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Gelsenkirchen: Rudi Assauer: „Da habe ich ein Sternchen mehr”

Gelsenkirchen : Rudi Assauer: „Da habe ich ein Sternchen mehr”

Wir wissen nicht, ob es das letzte Interview von Rudi Assauer ist, bevor er sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückzieht...

Aber wir wissen: Der Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 hat mit der Verpflichtung von Trainer Jupp Heynckes einen zweiten starken Mann zum Traditionsklub geholt.

Vor dem ersten Auftritt der neuen Schalker Mannschaft am kommenden Mittwoch, 18 Uhr, beim Oberligisten GFC Düren, stand Assauer AZ-Redakteur Bernd Schneiders Rede und Antwort.

Und, Herr Assauer, schon Entzugserscheinungen?

Assauer: Entzugserscheinungen? In welcher Hinsicht?

Plötzlich sind alle Kameras, Mikrofone und Journalistenohren auf Jupp Heynckes gerichtet. Der Trainer ist der Star.

Assauer: Da muss ich kräftig lachen. Das geht mir so am Hintern vorbei. Ich möchte am liebsten meine Ruhe haben und ungestört arbeiten.

Dann mal im Ernst: Jupp Heynckes will die Mannschaft erst einmal 14 Tage beobachten, bevor er eventuell Wünsche anmeldet. Ist das vom Termin her ein Problem?

Assauer: Die Transferzeit ist nicht mehr so ausgedehnt wie früher. Deshalb ist die Zeit bis August ziemlich knapp. Aber wir machen keine Schnellschüsse. Es sei denn, wir geben noch jemanden ab und reinvestieren das Geld wieder in einen Neuen.

Die Verweildauer der Trainer wird immer kürzer. Ist da nicht ohnehin der Manager beim Zusammenstellen der Mannschaft mehr gefragt?

Assauer: Es gibt bei Schalke ein ehernes Gesetz, von mir aufgestellt: Man entscheidet gemeinsam. Wenn es keine Einigung gibt zwischen Trainer und Manager, der eine den Müller, der andere dem Meier will, muss man auch langfristig denken. Und da habe ich ein Sternchen mehr.

Das ist aber noch nie eingetreten. Natürlich hat es mal einen Spieler gegeben, den der Trainer nie gesehen hat. Wie etwa bei Marc Wilmots, den nur ich gesehen habe.

Heynckes hat zwei Wege zum Erfolg aufgezeichnet: Wie Real Madrid Weltklasse-Spieler zu kaufen oder mit guten Spielern eine Einheit zu formen. Schließt das aus, dass Schalke auch mal einen Mann von Weltklasse-Format holt?

Assauer: Weltklasse-Spieler zu holen hieße, von der Philosophie des FC Schalke 04 abzugehen. Beim UEFA-Pokal-Sieg, beim Gewinn des DFB-Pokals haben wir vom Team gelebt. Ein Gegen-Beispiel ist natürlich Real, oder auch die Bayern, die alles kaufen, was ansatzweise Nationalspieler werden kann.

Wir gehen einen anderen Weg. Und der Abstand zu Bayern und auch zu den international führenden Klubs wird jedes Jahr geringer. Ein Klasse-Spieler entscheidet ein Spiel alleine. Wir aber wollen aus guten Spielern ein Team formen.

Und dann gilt der Spruch: Form schlägt Klasse. Die Frage dabei ist: Was will das Publikum? Bei uns wird Fußball malocht. Wenn der Spieler alles gibt, aber der Gegner einfach besser ist, murrt keiner im Stadion. Doch dass einer nicht alles versucht, wird nicht akzeptiert.

Nach den Erfahrungen der letzten Monate kam nur ein Trainer mit Renommee und ausgeprägtem Disziplin-Verständnis in Frage.

Assauer: Nach dem gescheiterten Versuch mit Frank Neubarth wollten wir einen gestandenen Trainer, der schon erfolgreich war und obendrein die deutsche Sprache beherrscht.

