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Dortmund: Meyers überdurchschnittliche Verlierer

Dortmund : Meyers überdurchschnittliche Verlierer

Borussia Mönchengladbach klettert Platz für Platz nach oben. In der Lob-Tabelle: „Gladbach hat richtig Klasse gezeigt”, urteilte Matthias Sammer.

Diese Aussage fällt einem Trainer natürlich leicht, wenn der 1:0-Sieg seiner Dortmunder recht glücklich, weil erst fünf Minuten vor Schluss unter Dach und Fach gebracht wurde.

Und ohne zwei „Spieler”, die in Sachen Attraktivität unersetzbar sind. „Wir haben ohne Glanz und Gloria gespielt.” Das Fehlen dieses imaginären Duos und die Strapazen des Champion-League-Spiels vom Mittwoch sollten den Wert des Gegners aber nicht schmälern. „Man sollte die Leistungen und Entwicklungen von Mannschaften, die nicht oben stehen, mehr respektieren”, forderte Sammer.

Gladbachs jüngste Auswärts-Meriten: In Halbzeit zwei den Deutschen Pokalsieger Schalke an die Wand gespielt, in Halbzeit eins den Deutschen Meister beherrscht. Vorwürfe, dass diese Doppel-Leistung sich in der offiziellen aber schnöden Punkte-Tabelle der Liga nicht niederschlagen, bringen Hans Meyer auf die Palme.

Die West-Duelle als Klassenkampf: „Da spielt eine Popelsmannschaft mit Investitionen von acht Millionen gegen eine von 80 Millionen”, verdeutlichte Gladbachs Trainer die Relationen. Und stieg bis in die Krone der Palme, bei der Frage, wer denn die Niederlage zu verantworten habe: „Warum braucht Ihr immer einen Schuldigen?”

Zumindest halbherzig beteiligte sich auch Steffen Korell an der indizierten Suche: „Das darf einfach nicht passieren, dass wir fünf Minuten vor Schluss hinten ohne Absicherung stehen”, schimpfte der Vize-Kapitän. Eine Kopfball-Verlängerung von Jan Koller fand den ebenso „vereinsamten” wie wieselflinken Ewerthon, der Markus Münch enteilte, Jörg Stiel umkurvte und einschoss (85.).

Die Beteiligten und ihr „Sündenregister”: Jeff Strasser verlor das Kopfball-Duell gegen den 2,02-Meter-Riesen - normal. Markus Münch, ohnehin nicht der Schnellste, gewährte Ewerthon einen Vorsprung von drei Metern, der inzwischen zum freien Mann avancierte Marcel Witeczek orientierte sich zum Mann und entblößte damit die Mitte. „Eine Kollektiv-Verrücktheit” befand Hans Meyer.

Die den guten Eindruck aus der ersten Hälfte verwischte. Denn da brachte die Meyer-Elf den Favoriten mächtig ans Wanken, um bei ihren gefährlichen Vorstößen aber zu häufig bei der letzten Station vom Tor-Weg abzukommen.

Das Duell des niederrheinischen „Popel-Sturms” gegen die Dortmunder Weltklasse-Abwehr entschieden die Gäste dennoch für sich: Joris van Hout brillierte gegen Wörns, Peter van Houdt gab Christoph Metzelder manches Rätsel auf, und Lawrence Aidoo sorgte gegen Dede für Wirbel. Sich somit die BVB-Offensiv-Abteilung weitgehend vom Leib zu halten, gelang natürlich nicht über 90 Minuten. Der Druck von Koller & Co. nahm nach der Pause zu.

Der Druck von Schiedsrichter Jörg Keßler auch. Dem verwarnten Aidoo und dem starken Peer Kluge empfahl der Mann aus Wogau einen vorzeitigen Feierabend: „Ansonsten fliegt Ihr!” Beide wurden aus dem Spiel genommen: „Es waren zwei meiner besten Spieler, die er selbst ausgewechselt hat”, bewertete Hans Meyer die Leistung des Unparteiischen.

„Die Schiedsrichter sind alle meine Freunde”, sagte Heißsporn Sammer später in der Pressekonferenz. Ironisch gemeint, doch an diesem Samstag hatte der BVB-Coach wirklich nichts zu meckern. Denn immerhin fruchtete die Eigenart seiner Spieler, fast bei jedem Körperkontakt wie ein Karnickel zu springen oder den sterbenden Schwan zu mimen.

Die Strecke des passionierten Foul-Jägers Keßler: 28 Verfehlungen und vier Gelbe Karten auf Seiten der Gladbacher, 16 Fouls und eine Verwarnung für Dortmund - in einem fairen Spiel. „Am besten amputiere ich meine Arme”, sagte Jeff Strasser, der beim Höhen-Duell gegen Koller immer wieder abgestraft wurde.

Nicht bestraft wurde Dede, der mehrmals vor einem Freistoß für Gladbach den Ball nicht rausrücken wollte. Wohl aber Aidoo, der sich dafür mit einem Gesichtsgrabscher rächte. „Das ist unnötig von Lawrence und gehört zu diesen um sich greifenden Aktionen, die nach Selbstjustiz aussehen, wobei die jungen Spieler auch besten Anschauungsunterricht von den Titanen der Liga erhalten”, schimpfte Meyer.

Und blieb doch bei seinem Kollektiv-Lob: „Es hat nicht einer unterm Schnitt gespielt. Das habe ich bei einer Niederlage noch nie erlebt.”