Aachen: Sanierungsgutachten nimmt Alemannias Finanzen unter die Lupe

Aachen: Sanierungsgutachten nimmt Alemannias Finanzen unter die Lupe

Sollte dann noch ein Aachener Kommunalpolitiker klitzekleine Restzweifel haben, wie es um den städtischen Vorzeigeklub bestellt ist, dann dürften die in den nächsten Stunden verfliegen. Den Fraktionen liegt ein Sanierungsgutachten vor, wie man Alemannia aus der fulminanten Liquiditätskrise heraushelfen kann - ohne dass der ohnehin ramponierte Haushalt weiter strapaziert wird.

Alemannias Ausgangslage machen die Unternehmensberater sehr deutlich: „Ohne weitergehende Sanierungsmaßnahmen muss davon ausgegangen werden, dass weder für die 2. Liga noch für die 3. Liga eine Lizenz für die Spielzeit 2012/2013 erteilt wird.” Das heißt: Eine Verweigerung der Lizenz bedeute „mindestens” den Abstieg in die 5. Liga. Mit dem Gutachten werden gleich auch alle Alarmglocken verteilt.

Die Wirtschaftsfachleute hatten den Auftrag, eine belastbare Basis für die Ratsleute zu schaffen. Sie haben errechnet, dass der Klub in Liga 2 bei einem kalkulierten Schnitt von 16 000 Fans mittelfristig „maximal” zwei Millionen Euro aufbringen kann, in Liga 3 (angenommener Schnitt 9800 Zuschauer) die Hälfte. Alle Berechnungen sind konservativ, zusätzliche Einnahmen durch Pokalspiele oder Transfers werden nicht berücksichtigt. Für den noch nicht ganz absehbaren Fall einer Rückkehr in die Bundesliga werden drei Millionen Euro vorgeschlagen.

Aktuell stranguliert sich der Zweitligist für alle sichtbar mit einer jährlichen Belastung von 5,5 Millionen Euro für Zins, Tilgung und Unterhalt des neuen Tivolis. Die Stadt will bei dem absehbaren Finanztod nicht zusehen, betonte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp auch am Dienstag. „Aber wir können nur helfen im Rahmen der Möglichkeiten. Wir sind nicht dafür zuständig, den Verein zu retten”, sagt Philipp. Zumindest will er das Projekt nicht ausschließlich auf städtische Schultern hieven. Er erwartet erkennbare Unterstützung vom Land NRW, das im „Ernstfall” mit einer Bürgschaft von 27 Millionen Euro einspringen müsste. Welchen „Preis” eine gesunde Alemannia für das Land hat, wird gerade besprochen. Eine Gesellschaft (zum Beispiel die bestehende Stadion GmbH) könnte das Stadion für etwa 40 Millionen Euro erwerben und vermieten, in der Fachsprache: Sale & Lease-Back. Wie stark sich die Stadt beim Kauf einbringen darf, wird derzeit bei der Kommunalaufsicht ermittelt. In Köln beim Regierungspräsidenten wird eine Deckelung von 50 Prozent kolportiert.

Und auch mit dem Hauptsponsor AM, der dem Klub maßgeblich bei der Finanzierung des Stadions geholfen hat, wird das Projekt besprochen. Im Gespräch ist eine vorzeitige langfristige Verlängerung des Sponsorvertrags.

Bis Mitte nächster Woche will der OB dem Rat einen Vorschlag unterbreiten, entschieden werden soll dann im Januar.

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