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Aachen: Mit Alemannia soll es endlich bergauf gehen

Aachen : Mit Alemannia soll es endlich bergauf gehen

„Er hat mit seinen Leistungen auf und außerhalb des Platzes sowie durch seine spielerischen wie menschlichen Qualitäten in vollem Maße überzeugt.” Ein Satz, den wohl jeder liebend gern in seinem Arbeitszeugnis lesen würde. Florian Müller bekam diese Auszeichnung von seinem obersten Dienstherrn - dem DFB. Vor drei Jahren erhielt der Offensiv-Allrounder die Fritz-Walter-Medaille in Gold, vor Manuel Neuer und Eugen Polanski.

Verbunden war damit schriftlich die Hoffnung, dass der Weg für eine große Fußballer-Karriere bereitet sei. „Vielleicht war es mein ruhiges Auftreten oder der Umgang mit den Kollegen in der U19-Nationalelf”, rätselt der gebürtige Eisenhüttenstädter ein wenig, befragt nach den menschlichen Qualitäten, die der Deutsche Fußball-Bund da herausgehoben hat.

Sportlich jedenfalls ging es für Müller zunächst zweimal bergab statt bergauf: Union Berlin wurde nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga in die Oberliga Nordost durchgereicht, nach der Zwischenstation Bayern München II („Dort habe ich bei Hermann Gerland menschlich einiges dazugelernt”) wechselte „Flo”, wie ihn die Mannschafts-Kollegen nennen, in die Regionalliga zum 1. FC Magdeburg - und erlebte dort ebenfalls den Abstieg mit, obwohl (nicht weil) er in allen 36 Pflichtspielen auflief. „Mein Ziel ist, in der Bundesliga zu spielen, nicht in der Vierten Liga”, beschreibt Müller seine sportlichen Ambitionen.

Da passte es, dass Alemannias erster und bislang einziger Sportdirektor an die Tür klopfte. „Jörg Schmadte hat mir erklärt, wie man mich in Aachen sieht und einplant, dass man mir Zeit geben wird, mich zu entwickeln und zu präsentieren. Momentan sieht es ganz gut aus, vielleicht geht es ja diesmal hoch statt runter”, hofft Florian Müller, der einen Vertrag bis 2011 hat, darauf, dass er selbst und die Alemannia in der Erfolgsspur bleiben.

Die Zeit zur Entwicklung hat es gegeben - „Anfangs habe ich schon gemerkt, wie groß der Unterschied zwischen Regionalliga und Zweiter Liga in den Spielen und der Trainingsintensität ist” - und Florian Müller befindet sich mit den Kollegen auf Augenhöhe, auch wenn bei den ersten von bislang zwölf Einsätzen im schwarz-gelben Trikot noch etwas Verunsicherung zu spüren war. Mit der Folge, dass aus der schleichenden Angst vor Ballverlusten die Schleife rückwärts statt das freche Dribbling oder der Risiko-Ball in die Spitze folgte.

Versprechen für die „Rechten”

Gegen den VfL Osnabrück erlebte Müller, der in der Jugend als Stürmer begann und später ins offensive Mittelfeld rückte, sein Debüt als Außenverteidiger. Eine Rolle, der der 21-Jährige gelassen positive Seiten abgewinnen kann. „Dort habe ich die Möglichkeit, viel nach vorne zu machen. Ich habe dann keinen mehr hinter mir und kann dynamisch in die Offensive kommen”, liefert Florian Müller die Ausschreibung für diesen Arbeitsplatz in der Viererkette.

Eine Einstellung, die mehr Schwung in den bislang etwas müden Vortrag der Alemannia über die rechte Angriffsseite bringen könnte. „Wir arbeiten daran, dass es auf dem Platz etwas ausgeglichener läuft”, gibt der Angriffs-Mittelfeld-Verteidiger ein Versprechen für alle „Rechten” in der Mannschaft. „In den nächsten Spielen werden bestimmt ein paar Tore über unsere Seite fallen.”

Milchraum: „Wir haben ein eigenes Stadion”

Neben den Langzeit-Verletzten Markus Schroth (Knie-Operation) und Kapitän Daniel Bierofka (Bandscheiben-Operation) muss „Löwen”-Trainer Marco Kurz beim Gastspiel seiner Mannschaft auf dem Aachener Tivoli auch auf die Bender-Zwillinge verzichten: Lars Bender hat sich einen Syndesmoseband-Riss zugezogen, sein Bruder Sven brummt seine fünfte Gelbe Karte ab.

Mit Matthias Lehmann, Lukasz Szukala und Patrick Milchraum stehen gleich drei ehemalige Spieler von 1860 München in Diensten von Alemannia Aachen und sollten sich somit ein Bild von den Unterschieden zwischen den beiden Traditionsvereinen machen können. Am kürzesten brachte es Patrick Milchraum in einer Münchner Tageszeitung auf den Punkt: „Wir haben ein eigenes Stadion.”