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Aachen: Nürnberg - das unbekannte Wesen

Aachen : Nürnberg - das unbekannte Wesen

Um 16.45 Uhr an diesem Donnerstag gab der 1. FC Nürnberg eine Scheidung bekannt: Die Ehe mit Trainer Thomas von Heesen dauerte triste sechs Monate, dann hatten sich die beiden Partner nichts mehr zu sagen. In solch digitalen Zeiten sprechen sich Nachrichten schnell herum.

Der Club gab das Ende der unfröhlichen Liaison auf seiner Homepage bekannt.

Die abrupte Trennung nach dem zweiten Spieltag hat dann auch Auswirkungen auf Aachener Laptops. „All die Scoutingdaten, die wir gesammelt haben, sind für die Mülltonne”, sagt Alemannias Trainer Jürgen Seeberger. Der Club-Pokalsieg in Ahlen, der Heimsieg über Augsburg, der blutleere Auftritt von Kaiserslautern - die gesammelten Erkenntnisse sind Makulatur.

„Im Tor erwarte ich Raphael Schäfer”, sagt Seeberger, der noch am Montag die Mannschaft des Sonntagsgegners unter die Lupe nahm. „Und im Sturm Eigner und Boakye.” Darüber hinaus ist der Absteiger nun kurzfristig ein völlig unbekanntes Wesen geworden. Vittek ist bereits transferiert, Abardonda, Pinola, Charisteas, Mintal (bei Wolfsburg im Gespräch) sind auf dem Sprung. Zurück bleibt immer noch nominell eine Bundesliga-Mannschaft, die sich selbst in der 2. Liga zum Favoriten gekürt hat. Nur mit Thomas von Heesen wollte die Gruppe nicht mehr zusammenarbeiten, der Mannschaftsrat schickte die Signale an die sportliche Leitung.

Es hat schon schlechtere Ausgangslagen für Gastmannschaften gegeben. Das Publikum murrt über den unerwarteten Abstieg, weite Teile des Kaders haben sich mit der 2. Liga noch nicht angefreundet, und der Trainer Michael Oenning gilt nur als Übergangslösung. Diese Situation will Jürgen Seeberger am Sonntag in Nürnberg ausnutzen.

Es ist wieder eine dieser Partien wie früher, als der Berufsstand der Scouts noch nicht erfunden war, als sich Nachrichten nur langsam herum sprachen. Gezwungenermaßen etwas unvorbereitet reist Aachen am Samstag ins Frankenland an. Die Gruppe wird wieder von Reiner Plaßhenrich angeführt, der genesene Kapitän dürfte Pekka Lagerblom ersetzen. Mit Plaßhenrich soll dann auch wieder mehr Willen auf dem Platz stehen, der nach dem Rückstand in Rostock sich allzu schnell verflüchtigt hatte.

Diese zweite Halbzeit von Rostock ist ebenso gelöscht wie die Club-Daten. Der Trainer hat die positiven Ansätze der ersten 45 Minuten in dieser Woche im Alemannia-Kino seinen Spielern noch einmal vorgeführt. Die Profis sollen mit einem „guten Gefühl” die nächste Aufgabe angehen. „Wir sind gut drauf”, bilanziert der Coach am Ende der Trainingswoche.

Die Innenverteidigung stand sicher, vorne wurden ausreichend Chancen kreiert. Nur: „Wir müssen noch konsequenter nachsetzen, noch resoluter, noch hartnäckiger sein.” Die berühmte „geschlossene Mannschaftsleistung” fordert Seeberger ein, die es bislang noch nicht gegeben hat. Mal schwächelte die rechte, dann zum Ausgleich die linke Seite.

Mannschaft und System des Gegners wird Seeberger diesmal wohl erst spät erfahren. Beim Trainerposten braucht er nicht mit einer kurzfristigen Änderung zu rechnen. Der bei den Fans beliebte Hans Meyer wurde vom Präsidenten Michael A. Roth kategorisch ausgeschlossen. Dafür brachte sich Wolfgang Wolf ins Gerede. Auch den kennt Aachen, nachdem er am Tivoli getroffen wurde und somit das erste Geisterspiel der 2. Liga auslöste. Wolf ist ein alter Bekannter der Alemannia - sofern auch diese Datensätze nicht gelöscht sind.

Alemannia verlängert die Zeichnungsfrist

3,46 Millionen Euro hat Alemannia bislang mit der Tivoli-Anleihe eingenommen. Auf der Zielgeraden der über dreimonatigen Zeichnungsphase hat die Nachfrage deutlich zugenommen. Auch wenn das ursprüngliche Ziel (fünf Millionen) deutlich verfehlt wurde. Der Klub hat sich nun entschieden, die Zeichnungsfrist über den 31. August hinaus bis Ende Oktober zu verlängern.