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Hannover: Rettig und die „Richtung Endgültigkeit”

Hannover : Rettig und die „Richtung Endgültigkeit”

Der Mann im Radio sagt, er habe keine Meldungen über Verkehrsstörungen. Er hat aber ein schlechte Nachricht für alle Fans des 1.FC Köln: „Nach der heutigen 0:1-Niederlage bei Hannover 96 kann der FC konkret für die 2. Liga planen”, sagt die Stimme.

Dann wird ein O-Ton des Abwehrspielers Alexander Voigt eingespielt: „Man muss davon ausgehen, dass es das war. Die Chancen, drin zu bleiben, liegen jetzt etwa noch bei einem Prozent.” - wenn man ein Optimist ist.

Ein paar Stunden zuvor hatte bereits Marcel Koller sämtliche Flausen vertrieben: „Wir haben gekämpft, wir haben gefightet, wir haben uns viele Chancen herausgespielt und doch wieder unglücklich verloren. Der Klassenerhalt ist sehr, sehr weit weg”, befand der FC-Trainer. Und Andreas Rettig gab Einblick in seine verbeulte Seele: „Wir hatten den Kopf zwar schon lange in der Schlinge, wenn es jetzt aber in Richtung Endgültigkeit geht, muss man das erst mal verarbeiten”, erklärte der Manager, dem angeblich eine Offerte aus Hannover vorliegen soll.

„Berechenbare Partner”

Im Premiere-Interview war das so nicht herauszuhören. „Für Köln sehe ich nicht schwarz, auch wenn es tatsächlich in die falsche Richtung gehen sollte. Der Verein hat eine Perspektive, und daran arbeiten wir, mit Koller und mit Rettig. Da wir alle berechenbare Partner sind, gehe ich nicht davon aus, dass sich daran was ändert”, sprach Rettig.

Sehr bald etwas ändern dürfte sich freilich für die Profis Jörg Heinrich und Dirk Lottner. Genau wie in der Vorwoche gehörte sie auch in Hannover nicht zum FC-Aufgebot. Koller wollte eine Rückkehr der Routiniers zwar „nicht grundsätzlich ausschließen”, doch Rettigs Einschätzung der pikanten Personalie klang da schon rigoroser: „Wir werden in den nächsten Tagen die Köpfe zusammenstecken und sehen, was zu tun ist.” - Gut möglich, dass der Heinrich und Lottner überhaupt nicht mehr für den FC aufspielen. Und zwar nicht nur in dieser Saison, sondern nie mehr.

Sicherheitsrisiko Cichon

In der AWD-Arena zu Hannover hatte Koller bis auf den verletzten Markus Feulner erneut das stark geliftete Team aus der Vorwoche in Rennen geschickt. Eine halbe Stunde lang schien das keine gute Entscheidung zu sein, denn die FC-Abwehr wackelte bedenklich. Insbesondere Thomas Cichon erwies sich dabei als personifiziertes Sicherheitsrisiko. Der Ersatzkapitän war mit einem lädierten Knöchel angetreten und hatte nach eigenem Bekunden schon frühzeitig gemerkt, dass es nicht ging.

Aber der Defensivspezialist behielt sein Geheimnis (zu) lange für sich. Als er sich nach 41 Minuten auswechseln ließ, hatten die 96er nicht nur ein halbes Dutzend Chancen, sondern auch das entscheidende Tor durch Brdaric (34.) verbucht. „Thomas wollte auf die Zähne beißen. Aber ein Spieler muss auch erkennen, ob er fit ist oder nicht”, ärgerte sich Rettig.

Mit Sichone für Cichon entsprach der kölsche Abwehrverband dann notwendigen Sicherheitsstandards. Hannover verzeichnete keine einzige echte Möglichkeit mehr. Auf der Gegenseite demonstrierte dafür Lukas Podolski erneut seine außergewöhnliche Begabung, hatte jedoch bei drei Topchancen Pech. Einmal landete der Ball am Pfosten, einmal ging die Kugel haarscharf am Tor vorbei, und als er traf, entschied Referee Sippelfälschlicherweise auf Abseits.