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München: Ribéry: „Jeder Tag ohne Ball bereitet mir Schmerzen”

München : Ribéry: „Jeder Tag ohne Ball bereitet mir Schmerzen”

Der französische Nationalspieler Franck Ribéry spielt seit dem 1. Juli 2007 bei Bayern München. Der 25 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler konvertierte zum Islam und stand zuletzt bei Galatasaray Istanbul und Olympique Marseille unter Vertrag. In Frankreich gilt er als Kandidat auf die Nachfolge von Zinedine Zidane, in Deutschland nennt man ihn den kleinen Zauberer. Mit dem Franzosen sprach unser Mitarbeiter Oliver Trust.

Heute sind Sie wieder die prägende Figur bei den Bayern, nach Ihrer Verletzung im Sommer bei der EM mussten Sie lange um den Anschluss kämpfen, wie geht es Ihnen heute?

Ribéry: Von der schweren Verletzung spüre ich nichts mehr, mir geht es sehr viel besser. Es ist ein gutes Gefühl, zu spüren wie es aufwärts geht. Es ist kein Vergleich mehr zu den Spielen davor. Ich habe meine Anhaltspunkte im Spiel wieder gefunden.

War es nicht schwierig, ohne richtige Vorbereitung in die Saison zu gehen?

Ribéry: Das ist wirklich schwierig, es fehlen dir viele Grundlagen, die dir für dein Spiel Sicherheit geben. Das muss man sich dann Stück für Stück zurückholen während die Saison schon fast läuft. Aber man hat mir sehr geholfen. Ich war tief berührt, wie sehr sich Karlheinz Rummenigge und Uli Hoeneß um mich gekümmert haben. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du spürst, da sorgt sich jemand um dich. Es ging ja auch darum, schnell operiert zu werden. Es schmerzt mich jeder Tag, an dem ich nicht spielen kann.

Mit Jürgen Klinsmann kamen viele Veränderungen - wo sehen Sie den FC Bayern?

Ribéry: Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis man sich aneinander gewöhnt hat und bis sich Dinge einspielen, wenn neue Leute kommen. Aber ich sehe uns da auf einem sehr guten Weg. Ich denke, wir zeigen langsam, was wir leisten können, und ich habe das Gefühl, dass wir uns noch weiter entwickeln können.

Gilt das auch für die Partie gegen Hoffenheim am Freitag?

Ribéry: Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Hoffenheim hat eine starke Mannschaft, die offensiven Fußball spielt, aber ich denke, wir haben die besseren Grundlagen vom Spielrhythmus her.”

Kannten Sie Hoffenheim vor dieser Saison?

Ribéry: Ehrlich gesagt nicht. Man sagt, es ist ein kleines Dorf, aber wer in die Bundesliga aufsteigt und an der Tabellenspitze steht, muss Qualität haben.

Nicht nur in Frankreich wird über Sie gesprochen, auch in Deutschland lieben Sie die Fans, sie reden von Ihnen als dem kleinen Zauberer?

Ribéry: Ich liebe dieses Spiel, Fußball ist meine Leidenschaft. Und, wer mich ablenken will, der muss mir nur einen Ball geben. Dann ist das für mich das pure Glück. Es spornt mich an, wenn etwas gelingt und es Applaus dafür gibt. Wenn sich die Menschen darüber freuen, bringt uns das einander näher.

Wenn man Sie als Ausnahmefußballer spielen sieht, kann man sich nur schwer erklären, warum Ihre Karriere so spät ins Rollen kam?

Ribéry: Man muss auch Glück haben zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Klub zu sein.

Glück sieht anders aus, Sie mussten sogar eine zeitlang als Bauarbeiter arbeiten, um genug Geld zu verdienen, im Fußball lief es damals nicht so gut?

Ribéry: Ach das meinen Sie. Auch, wenn das seltsam klingt, aber ich bin froh, dass ich das erlebt habe. Eine meiner Stärken ist, dass ich nicht vergessen habe wo ich her komme. Ich musste bevor ich Profifußballer wurde, schwere Zeiten durchstehen und mein Geld verdienen wie jeder andere auch. Du musst hart arbeiten und bekommst nicht immer sehr viel dafür. Das ist wichtig in meinem Leben, ich denke sogar, dass es mir heute hilft, glücklicher und zufriedener zu sein, weil ich weiß, wie gut es mir heute geht.

Zu Ihrer „schweren Zeit” gehört auch der schreckliche Unfall, den Sie im Alter von zwei Jahren erleben mussten?

Ribéry: Die Geschichte kann jeder in meinem Gesicht lesen wie in einem Buch. Man sieht die Narben heute noch. Aber auch das gehört zu mir. Es hat mich geprägt und stark gemacht. Heute macht es mir nichts mehr aus, wenn die Leute darüber reden, aber als Kind habe ich schon darunter gelitten. Da, wo ich her komme, ging es schon mal rau zu.

Eine Schönheitsoperation kommt nicht in Frage?

Ribéry: Meine Güte nein. Ich bin so und kein schlechter Kerl, oder? Nicht für viele Millionen würde ich sie entfernen lassen, wenn das überhaupt geht. Ich habe sie seit mehr als 20 Jahren, sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin. Sie sind zum großen Teil Ursprung meines Willens und meiner Kraft.

All das hilft Ihnen, in der manchmal künstlichen Welt des Profifußballs den Überblick zu behalten?

Ribéry: Ich bin im normalem Leben ein sehr netter und einfacher Mensch. Ich halte mich nicht für etwas Besseres. Ich freue mich, wenn ich auf der Straße Leute treffe, dann rede ich mit ihnen. Ich habe gerne Spaß und eine lockere Stimmung. Das ist mein Weg.

Ungewöhnlich in Ihrem Leben ist, dass Sie zum Islam konvertiert sind?

Ribéry: Das war nicht ungewöhnlich. Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, in der sehr viele muslimische Menschen gelebt haben. Ich habe schon als Kind aufgehört, Schweinefleisch zu essen. Ich habe noch nie in meinem Leben Alkohol getrunken, als Kind, weil ich es nicht durfte, und später, weil ich es nicht wollte, nachgem ich meine Frau kennengelernt habe, die Muslimin ist. Ich habe vieles in dieser Religion entdeckt, was sich mit meinen Vorstellungen deckt.