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Gelsenkirchen: Noch hat Solbakken bei Finke Schonfrist

Gelsenkirchen : Noch hat Solbakken bei Finke Schonfrist

Kevin McKenna hatte auch lange nach dem Schlusspfiff die Orientierung noch nicht wiedergefunden. Nach den TV-Interviews verirrte sich der Innenverteidiger in den Katakomben der Schalker Arena. Nicht nur deshalb wird dem Kanadier dieser Nachmittag noch lange nachhängen.

Bei der 1:5 (1:1)-Niederlage des 1. FC Köln bei Schalke 04 war er die tragische Figur im Trikot des Bundesliga-Schlusslichts.

Es war wahrscheinlich die Szene, die dem Spiel die entscheidende Wendung gab: Der überragende Ex-Aachener Marco Höger hatte von rechts geflankt, und der Kopfball von Kyriakos Papadopoulos flog aus zwei Metern Entfernung an McKennas Arm. Schiedsrichter Guido Winkelmann zeigte sofort zum allgemeinen Kölner Entsetzen auf den Elfmeterpunkt (42.), und Klaas-Jan Huntelaar glich die FC-Führung aus, die Lukas Podolski nach einem feinen Konter erzielt hatte (12.).

Huntelaar war McKennas „Mann”. Und der Niederländer drehte Kölns Innenverteidiger nach dem Wechsel so richtig ein. Wieder flankte Höger, Huntelaar köpfte Schalkes Führung (47.) und markierte mit seinem dritten Treffer (84.) den Endstand. Zwischenzeitlich hatten sich auch Lewis Holtby (48.) und Raúl (59.) in der Torschützenliste verewigt. Nach guter erster Halbzeit hatte sich Köln wie ein Top-Kandidat auf den Abstieg präsentiert.

„Nach dem Doppelschlag ging der Kopf runter”, hatte Trainer Stale Solbakken den Grund schnell ausgemacht: „Danach waren wir nicht stark genug im Kopf. Vier, fünf Spieler haben dann das Spiel gespielt, das die letzten Jahre gespielt wurde, vier, fünf haben versucht, mein Konzept zu spielen. Das war heute eine Katastrophe.”

Der Norweger stellte auch nach seiner zweiten Pleite sein Konzept nicht in Frage. „In mir tobt die Hölle, und es sind nicht die Medien, die für mich so schlimm sind, sondern mein verletzter Stolz”, outete sich Solbakken. „Es gibt für mich keinen anderen Weg, ich bin wegen dieses Konzepts zu dem Verein geholt worden, das ist mein Konzept.”

Anfangsschwierigkeiten sind für den 43-Jährigen nicht neu. „Auch in Kopenhagen hatte ich keinen guten Start, weil das Konzept vielleicht ein bisschen schwierig ist.” Solbakken weiß, dass seine Lage mit jeder Niederlage schwieriger wird. Er braucht schnell Ergebnisse. Zumal viele eigenwillige Charaktere in seinem Kader sind, deren Kooperationsbereitschaft mit jeder Pleite sinkt.

Aus der Kölner Führungsetage wird Solbakken Unterstützung signalisiert. „Ich werde Solbakken bei allem, was wir machen, unterstützen”, sagte Sportdirektor Volker Finke, der das Desaster gemeinsam mit Präsident Wolfgang Overath und „Vize” Jürgen Glowacz entsetzt von der Tribüne aus verfolgt hatte. „Dass es ein bisschen Zeit kostet, eine veränderte mannschaftstaktische Einstellung auf den Platz zu bringen, ist nicht ganz überraschend”, dozierte Finke. „Für die ganz globalen Fragen ist es noch etwas zu früh.” Das bedeutet für den Trainer offensichtlich noch eine Schonfrist.

Doch Solbakken braucht mit dem FC schleunigst einen Befreiungsschlag. Möglichst schon am kommenden Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern. Dann, so hofft er, wird Youssef Mohamad wieder neben Pedro Geromel in die Innenverteidigung rücken und das defensive Zentrum stabilisieren. Zudem kündigte der Coach an, „vielleicht mit ein, zwei anderen Abwehrspielern ins Spiel zu gehen”. Das klingt nach zumindest einem Transfer. Im Fokus des Kölner Interesses steht dabei der 21-jährige Kroate Anel Hadzic, der aktuell für den österreichischen Klub SV Ried verteidigt. Von den Qualitäten seiner Defensivkräfte Tomoaki Makino und Christopher Schorch scheint Solbakken nicht überzeugt zu sein.

„Wir müssen auf der starken ersten Halbzeit aufbauen”, versuchte der Trainer das Kölner Auftreten bei Königsblau ein wenig aufzuhübschen. „Für mich ist es eine große Herausforderung, dass alle Spieler über 90 Minuten taktisch gleich denken.”