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Aachen: Noch wenig zu spüren vom Fußball-Fieber

Aachen : Noch wenig zu spüren vom Fußball-Fieber

Eigentlich ist der Shoppingtrip durch Aachen ziemlich langweilig für den kleinen Max. Als sein Blick auf die schwarz-rot-gelbe EM-Wand gelenkt wird, ändert sich das jedoch schlagartig. Der fußballbegeisterte Knirps stürzt sich sofort auf die bunten Schals, Trikots und Fahnen.

„Darf ich das bitte haben?”, fragt er mit großen Augen und bibbernder Stimme, während er eine deutsche Autofahne hin und her schwenkt. „Das brauchen wir nicht”, sagt seine Mutter trotzig. Max versucht sein Glück aber noch ein zweites Mal: „Darf ich denn das wenigstens haben?”, guckt er seine Mutter, mit einem Spitzer bewaffnet, hoffnungsvoll an. „Nein, du hast noch einen von der WM”, antwortet sie ihrem Filius.

Später verharren auch einige Erwachsene vor den schwarz-rot-gelben Accessoires. Es hat den Anschein, dass bei jedem einzelnen die Erinnerung an die Weltmeisterschaft im eigenen Land wach wird und sich der Geist des Sommermärchens langsam aber sicher erhebt.

In den meisten Aachener Geschäften merkt man davon aber relativ wenig: Weitestgehend wird auf schmuckvolle Fußballmotive verzichtet. Finden sich doch einmal Girlanden in den Nationalfarben, ist der vermeintliche Patriotismus häufig der Unternehmenskommunikation anzurechnen. So auch bei der Bäckerei Kamps, die im Rahmen der EM - sehr kreativ - einen Schiri-Donut, einen Müsli-Fanblock und eine Fußballfeld-Sahneschnitte kreiert hat.

Flagge zeigen

Dass es auch persönlich motivierte Aktionen gibt, stellt Dieter Stracke unter Beweis: „Ich finde es wichtig, sich mit seinem Heimatland zu identifizieren”, legt der Geschäftsführer der Big Balloon-Filiale die Gründe für seinen kleinen EM-Stand in deutschen Farben dar. Gleichzeitig betont er, dass wirtschaftliche Interessen dabei keine Rolle spielen. „Es geht mehr darum, Flagge zu zeigen.”

Dass die Hysterie im Vorfeld der WM 2006 wesentlich größer als im Moment war, glaubt Stracke nicht. „Ich denke, dass heutzutage schon mehr Fahnen auf den Autos zu sehen sind, als zum gleichen Zeitpunkt der WM.”

Auf Dauer kann die Fahrt mit den bunten Fähnchen aber richtig teuer werden, da ein Wagen bei einer rund 100 Kilometer langen Autobahnfahrt etwa einen halben Liter mehr Sprit braucht. „Je mehr es flattert und je schneller man fährt, umso mehr Sprit verbraucht man”, fand ein Techniker heraus. Diese Warnung dürfte bei eingefleischten Fußballfans aber auf taube Ohren stoßen. Nach anfänglicher Zurückhaltung findet man auch in Aachen immer mehr Fahnen, die im Windzug der Autos tanzen.

Tanzen und feiern sind auch genau die richtigen Stichworte für Maura und Maike, die sich die Spiele der deutschen Nationalelf beim Public Viewing anschauen wollen. Im großen Stil ist das in Aachen nur im Kapuziner-Karree möglich, ansonsten bieten 20 Gastronomien noch ein paar kleinere Sitz- und Feiermöglichkeiten. Ein schwarz-rot-gelbes Utensil muss für die beiden Schülerinnen auf jeden Fall dabei sein. „Das gehört einfach dazu”, sind sich die beiden 15-Jährigen einig.

Nur ein ganz kleines Utensil hätte sich auch der kleine Max gewünscht. Seine Mutter blieb aber eisern, und der Shoppingtrip ging weiter. Immerhin kann er sich mit dem Gedanken trösten, dass zu Hause zahlreiche WM-Artikel auf ihn warten. Und damit lassen sich die deutschen Tore mit Sicherheit genauso gut bejubeln.