Funkel der ewige Warner.

Zu Beginn des Jahres hat er die Uhren wieder auf Null gestellt, aber viele Neuerungen in der Aufstellung wird es nicht geben. Der Trainer hat Vertrauen in seine Mannschaft gefasst. Angriff und Abwehr werden nicht verändert, nur im Mittelfeld wird neu sortiert. Albert Streit kommt hinzu. Für Alemannia heißt das Projekt Klassenerhalt, für den streitbaren Techniker heißt das Projekt Karriereerhalt. Streit soll diese nicht sonderlich torgefährliche Mannschaft mit seinen Ideen inspirieren.

Auch Bas Sibum gilt im Mittelfeld als gesetzt. Um die Position neben ihm rangeln Aimen Demai und der endlich fitte Kevin Kratz. Im linken Mittelfeld ist ein enger Wettstreit zwischen Shervin Radjabali-Fardi und Alper Uludag ausgerufen. Der Türke hat nach geplatztem Wechsel aufgeholt. „Für mich ist er neben Kratz und Streit der Gewinner der Vorbereitung”, sagt Manager Erik Meijer.

Zum Kaltstart gegen den FC St. Pauli am Samstagmittag waren bis Donnerstag bereits 21.000 Tickets vergriffen. Und die meisten Fans hoffen auf Alemannias ersten Bibber-Sieg 2012...

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