1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Köln: Overath: „Ich bin doch nicht der Machtmensch”

Köln : Overath: „Ich bin doch nicht der Machtmensch”

Vor gut zwei Wochen wählten die Mitglieder des 1. FC Köln mit dem neuen Präsidenten Wolfgang Overath ihre Option auf die Rückkehr zu besseren Zeiten.

Die FC-Ikone soll den Spagat zwischen Tradition, Gegenwart und Zukunft meistern. Unsere Redakteure Günter Kirschbaum und Wilhelm Peters sprachen mit dem 60-Jährigen über Ziele, Perspektiven und Personen.

Die Erwartungen in Ihre Person sind in Köln unglaublich groß. Die Fans sehen in Ihnen den Heilsbringer.

Overath: Ich bin mir über die Situation im Klaren. Hier entscheidet nur der sportliche Erfolg. Und unser Ziel kann nur die direkte Rückkehr in die Bundesliga sein. Natürlich ist der Druck riesig, der auf Verein und Mannschaft lastet. Aber wer den nicht aushält, der ist beim 1. FC Köln falsch.

Sie waren noch nicht Präsident, da hatten Sie schon Marcel Koller entlassen und Huub Stevens als neuen Trainer verpflichtet.

Overath: Marcel Koller ist ein guter, aber junger Trainer. Er kommt aus einer relativ kleinen Liga. Klar, Insider kannten ihn. Er war keiner, der sich bereits in der Bundesliga einen Namen gemacht hatte. Mir wurde mit der Zeit immer klarer, dass sich der Verein und er in einer Situation befanden, dass es zu einer Explosion kommen würde, wenn wir nur ein paar Spiele verlieren.

Koller hatte in Köln kein Standing mehr. Ich habe versucht, ihn so lange wie möglich zu halten. Aber dann habe ich gemerkt, dass es nicht mehr geht. Die Alternativen waren Christoph Daum und Huub Stevens. Der eine war gerade Meister in der Türkei geworden, und der andere war frei. Stevens ist also unser Wunschtrainer. Hätten wir diese Alternative nicht gehabt, wäre Koller Trainer geblieben.

Jetzt hat der FC mit Overath und Stevens aber zwei Persönlichkeiten, die in ihrem jeweiligen Bereich sehr dominant sind. Kann das auf Dauer gut gehen?

Overath: Wir sind doch beide Fußballer. Außerdem hat jeder seinen eigenen Bereich. Huub Stevens setzt sich gewaltig unter Druck. Und das, was er uns vor seiner Verpflichtung vorgetragen hat, zeigt, dass er zu uns passt. Er ist ein Fachmann mit hoher Reputation. Er ist für die Mannschaft verantwortlich, ich für den Verein. Wir haben einen guten Draht zueinander und reden offen über alles. Ich werde ihm nie in seinem Bereich reinpfuschen.

Was hat Sie eigentlich bewogen, das Ruder beim FC zu übernehmen?

Overath: Ich habe mich elf Jahre aus allem rausgehalten, habe immer mein Privatleben vorgezogen. Dann habe ich mich in den Verwaltungsrat wählen lassen, habe mich aber schnell wieder zurück gezogen, weil ich dort nichts bewirken konnte. Und dann drohte im Frühjahr der dritte Abstieg. Jetzt musste ich helfen.

Aber nach sechs Wochen als Berater des Präsidiums habe ich festgestellt, dass es so nicht geht. Die Hierarchie im Verein stimmte nicht mehr. Da bin ich zu Herrn Caspers gegangen und habe ihm gesagt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder macht er weiter, und ich trete zurück, oder er tritt zurück, und ich werde Präsident. Da hat Caspers sich zum sofortigen Rücktritt entschlossen.

Was ist Ihnen bei diesem Vorgang durch den Kopf gegangen?

Overath: Ich habe zehn Jahre nur mit dem Verstand gelebt, aber in der letzten Phase der Saison habe ich die Realität ausgeblendet. Ich habe mir gesagt: Du hast in deinem Leben alles erreicht, da musst das jetzt auch versuchen. Diese Phase ist aber beendet, ich bin wieder in der Realität. Wenn ich nach einem oder zwei Jahren merke, dass ich es nicht schaffe, den FC wieder nach oben zu bringen, dann höre ich auf.

Wie gehen Sie mit Ihrer Macht um?

Overath: Ich versuche sehr offen und sehr klar damit umzugehen. Es gab schwierige Gespräche mit Spielern wie Lottner, Cichon und Sichone. Wir haben uns offen über alle Probleme, die in Köln auftrteten können, unterhalten. Sie hätten bleiben können zu veränderten Bedingungen, aber sie haben sich anders entschieden. Doch wir können uns immer noch in die Augen schauen. Ich stelle mich den Problemen und versuche mich immer mit meinem Vorstand abzustimmen. Ich bin doch nicht der Machtmensch, der Zampano.

Was hat Sie dazu bewogen, mit Andreas Rettig als Manager weiter zu arbeiten?

Overath: Rettig ist ein Mensch wie wir alle. Er macht Fehler. Das waren Fehler, die auch gestandenen Managern wie Hoeneß, Calmund oder Meier passieren. Er hat Fehleinkäufe getätigt, klar. Aber er konnte sich auch mit keinem beraten. Jetzt sind Stephan Engels, Jürgen Glowacz und ich da. Rettig ist intelligent, rhetorisch stark und hat Kontakte. Aus meiner Sicht überwiegen seine Stärken. Deswegen habe ich ihm gesagt: Du machst bei uns weiter.

Sind die personellen Plaungen des Wolfgang Overath abgeschlossen?

Overath: Wir werden noch einen Stürmer verpflichten. Ansonsten ist es mit dem Trainer abgesprochen, dass wir die ersten Wochen der Liga abwarten, uns dann zusammensetzen und sehen, wo wir noch etwas tun müssen.

Sie sind mit dem Ziel angetreten, den FC wieder in die nationale Spitze zu führen. Nach welchem Fahrplan soll das geschehen?

Overath: Es ist meine Vision, den FC wieder dahin zu führen, wo er hingehört. An erster Stelle steht der direkte Aufstieg. Dann müssen wir uns in der Bundesliga etablieren. Nicht als 15., sondern schon mit Blickkontakt nach oben. Der dritte Schritt soll uns dann möglichst wieder auf die internationale Bühne bringen. Natürlich ist dieser Fahrplan mittelfristig.