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Mönchengladbach: „Nur mit Glück steht man nicht da oben”

Mönchengladbach : „Nur mit Glück steht man nicht da oben”

Peter Pander in seiner Lieblingsrolle: „Wenn man gegen die mit 0:1 in Rückstand gerät, dann wirds ganz schwer”, blickt der mahnende Manager auf die beiden letzten Heimspiele des Jahres gegen Nürnberg sowie Frankfurt und bittet die Journalistenschar schon Wochen im voraus um sanften Umgang mit Sieg-Prognosen.

Den Ball so was von flach halten, das ist Borussias Stil. Zu grausig ist die Erinnerung an die jüngste Vergangenheit, an jahrelange Abstiegssorgen.

Panders Rückblick auf das Ende der letztjährigen glücklich beendeten Schreckenssaison: „Wir haben doch fußballerisch gar nicht stattgefunden.” Und heute? Die Borussia kann spielen wie sie will, Platz 5, 6, oder 7 verlässt sie (derzeit) nicht.

„Da ist eine Entwicklung zu sehen”, sagt der Manager, freut sich - und träumt. Von fünf weiteren Zählern aus den vier Spielen bis zur Winterpause. 25 Punkte stünden dann auf der Habenseite, so viele wie nach 23 Spieltagen der Vorsaison.

Der aktuelle Punkt Nr. 20 kam am Samstag gegen Leverkusen dazu, ohne Zweifel ein gewonnener. Bayer war besser, unglücklicher und musste mehr leiden unter den Pfiffen bzw. Nicht-Pfiffen des schwachen Dr. Wack - wie bei Milan Fukals elfmeterreifem Foul an Dimitar Berbatov - als die Borussia.

Deren Cheftrainer Horst Köppel sagte: „Ich bin nicht unzufrieden mit der Leistung.” Ein Statement für die Öffentlichkeit, denn nur wenig rettete die Borussia aus dem überzeugenden Hamburg-Auftritt mit ins Leverkusen-Spiel.

Schläfrig der Beginn mit einer Tiefschlafphase von Hassan El-Fakiri und Milan Fukal vor Simon Rolfes Treffer zum 0:1 (5.). Es folgte ein kurzes Aufflackern mit Eugen Polanskis feinem Aufsetzer zum 1:1 durch Roque Juniors Beine (15.) und zwei gefährlichen Distanzschüssen des erneut überzeugenden Youngsters sowie von Oliver Neuville.

Den Rest des nicht wirklich guten Spiels dominierten die Gäste. Peer Kluge, einmal mehr Borussias Bester, resümierte stellvertretend für alle Kollegen: „Wir müssen und sollten auch mit dem Unentschieden zufrieden sein.”

Um dann einmal Grundsätzliches zu sagen: „Wir haben doch bewiesen, dass wir auf jeden Fall mithalten können. Wenn du nach 12, 13 Spielen da oben stehst, hast du auch eine gewisse Klasse, das geht nicht nur mit Glück.”

Die gewisse Klasse blieb zumindest am Samstag den „nur” 49.068 Zuschauern meist verborgen. Deren Ansprüche sind ohne Zweifel gestiegen, die immer wiederkehrenden Mahnungen von Pander, Köppel & Co. finden nur bedingt Gehör. „Die Zuschauer wurden ja nach dem 0:1 schon etwas unruhig”, wunderte sich Kluge.

Es ist in der Tat ein bisschen bizarr. Auf der einen Seite herrscht diese Erleichterung, endlich einmal ohne Angst vor akuter Abstiegsangst in den Borussia-Park pilgern und Fußball einfach nur genießen zu können. Andererseits werden mit Platz 6 auch die Ansprüche größer. Auch wenn die Addition der bislang gebotenen Leistungen eigentlich keine Summe ergibt, die diese Platzierung rechtfertigt.

Und so werden weiter Aussprüche wie von Horst Köppel („Wir müssen auf dem Teppich bleiben”), Peter Pander („Wir dürfen nicht vergessen, wo die Borussia herkommt”) und Peer Kluge („Wir dürfen nicht größenwahnsinnig werden”) den Tagesablauf bestimmen.

Natürlich wäre es grob fahrlässig, jetzt vom UEFA-Cup zu schwafeln. Doch wenn schon auf dem Rasen in der Offensive Flaute herrscht, kann ruhig neben dem Platz ein kleines bisschen getrommelt werden. Als Tabellensechster sollte vor Nürnberg und Frankfurt nicht schon Wochen im voraus gezittert werden.