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Mönchengladbach: Patrick Paauwe: Der Analytiker, der auch Spaß haben will

Mönchengladbach : Patrick Paauwe: Der Analytiker, der auch Spaß haben will

Im Interview mit unserem Redakteur Bernd Schneiders gibt Patrick Paauwe Einblicke über Gladbachs neues System, die verschärfte Konkurrenzsituation und seine Vorliebe für den englischen Fußball.

Hallo, Patrick Paauwe, was macht der Muskelkater?

Paauwe: Muskelkater? Was ist das?

Der entsteht, wenn man ungewöhnlich und ungewohnt viel laufen muss, so wie Sie am letzten Samstag beim 3:2 über Werder Bremen.

Paauwe: Ach so, ja, stimmt. Nein, damit habe ich aber keine Probleme.

Wohl aber mit dem Knie?

Paauwe: Ja, ich musste mit dem Training vorsichtshalber einen Tag aussetzen.

Ist das denn im Training passiert?

Paauwe: Ich habe nichts gemerkt. Abends nach dem Essen ist es plötzlich steif geworden.

Aha ..., was hat es denn gegeben?!

Paauwe: Keine Frikandel special. Wurzelgemüse und Kartoffeln. Sehr gesund, daran kann es also nicht gelegen haben.

Aber wie war es denn nun mit dem Laufen. So viel rennen bis zur letzten Minute habe ich Sie noch nie gesehen

Paauwe: Wir haben im Mittelfeld die ganze Zeit gut gearbeitet. Und wir wollten unbedingt als Sieger vom Platz gehen. Deshalb hatten wir am Ende noch mal richtig Arbeit.

Weil Bremen unheimlich Druck gemacht hat.

Paauwe: Ja, deshalb mussten wir noch etwas mehr arbeiten, um sie im Aufbau zu stören, nicht alles zuzulassen.

Unnötige Laufwege sollte man dennoch vermeiden?!

Paauwe: Auf jeden Fall. Wenn du unnötig viel läufst, kann es dich am Ende den Kopf kosten.

Ihre Landsleute haben das gut verinnerlicht.Paauwe: Ja, bei uns heißt es: Wenn du viel laufen musst, stehst du nicht gut.

Das System, das ihr gespielt habt, war wirklich neu?

Paauwe: Ja, mit drei Verteidigern, ohne Außenverteidiger - das ist wirklich ganz anders, als mit Viererkette zu spielen. Wenn der Gegner mit zwei Angreifern und einem offensiven Mann dahinter spielt haben wir Probleme, letztes Jahr auch schon.

Aber kann denn das nicht auch eine Viererkette schaffen?

Paauwe: Doch, aber dann kannst du nicht mit Außenstürmern spielen.

Wird das Euer System bleiben?

Paauwe: Viele Mannschaften wie Bremen und Hoffenheim spielen mit zwei Stürmern und einem dahinter. Und zu Hause wollen wir was extra machen, offensiv und attraktiv spielen.

Keine echten Außenverteidiger - keine angenehme Entwicklung für Spieler wie Jean-Sebastian Jaures.

Paauwe: Der kann auch Innenverteidiger spielen. Aber klar, es stimmt: Für einige Spieler ist es schade.

Kann man ein neues System denn so schnell lernen?

Paauwe: Das hat man ja gesehen. Wir haben es eine Woche trainiert. Wenn wir in den ersten Spielen allerdings eine unseren frühen Torchancen genutzt hätten, wäre alles vielleicht ganz anders gelaufen. Aber das ist Fußball: So eng geht es zu.

Was halten Sie denn von Ihrem neuen Kollegen Michael Bradley?

Paauwe: Ich kenne ihn nicht. Allerdings habe ich mit Rob Friend über ihn gesprochen, der ja im selben Verein gespielt hat. Er ist ein talentierter Spieler. Es ist gut für Borussia, so einen zu haben. Wir werden sehen, was er zeigen kann.

Aber Sie sind Niederländer, wohnen weiter in Ihrer Heimat und schauen doch auch fern, und sehen damit auch Spiele mit Heerenveen?!

Paauwe: Ja, aber ich bin kein Analytiker. Ich will Spaß haben, wenn ich Fußball schaue.

Oh, aber Sie gelten doch als der Kopf der Mannschaft, als einer, der ein Spiel lesen kann und sich mit Fußball beschäftigt.

Paauwe: Ja, mit meiner eigenen Mannschaft. Das ist Arbeit. Zuhause aber will ich Fußball genießen, Spaß und keine Arbeit haben. Deshalb sehe ich mir am liebsten Spiele englischer Mannschaften an.

Keine aus der Ehrendivision?

Paauwe: Nicht so gerne, das ist wie Schach, sie warten auf eine gute Chance, wollen von hinten mit vier, fünf Stationen rauskombinieren.

Und in England?

Paauwe: Geht alles viel schneller. Es passiert immer was, natürlich auch mehr Fehler. Aber du siehst Action, mehr Risiko.

Aber will denn nicht auch Ihr Trainer Jos Luhukay Kombinationsfußball à la Oranje?

Paauwe: Nein, wenn wir den Ball erobert haben, soll schnell der Pass in die Tiefe kommen.

Keine Außenverteidiger, ein neuer Mittelfeldspieler, es wird eng für viele in einem recht großen Kader?

Paauwe: Wir haben gute Spieler. Und alle werden nicht spielen können. Aber wir brauchen diese breite Palette. Es darf nicht passieren, dass die Qualität darunter leidet, wenn drei Spieler mal verletzt sind. Und wird es auch nicht bei uns.

Der Teamgeist aber war einer Eurer Stärken in der Aufstiegssaison. Kann der jetzt unter der verschärften Konkurrenz-Situation leiden?

Paauwe: Das kann ein Problem sein. Aber ich denke, nicht bei uns. Es ist schwierig, wenn du nicht spielst. Du bist Profi. Und wenn du grundsätzlich damit nicht umgehen kannst, musst du dann irgendwann sagen, dass du weg möchtest. Aber das ist das Problem des Trainers. Ich bin keiner. Zum Glück: Das wär nichts für mich.

Auch Sie haben mehr Konkurrenz. Wie würden Sie damit umgehen, auf der Bank oder gar Tribüne zu sitzen?

Paauwe: Das weiß ich nicht. Der Trainer aber würde sich sicher Gedanken darüber machen und es mir erklären.

Aber Sie hätten dennoch Probleme damit?

Paauwe: Wenn ich wochenlang auf der Bank säße, wäre es schwierig für mich. Das habe ich noch nie erlebt. Ich werde 33, aber noch ist es nicht soweit. Ich denke, dass ich noch wichtig für die Mannschaft sein kann.