Mönchengladbach: „Mönchengladbach, da musst du zugreifen”

Mönchengladbach: „Mönchengladbach, da musst du zugreifen”

Nein, Lucien Favre pickt sich nicht immer nur die Rosinen raus. Er hat in der spanischen Primera División Spiele angeschaut während seiner 17-monatigen Schaffenspause, in der englischen Premier League, in Italiens Serie A und natürlich in der deutschen Fußball-Bundesliga.

Doch als ihn der Lockruf von Max Eberl erreichte, hatte der 53- jährige Schweizer gerade den Zweitliga-Kick zwischen Arminia Bielfeld und dem VfL Bochum verfolgt. Für Pessimisten ein klares Zeichen: Favre habe sich schon mal über Zweitliga-Fußball kundig gemacht...

Erist Optimist - das muss er ja auch sein

Doch Favre ist Optimist, muss es sein. Und so sagt der neue Mönchengladbacher Cheftrainer, „ich bin überzeugt davon, dass wir noch eine Chance haben, wir müssen davon überzeugt sein”. Favre spricht von 36 Punkten, die noch zu vergeben seien, und Sportdirektor Max Eberl assistiert ihm: „Wir halten den Zipfel noch richtig in der Hand.”

Dass ein Abstieg die Zusammenarbeit Favres mit der Borussia nicht sofort beenden würde, zeugt von Realitätssinn. Der Vertrag ist bis 30. Juni 2013 gültig, gilt für beide Ligen. Was den Schweizer in keiner der kurzen Verhandlungsphase schreckte. Wenn es so käme, „werden wir eine Mannschaft haben, die sofort wieder aufsteigen kann”.

Lucien Favre also soll´s richten, die Arbeit erfolgreicher gestalten als Michael Frontzeck. Zwölf Spiele hat der Mann Zeit, der bei seinen bisherigen Stationen immer eine gewisse Zeit benötigte, um seine Spielidee auf die Mannschaft zu übertragen. Zeit, die Favre im Borussia-Park nicht hat. Und noch nie ist er bei seinen bisherigen Stationen als Soforthelfer auffällig geworden, vielleicht auch deshalb sagt er, sehe er keinen Grund, an Borussias Co-Trainerstab mit Manfred Stefes und Frank Geideck etwas zu ändern. Es ist keine Zeit für große Umwälzungen.

„Präzise arbeiten, Fehler sofort korrigieren”, das werden seine Spieler ab heute erleben, und sie werden feststellen, dass Favre ein Freund des aktiven Spiels ist, ein Trainer, der gerne junge Spieler fördert und auf Namen oder Verdienste keine Rücksicht nimmt.

„Er ist ein guter Trainer, hat ganz viel Ahnung vom Fußball”, sagen professionelle Beobachter, die ihn aus seiner Zeit bei Hertha BSC kennen, wo er sich zum Trainer des Jahres in der Saison 2008/09 aufschwang und ziemlich brutal wieder auf dem Boden landete. Nach sieben Spielen mit sechs Niederlagen wurde er in der Hauptstadt am 28. September 2009 entlassen. Und ist jetzt froh, wieder Teil der Bundesliga zu sein. „Mönchengladbach ist für mich eine große Herausforderung und phantastisch.” Favre, der schon vor Frontzecks Verpflichtung im Sommer 2009 ein Partner von Max Eberl bei Vertragsgesprächen war, sagt: „Mönchengladbach, da musst du zugreifen.”

Der Mythos Mönchengladbach wirkt also noch, doch dafür gibt es keine Punkte. Für die müssen die Spieler sorgen, und welchen Typ Favre bevorzugt, hat er einmal so erklärt: „Ein falscher Spieler kann in einer Mannschaft alles kaputt machen. Deshalb musst du die richtige Spielermischung finden. Kombinieren sie richtig? Stehen sie an der richtigen Stelle? Es geht immer um Spielintelligenz.”

Es gibt noch viel zu tun im Borussia-Park.

In 20 Jahren von Echallens bis Mönchengladbach

Lucien Favre, 53, tritt bei der Borussia sein achtes Amt an.

Seine Stationen: 1991 bis 1993: FC Echallens (Jugend); 1993 bis 1995: FC Echallens; 1995 bis Dezember 1996: Xamax Neuchâtel (Technischer Direktor); 1997 bis 2000: Yverdon-Sport FC; 2000 bis 2002: Servette Genf; 2003 bis 2007: FC Zürich 2007; bis 28. September 2009: Hertha BSC



Die Cheftrainer in Mönchengladbach seit September 1999:

7. 9. 1999 bis 1. 3. 2003: Hans Meyer

1. 3. 2003 bis 21. 9. 2003: Ewald Lienen

21. 9. 2003 bis 27. 10. 2004: Holger Fach

2. 11. 2004 bis 18. 4. 2005: Dick Advocaat

18. 4. 2005 bis 14. 5. 2006: Horst Köppel

23. 5. 2006 bis 31. 1. 2007: Jupp Heynckes

1. 2. 2007 bis 5. 10. 2008: Jos Luhukay

19. 10. 2008 bis 29. 5. 2009: Hans Meyer

3. 6. 2009 bis 13. 2. 2011: Michael Frontzeck

seit 14. Februar 2011: Lucien Favre

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