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München: Olli Kahns schwerer Verzicht auf die Fußball-Festtage

München : Olli Kahns schwerer Verzicht auf die Fußball-Festtage

Nur am Fernseher konnte Oliver Kahn das Halbfinale der Champions League verfolgen, und auch auf seiner persönlichen Abschiedstour in der kommenden Saison ist der Ausnahmetorwart in seiner Lieblings-Liga wohl nur Zuschauer.

Da der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München die Qualifikation für die Königsklasse so gut wie verpasst hat, steht der 37-Jährige im kommenden Jahr wohl nicht gegen Spitzenteams wie den FC Chelsea oder Inter Mailand im Rampenlicht, sondern tritt eher in der europäischen Fußball-Provinz gegen Banants Eriwan oder Dinamo Minsk im UEFA-Cup auf.

„Ich bin keiner, der sich die Rosinen rauspickt und immer nur dann für den Verein spielt, wenn es gerade gut läuft. Wir haben viele, viele Meisterschaften gefeiert, jetzt läuft es halt mal nicht so optimal”, sagte der achtmalige deutsche Meister. Schweren Herzens würde er sich mit dem weniger schmackhaften UEFA-Cup anstatt fußballerischer Leckerbissen zufrieden geben. „Als Angestellter des Vereins” werde er auch hier an den Start gehen, versprach Kahn, den sein schier unerschütterlicher Erfolgsglaube aber weiter auf die Mini-Chance zur Champions League hoffen lässt. Vier Spieltage vor Saisonende haben die Bayern fünf Punkte Rückstand.

„Ich werde sicherlich alles machen, aber falls wir uns nicht qualifizieren sollten, dann springe ich nicht sofort von diesem Schiff ab, das ist absoluter Blödsinn und überhaupt nicht mein Charakter”, sagte Kapitän Kahn, der mit dem 22-jährigen Michael Rensing einen ehrgeizigen Nachfolger im Nacken sitzen hat.

Zwar muss das Torwartdenkmal keine Sorge tragen, in der neuen Saison demontiert zu werden, doch Trainer Ottmar Hitzfeld hat bereits angekündigt, dass Nachwuchsmann Rensing mehr Einsätze erhalten wird. Sollten die Bundesliga-Jungspunde wie Manuel Neuer bei Schalke 04 oder Ren? Adler bei Bayer Leverkusen ihre furiosen Torwart-Auftritte fortsetzen, würden sie auch weitere Argumente für eine schnelle Wachablösung Kahns liefern. „Adler und Neuer sind junge, talentierte Spieler, die einige Male gut gespielt haben. Ob sie das Zeug dazu haben, ganz Große zu werden, wird sich zeigen”, sagte der 86-malige Nationalspieler in einem Interview der „11 Freunde”.

Ausgerechnet in Stuttgart, wo er vor nicht einmal einem Jahr nach der bitteren WM-Ausbootung als Nummer 1 im Spiel um Platz 3 wenigstens ein versöhnliches Ende seiner Nationalmannschaftskarriere erlebte, gab es in dieser Woche einen neuen Nackenschlag. Ohne Chance kassierte er zwei Gegentore beim 0:2 gegen den VfB Stuttgart, machtlos musste der Champions-League-Sieger von 2001 den endgültigen Knockout im Titelkampf hinnehmen. Umso mehr hofft er auf einen Titel seiner Abschluss-Saison - wenngleich die Sehnsucht vom neuerlichen Champions-League-Triumph ungestillt bleiben wird.

Am 30. Juni 2008, zwei Wochen nach seinem 39. Geburtstag, endet Kahns letzter Vertrag beim Rekordmeister. Bis dahin will der 529- malige Bundesliga-Spieler beim von „Kaiser” Franz Beckenbauer geforderten Neuaufbau des FC Bayern mithelfen. Wie es danach weiter geht, ist offen, aber eine Tätigkeit im Management oder als Fußball- Kommentator schließt er nicht aus. Nur eines mag sich Kahn nicht vorstellen: Den Trainerjob. „Davon lasse ich meine Finger”, betonte er im Interview mit der Zeitschrift.