Und fürs Herz ist nun Co-Trainer Eddy Achterberg zuständig?

Assauer: Eddy kennt den Großteil der Mannschaft. Das ist bei einem Trainer wie Heynckes, der neu kommt, äußerst wichtig. Eddy ist ein lebensbejahender und -froher Mensch. Das heißt nicht, dass er ein Clown ist. Aber mit Jupp Heynckes, der strenger ist, bildet er eine hervorragende Symbiose.

Im Vorfeld wurde in der Öffentlichkeit ein Konflikt aufgebaut, starker Manager plus starker Trainer, das ginge nicht. Wie hat das denn mit Huub Stevens nur funktioniert?

Assauer: Er hat sechs Jahre lang nichts zu bestellen gehabt. Und somit ginge der UEFA-Pokal-Sieg, die Entwicklung des Vereins, von der grauen Maus, die mit 20 Millionen verschuldet war, hin zum erfolgreichen Team allein auf meinen Deckel. Das ist doch lächerlich. Genauso wie ich in den letzten Wochen nur noch als Idiot dargestellt wurde. Das kannst du doch alles in die Tonne kloppen.

Sie sind ziemlich angefressen.

Assauer: Dass ich im Blickpunkt stehe, ist klar. Aber wenn ich jetzt lese, Assauer sitzt bei der Vorstellung von Heynckes daneben, und hat nichts mehr zu bestellen. Was soll das?

Aber Sie beherrschen doch die Arbeit mit der Presse. Mitunter spielen sie sogar mit ihr.

Assauer: Das letzte ist völlig falsch. Es geht immer um die Sache. Aber irgendwann läuft die Sache über. So geht es nicht weiter. Am besten gebe ich dann keinen Kommentar mehr ab, sage nur herzlichen Glückwunsch bei einer guten Leistung. Manchmal muss man zu Mitteln greifen, die man nicht möchte. Schließlich geht es ums Ganze, um Schalke.

Aber Sie sind doch ein öffentlicher Mensch. Tauchen in vielen Talkshows auf, in der Werbung.

Assauer: In den letzten Wochen aber haben Sie mich im Fernsehen kaum noch gesehen. Dass ich mit meiner Lebenspartnerin vorher in einigen Talkshows war, liegt in der Natur der Sache - sie ist Schauspielerin. Ansonsten aber gehören Auftritte im Fernsehen mit zur Öffentlichkeitsarbeit. Allerdings übertreibe ich es nicht wie einige Kollegen: Mich muss man nicht jeden Tag auf der Mattscheibe sehen.

Sie haben Jupp Heynckes versichert, er könne ohne Druck arbeiten. Gleichzeitig einen Platz unter den ersten Fünf verlangt. Ein Widerspruch?

Assauer: Nein, Das haben wir schon in den letzten Jahren immer gesagt. Jupp weiß, dass wir eine Mannschaft besitzen, die das Potenzial dazu besitzt.

Heynckes hat die Diskrepanz zwischen kassierten und erzielten Toren angesprochen. Das riecht nach neuem Torjäger.

Assauer: Gerade vorne sind unsere Stürmer immer wieder verletzt ausgefallen. Aber es muss einen Schnitt im gesamten Team geben. Auch die offensiven Mittelfeldspieler müssen mehr treffen.

Am 2. Juli bestreiten Sie Ihr erstes Testspiel beim GFC Düren. Ein zweifach interessantes Datum, weil dann Real Madrids Vorkaufsrecht auf Samuel Etoo endet.

Assauer: Das ist doch der Spieler von Mallorca. Auch das ist wie immer eine Ente. Wir werden im Sturm nichts machen. Es wird in bald ein Gespräch mit Jupp geben, ob man noch was machen oder einen abgeben muss. Ich gehe aber davon aus, dass wir so in die Saison gehen.