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Mönchengladbach: Nando Rafael auf dem Absprung

Mönchengladbach : Nando Rafael auf dem Absprung

Mit warmem Applaus wurden sie beim letzten Heimspiel verabschiedet: Eugen Polanski, Kasper Bögelund und Robert Fleßers bekamen für ihre Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt. Die Verträge der drei Fußball-Profis wurden nicht verlängert.

Borussia nutzt die Chance zur Blutauffrischung mit der Hoffnung auf Qualitätssteigerung auf diesen Positionen.

„Vier bis fünf Neue” sollen aus dem Zweitligameister während der Sommerpause eine schlagkräftige Bundesligatruppe formen, kündigte Sportdirektor Christian Ziege an. Und man ahnt, dass es nicht bei den drei Blumensträußen bleiben wird.

„Der ein oder andere Spieler, bei dem es diese Saison nicht so lief, wird sicherlich reden wollen”, sagt Ziege. Wer gemeint ist, dürfte klar sein: Alexander Baumjohann etwa, der keine einzige Minute für die Profis auf dem Rasen stand, oder der viel zu häufig verletzte Sebastian Svärd, der es auf gerade einmal fünf Spiele von Beginn an brachte. Und natürlich Nando Rafael, der nur zweimal von Beginn an spielen durfte.

Nando Rafael ist im Grunde ein Showmensch. DJ in der Mannschaftskabine, Spaßvogel beim Training und ein witziger Interviewpartner. Eines will der Stürmer von Borussia Mönchengladbach aber nicht sein: Ein Spielverderber.

Und deswegen machte er bei der Aufstiegsfeier gute Miene nach einer für ihn persönlich enttäuschenden Saison. Er gab auf der großen Party zur Rückkehr in die Fußball-Bundesliga wie gewohnt den Vortänzer und stimmte mehrere Fanlieder hintereinander an.

Er zelebrierte vor versammelter Mannschaft und Fanschar den „Haka”, den neuseeländischen Kriegstanz, mit dem sich die Rugby-Spieler auf ihre Länderspiele einstimmen.

Auch, wenn sein persönlicher Anteil am Aufstieg wesentlich kleiner ausfiel als geplant. „Warum sollte ich auch mit langem Gesicht da stehen und jedem zeigen, dass ich unzufrieden bin?”, sagt Rafael. „Wir sind Meister geworden und aufgestiegen. Ich habe versucht, das positiv umzusetzen.”

Positiv denken, das schien sein Credo für die gesamte Saison gewesen zu sein. Dass ihm in den insgesamt gerade einmal gespielten 240 Minuten drei Tore gelangen, ist zwar keine schlechte Quote.

Dass ihm darüber hinaus noch drei weitere Treffer wegen angeblicher Abseitsstellung fälschlicherweise aberkannt worden sind, ist nur symptomatisch für die Saison des 24-Jährigen. „Das ist natürlich Pech”, sagt Nando. „Zufrieden bin ich natürlich nicht. Ich habe mir für dieses Jahr anderes vorgenommen.”

„Ende aus.”

Er wollte spielen, fand aber in Nationalstürmer Oliver Neuville und Rob Friend übermächtige Konkurrenz. „Sie haben es überragend gemacht und zusammen über 30 Tore geschossen”, sagt Rafael. „Es gab keinen Grund, einen von beiden beiseite zu schieben. Sie haben es besser gemacht als ich. So ist es nun mal, Ende aus.”

Nando Rafael trägt zwar mit der „9” die klassische Rückennummer eines Torjägers auf dem Rücken - wurde im Laufe der Saison aber von den Nummern 27 (Neuville), 16 (Friend) und noch von der später verpflichteten Nummer 30 (Roberto Colautti) auf Stürmerplatz Nummer vier verdrängt. „Das habe ich mir alles anders vorgestellt”, bekennt Rafael.

Die Konkurrenz wird auch in der kommenden Saison nicht eben kleiner: Borussia wird noch einen Stürmer verpflichten - und Nando dafür wohl Platz machen müssen - und das, obwohl sein Vertrag noch ein Jahr läuft.

„Es ist wichtig, dass es für mich in Zukunft anders aussieht als jetzt. Ich bin offen für alles”, sagt Rafael, der in der niederländischen Eredivisie noch über einen hervorragenden Ruf verfügt: ausgebildet in der Fußballschule von Ajax Amsterdam, an der Seite von heutigen Stars wie Rafael van der Vaart oder Wesley Snijder, stand dem bulligen Stürmer eine glänzende Zukunft bevor.

Da er nach zehn Jahren in den Niederlanden keine Arbeitserlaubnis mehr erteilt bekam, musste Rafael wechseln. Über Hertha BSC Berlin führte ihn sein Weg im Jahr 2006 zu Borussia Mönchengladbach.

Wäre eine Rückkehr in die Niederlande ein Thema? „Abwarten”, sagt Rafael. In den kommenden Tagen wird er ein Gespräch mit der sportlichen Leitung führen. „Ich will wissen, was man in der kommenden Saison mit mir vor hat”, sagt Rafael. Auch wenn er die Antwort darauf vermutlich schon kennt.