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München: Marcel Koller bastelt die Überschrift für sein Team

München : Marcel Koller bastelt die Überschrift für sein Team

Auch gut drei Stunden nach Abpfiff ärgerte sich Marius Ebbers in der Abflughalle des Münchner Flughafens „Franz-Josef-Strauß” noch über seine vergebene Chance in der letzten Minute der Nachspielzeit.

„Ich hätte das Ding machen müssen. Da gibt es nichts zu entschuldigen”, haderte der erst in der 89. Minute eingewechselte Stürmer über seine Unkonzentriertheit im entscheiden Moment.

Mit der aus Zeitungsausschnitten selbst gebastelten Schlagzeile „Köln schafft eine Überraschung in München” hatte FC-Trainer Marcel Koller seine Spieler im Vorfeld auf die Partie eingestimmt. Und die hat nach dem 2:2 des Tabellenletzten beim Meister FC Bayern Bestand.

Doch statt einer Überraschung hätte es auch eine Sensation geben können, wenn eben Marius Ebbers die Nerven behalten hätte.

Die behielt jedenfalls Kölns Keeper Stefan Wessels an seiner alten Wirkungsstätte, wo er nach Aussage von Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld eine „sensationelle Leistung” zeigte. Und die bescheinigte dem 24-Jährigen nach einem Dutzend erstklassiger Paraden so ziemlich jeder der 48.000 Besucher.

Zwei Mal musste sich Wessels dennoch geschlagen geben. Bei beiden Treffern - jeweils nach Ecke - zeichnete sich Claudio Pizarro, der beste Münchner an diesem Nachmittag, als Torschütze (42./49.) aus.

„In den Standardsituation und bei gegnerischen Flanken müssen wir noch an uns arbeiten”, fand Koller eine paar kritische Worte, war ansonsten aber natürlich angetan von den Darbietungen seiner zuletzt arg gerupften Schützlinge: „Die Mannschaft wurde für ihre Leidenschaft belohnt und hat insbesondere im mentalen Bereich zugelegt.”

Bezeichnend hierfür war das Aufbäumen der Gäste nach dem 2:1 der Bayern. In den letzten Wochen wäre das Team nach solch einem Doppelschlag auseinander gefallen. Diesmal jedoch war die von Manager Andreas Rettig auf der Jahreshauptversammlung geforderte „Jetzt-erst-recht-Mentalität” zu sehen und spüren.

Es wurde gekämpft und gerackert. Zur Belohnung - Andrej Voronin hatte die Gäste nach feinem Zuspiel von Florian Kringe in Führung gebracht (35.) - durften die zuletzt regelmäßig als Ritter der traurigen Gestalt aufgetretenen Kölner tatsächlich nochmals jubeln.

Nur über den Torschützen zum 2:2 (60.) gab es nachher intern ein paar - nicht ganz so ernst gemeinte - Zwistigkeiten. „Ich war mit den Stollen noch dran”, flachste Christian Springer mit Alexander Voigt, der den Kopfball aufs Tor abgegeben hatte und einen WDR-Reporter im Spaß aufforderte, „die Szenen ein bisschen umzuschneiden”, um ihn als Torschützen auszuweisen.

Dass dieser Punkterfolg von München nicht nur die Gesichter wieder ein wenig aufgehellt hat, sondern auch das Selbstbewusstsein gesteigert hat, dokumentierte Voronin. „Warum sollen wir unsere restlichen Spiele vor der Winterpause gegen Leverkusen und Berlin sowie in Rostock nicht gewinnen?”, fragte der Stürmer.

Doch zunächst steht am Mittwoch (18.30 Uhr) das Achtelfinal-Pokalspiel gegen Greuther Fürth auf dem Programm. Vielleicht sieht auch für Ebbers die Welt danach wieder ein wenig freundlicher aus.