Mönchengladbach: Mit Balsam und Kampfkraft ins Stadion der Freundschaft

Mönchengladbach: Mit Balsam und Kampfkraft ins Stadion der Freundschaft

Vom Glücksschlag zum Befreiungsschlag? Oder was bewirkt Mönchengladbachs glücklicher Last-minute-Sieg über Schalke 04? Zumindest eine leichte Entkrampfung bei Trainer Hans Meyer.

„Ich möchte Euch gratulieren. Das war eine richtig gute Pressekonferenz.” Anders aus seiner Sicht, als die vor dem Sonntagsspiel, als er verbal explodierte. Allzu viel Kreide muss der „graue Wolf” allerdings auch nicht gefressen haben, der 66-Jährige ist bekanntermaßen ein Freund der Ironie.

Was aber macht das 1:0 mit den Spielern, die am Mittwoch bei Energie Cottbus auflaufen werden? Alles kleine Rambos, die mit dem Dreier im Rücken den Kampf-Spezialisten im Stadion der Freundschaft trotzig und erfolgreich die Stirn bieten? Zumindest einige der Borussen bedürfen einer ausgeprägten Wandlung. „Wenn wir uns in Cottbus nicht mit zehn Feldspielern wehren und gegen den Ball arbeiten, haben wir keine Chance”, so Meyers anonyme „Anzeige”.

Immer noch mutig genug in einer Zeit, in der Stars und Möchtegern-Stars so schnell hochgejubelt und verhätschelt werden, dass jede Andeutung von Kritik einen Nerven- oder Sinnkrise bei den Sensibelchen auslösen kann. Die 54067 Zuschauer aus dem Borussia Park zumindest benötigen keine näheren Hinweise: Über weite Strecken der Schalke-Partie spielte Borussia ohne Zwei: Alexander Baumjohann und Marko Marin.

Da eine hundertprozentige Metamorphose innerhalb von drei Tagen und obendrein bei beiden vermeintlichen Hütern des Kreativ-Grals kaum wahrscheinlich ist, könnte sich nur Marko Marin in der Startelf wiederfinden. Den hätte Meyer gegen Schalke ebenso berechtigt auswechseln können wie Baumjohann. Derzeit aber scheint ein lichter Moment des 20-Jährigen realistischer zu sein als der des Bald-Bayern.

Eine Lichtgestalt war am Sonntag Dante, der sich trotz allen technischen Potentials erst einmal auf seine körperlichen Fähigkeiten besann und buchstäblich „Kampfschwein” Jermaine Jones hart aber gekonnt auflaufen ließ. „Das Fußballerische kommt in Cottbus an zweiter Stelle”, ahnt auch Abwehrkollege Filip Daems. Also erst die Ärmel hoch und dann die Stutzen runterkrempeln? „Im Hinspiel war uns Cottbus spielerisch überlegen, und das 0:3 im Pokal spricht auch nicht gerade für fußballerische Überlegenheit”, hinterfragt Meyer zumindest lieb gewonnene Vorurteile.

Eins zumindest hat das 1:0 auf jeden Fall bewirkt: das Energie- ist kein End-Spiel. Überlebensnotwendiger Balsam auf die schwachen Nerven des jungen Gladbacher Teams, besonders wenn man an die ersten 25 Minuten gegen Schalke denkt. Jetzt würde auch ein Remis im Osten die Erstliga-Sonne nicht untergehen lassen.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems - Galasek, Paauwe, Bradley - Marin, Colautti, Matmour

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