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Aachen: Rösler kehrt zur Alemannia zurück: „Ich habe richtig Bock auf Aachen”

Aachen : Rösler kehrt zur Alemannia zurück: „Ich habe richtig Bock auf Aachen”

Das letzte Bild von Sascha Rösler zeigt ihn, wie er am Ende eines ausgeuferten Relegationsspiels in Düsseldorf durchaus überzeugend den Ordnungsdienst vertritt. Der Düsseldorfer Ersatzspieler verscheucht ein paar hundert Fans, die voreilig den Platz gestürmt hatten.

Für Rösler sollte es das letzte Spiel sein, danach war ein Platz im Nachwuchsleistungszentrum reserviert. Der Plan hat sich geändert, der 34-Jährige kommt für mindestens ein Jahr zurück an den Tivoli. Für ihn schließt sich der Kreis, denn seine Karriere begann 1997 in Ulm - in der 3. Liga.

Wie ist es zum Sinneswandel gekommen?

Rösler: Die Idee hatte Thomas Stehle schon vor ein paar Wochen. Damals war aber noch völlig ungeklärt, wie es in Aachen weitergehen wird. Akut ist das Thema vor zwei Wochen geworden, als mich Uwe Scherr angerufen hat. Wir hatten ein sehr gutes Treffen, ich hatte einen extrem positiven Eindruck. Ich bin ein Bauchmensch, mich hat der Ehrgeiz gepackt. Ich habe richtig Bock auf Aachen. Dazu kommt, dass ich mir vor langer Zeit mit meiner Freundin in Hauset ein Haus gekauft habe, wir wollen hier nicht mehr weg.

Was hätten Sie in Düsseldorf machen sollen?

Rösler: Ich sollte mich von der U 15 bis zur U 23 um die Top-Talente kümmern. Der Verein wollte ein Gesicht haben, um die Nachwuchsabteilung auszubauen. Das Angebot habe ich nicht angenommen. Vielleicht kann ich so etwas nach meiner Karriere machen. Ich hätte jetzt einen Schlussstrich ziehen müssen, aber mich hat es noch mal gepackt.

War die Zusage für Aachen ein Versprechen als Trauzeuge für Thomas Stehle?

Rösler: Nö. Es ist ein schöner Aspekt, dass ich mit einem guten Freund noch einmal zusammenspielen kann, aber das war definitiv kein Hochzeitsgeschenk.

Stehle hat schon gelästert, dass Sie ihm in Ihrem hohen Alter nicht mehr davon laufen.

Rösler (lacht): Das hat er gesagt? Frech, wir werden uns beim Tempo nicht so arg unterscheiden. Aber ernsthaft geantwortet: Von der Schnelligkeit lebe ich nicht mehr. Ich bin dafür ein Spielertyp mit anderen Vorzügen.

Das stimmt wohl. Auf dem Spielfeld polarisieren Sie wie kaum ein anderer. Kriegen Sie im Restaurant, in der Waschstraße oder beim Einkaufen auch so schnell Ärger?

Rösler: Privat bin ich völlig harmlos. Ich bin wirklich umgänglich. Es gibt kaum mal einen Mitspieler, mit dem ich nicht klar komme.

Sie sind in Aachen nach dem Weggang bei Gastspielen regelmäßig beschimpft worden. Haben Sie jetzt abgewägt, ob Sie willkommen sind?

Rösler: Mir ist das schon bewusst. Nicht jeder Fan fand den Wechsel von Aachen nach Mönchengladbach toll, das habe ich zu spüren bekommen. Das ist für mich eine weitere Herausforderung: Ich will die Fans auf meine Seite ziehen.

Vor zwei Jahren haben Sie als vereinsloser Spieler in Aachen trainiert. Warum ist es nicht zu einem Transfer gekommen, obwohl Sie Erik Meijer verpflichten wollte?

Rösler: Es war eine sehr konkrete Überlegung, ich hätte es mir gut vorstellen können. Die Trainer haben anders geplant, sie wollten jüngere Spieler. Vielleicht war ihnen meine Art auch zu dominant, da waren sie wohl etwas ängstlich.

Was passiert da in Aachen, was für ein Team kommt da zusammen?

Rösler: Ich vertraue Uwe Scherr völlig. Er weiß, auf was es ankommt. Er wird eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern zusammenstellen. Für Prognosen ist es jetzt noch zu früh. Aber ganz sicher gilt: Die 3. Liga ist ganz hartes Brot.

Kennen Sie den Western „Die glorreichen Sieben”, in dem ein paar ehemalige Revolverhelden noch einmal zusammenkommen, um ein letztes Mal aufzuräumen? Gibt es eine Parallele? Kommen hier gerade ein paar leicht ältere Männer zusammen, um noch einmal etwas Großes zu erledigen?

Rösler (lacht): Ich kenne den Film, halte den Zusammenhang aber für zu konstruiert. Eine Parallele ist vielleicht, dass wir zusammenkommen, um etwas zu erreichen. Wir wollen nicht ein letztes Mal Spaß haben. Ich habe zugesagt, weil wir hier etwas aufbauen möchten. Wenn ich nicht von den Leuten bei Alemannia überzeugt gewesen wäre, hätte das auch keinen Sinn gemacht.

Verträge für die Lizenz endlich unterschrieben

Auch beim Kampf um die Lizenz für die 3. Liga kann Alemannia punkten. Denn im Rahmen des mehr als 40 Millionen Euro schweren Umfinanzierungspakets für den neuen Tivoli, das am Dnnerstag endlich unterzeichnet wurde, verschafft die Stadt dem Klub aktuell mehr Liquidität. Wie der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp bestätigte, stundet die Stadt der Alemannia Forderungen in Höhe von insgesamt 500.000 Euro. Man erwartet diese Zahlungen nun erst im Sommer 2013. Nach Informationen unserer Zeitung war die Lücke in den Finanzplänen sogar noch größer: Demnach soll der DFB den Nachweis von mindestens einer Million Euro zusätzlich verlangt haben. Die Differenz soll die Alemannia kurz vor Toresschluss über Sponsoren ausgeglichen haben. Heute um 15.30 Uhr müssen alle Lizenzunterlagen beim DFB vorliegen. Mit einer Entscheidung über die Lizenzvergabe wird nächste Woche gerechnet.

Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer mochte sich nicht zu den Details der Finanznachweise beim DFB äußern. „Wir haben keine Liquiditätslücke”, sagte er lediglich. Kraemer ist „sehr zuversichtlich”, dass die Alemannia die Lizenz erhält: „Wir haben alles Notwendige zusammengetragen.” Es sei auch kein Problem, dass man derzeit noch keinen neuen Hauptsponsor habe.