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Köln: Mit Mumm auf dem Podium

Köln : Mit Mumm auf dem Podium

Es war ein bitterer Abend für Albert Caspers. Auch wenn es nur ein Nebenschauplatz war, auf dem die Mitglieder dem Präsidenten des Bundesliga-Tabellenletzten 1. FC Köln einen Denkzettel verpassten.

Aber erst als der CDU-Bundestagsabgeordnete und Aufsichtsratsvorsitzende der RheinEnergie AG, Prof. Rolf Bietmann, auf seine Kandidatur für den Verwaltungsrat vor dem zweiten Wahlgang verzichtete, stimmte das Wahlvolk der FC-Vorschlagsliste zu.

Vier Stunden lang hatten 1372 Mitglieder die Jahreshauptversammlung im Kristallsaal der Kölnmessen als ein Forum für Regularien und zur Krisenbewältigung benutzt.

Witzig und chaotisch gings dabei häufig zu. Vor allem nach den Reden von Caspers, Manager Andreas Rettig und Trainer Marcel Koller.

Allerdings interessierte dabei beispielsweise die Einwechslung von Jörg Heinrich in der Endphase des Spiels gegen den HSV viel mehr, als die Höhe der Transfersumme für Markus Feulner, die bei 90.000 Euro liegen soll.

Dass die traditionelle Fragestunde eher karnevalistisches Flair als den befürchteten Tribunal-Charakter entwickelte, lag an den professionellen Auftritten von Andreas Rettig und Marcel Koller. Rettig legte seine Personalpolitik und Führungsphilosophie offen dar.

Der 40-Jährige präsentierte sich rhetorisch und taktisch ausgezeichnet und nahm damit in 15 Minuten der Versammlung ihr Konfliktpotenzial. Rettig redete offen über Versäumnisse, Chancen und Perspektiven.

„Ich bin aber nicht bereit, schon nach 13 Spielen den Kopf in den Sand zu stecken und uns zu ergeben”, betonte der Manager. „Wir können jetzt in tiefste Depressionen verfallen oder noch entschlossener anpacken.”

Rettig versprach eine weitere Aufrüstung der Mannschaft. „Wir sind keine Traumtänzer”, sagte er. „Wir werden personell noch etwas tun und glauben, dass wir es schaffen.”

Allerdings strich Rettig auch das Hauptproblem des FC heraus: „Wir haben zu wenig Kerle, die auf dem Platz Mumm zeigen.”

Auch Trainer Marcel Koller redete die Lage nicht schön, bat aber die Fans um Zeit bis zur Winterpause. „Es ist einfach wichtig, dass wir ruhig bleiben”, sagte der Schweizer. „In dieser Situation hilft nichts als harte Arbeit. Aber die Zeit vor der Winterpause ist zu knapp, um die konditionelle Verfassung der Mannschaft auf 100 Prozent zu bringen.”

Am Ende der Aussprache atmete Albert Caspers auf. „Es ist ganz ordentlich gelaufen”, stellte der 70-jährige Präsident fest. Dass die Veranstaltung wenig später aus dem Ruder zu laufen drohte, konnte er da noch nicht ahnen.

Als Caspers dann aber die Vorschlagsliste des Präsidiums für den Verwaltungsrat verlas, quittierten die Mitglieder Bietmanns Name mit einem Pfeifkonzert.

Bietmann, Nachfolger des ausgeschiedenen Helmut Trienekens in diesem Gremium, aber in Köln nach diversen politischen Affären nicht sonderlich gut gelitten, war neben Oberbürgermeister Fritz Schramma der erklärte Wunschkandidat Caspers.

Doch das Wahlvolk lehnte die Liste zweimal mit großer Mehrheit ab, obwohl sich der FC-Chef zwischen den Abstimmungen nachdrücklich für den CDU-Politiker eingesetzt hatte.

Danach gab Bietmann auf, zog seine Kandidatur zurück und machte so den Weg für den neuen, nun elfköpfigen Verwaltungsrat.