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Mönchengladbach: „Man muss sein Glück auch mal erzwingen”

Mönchengladbach : „Man muss sein Glück auch mal erzwingen”

„Verdaddelt Gladbach den Aufstieg?”, fragt der „Express”. „Fehlstart komplett - Gladbach trauert trotz Platz 1”, hat die „Bild” beobachtet, und auch die seriöse „Frankfurter Allgemeine Zeitung” findet: „Mainzer Bollwerk hält - Gladbach in der Krise.”

Gladbach in der Krise?

Gladbach ist Tabellenführer!

Und wenn es denn überhaupt eine Niederlage geben kann, die zuversichtlich stimmt, dann das 0:1 der Borussia am Montagabend in der 2. Fußball-Bundesliga gegen den FSV Mainz 05.

Eine Frage und eine Feststellung prägten die Analysen nach den 90 nicht übermäßig gutklassigen, aber unterhaltsamen Minuten. „Was kann ich der Mannschaft vorwerfen”, fragte Jos Luhukay - und gab selbst die Antwort: „Nichts!” Des Trainers Analyse fiel übrigens ganz kurz aus, „nur zehn Minuten: Denn mit einer langen Analyse schießen wir den Ausgleich auch nicht mehr... Ich habe der Mannschaft nichts vorzuwerfen!”

Unwidersprochen blieb auch die Feststellung vieler Spieler, dass „uns einfach ein bisschen das Glück gefehlt hat”. Aber zumindest am Montag auch das Können, um den geschlossenen Abwehrriegel der langen Mainzer Recken zu knacken. Druck übte die Borussia immensen aus, doch die spielerische Note lautet: nicht ausreichend.

Und jetzt stecken trauernde Gladbacher in der Krise und verdaddeln den Aufstieg?

Man sollte dem Trainer Gehör schenken: Immer und immer wieder, als für viele Medien und Sympathisanten der Aufstieg schon im Winter vollzogen war, hat Jos Luhukay gesagt: „Wir sind noch lange nicht aufgestiegen, entschieden ist noch lange nichts.” Der einsame Rufer mit Langzeitprognose im kurzlebigen Geschäft. Und da bleibt zu notieren: Gladbach ist Tabellenführer.

Keine Maschinen

Dass jetzt, nach vier Spielen in Folge ohne Sieg, die Nerven ein bisschen angekratzt sind, ist menschlich. „Wir sind ja keine Maschinen”, bemerkt Sascha Rösler, der wie Alexander Voigt hundertprozentig überzeugt ist, „dass wir aufsteigen werden”.

Hilfreich auf dem noch langen Weg wäre wieder einmal ein Sieg, und da dürfen sich die Borussen die Mainzer ruhig als Vorbild nehmen. „Wir wollten heute einen Arbeitssieg erzielen”, erklärte Jürgen Klopp, der der ohnehin schon besten Abwehr der Liga ein ausgeprägtes Defensivkonzept verordnet hatte.

„Glück, Zielstrebigkeit und Leidenschaft” hatte Klopp in seinen Reihen ausgemacht und bescheinigte den Borussen „in der Luft eine unglaubliche Qualität”. Die aber nicht zum Tragen kam, weil zwar 56 Flanken in den Mainzer Strafraum geschlagen wurden, aber das Zwingende in den Aktionen dann doch fehlte (was man den Spielern vorwerfen könnte).

Der rekordverdächtigen Anzahl von Flanken zum Trotz: Mal energisch bis zur Grundlinie durchbrechen und von dort mit einer scharfen Vorlage für Gefahr sorgen, das gelang weder Ndjeng und Levels auf der rechten Seite, noch Voigt und Coulibaly auf links. Das wäre aber gerade gegen ein solches Bollwerk von Vorteil gewesen.

Am Sonntag muss die Borussia in Osnabrück beweisen, dass sie auch aus diesem Spiel etwas gelernt hat, dass sich Spieler und Verantwortliche zu Recht gegen das Krisengerede wehren. Ob Jos Luhukay sein Personal ein bisschen mischt?

Noch lässt sich der Trainer nicht in die Karten schauen, denkbar wäre aber: Roel Brouwers kehrt in die Innenverteidigung als Partner des gegen Mainz überzeugenden Steve Gohouri zurück und Filip Daems rückt auf die linke Seite. In der Offensive wäre der Belgier wesentlich effektiver als Voigt, der der Form der Hinrunde hinterherläuft.

Dass Rob Friend schon am Donnerstag nach dem freien Tag am Mittwoch wieder trainieren kann, davon geht Luhukay aus. Am Dienstag strampelte sich der Kanadier, der noch am Montagabend mit 13 Stichen an der Stirn genäht werden musste, auf dem Fahrrad ab. Nur zur Untersuchung im Borussia-Park erschien am Dienstag Patrick Paauwe.

Der Niederländer, der schon nach 33 Minuten ausgewechselt werden musste, gab schon unmittelbar nach dem Spiel die Losung für Osnabrück aus: „Man muss sein Glück auch mal erzwingen.” Ob er „mitzwingen” kann, ist offen. Die Diagnose lautet: Kapseldehnung, Außenbanddehnung und eine Verstauchung des rechten Sprunggelenkes. Dazu hat er sich die Wirbelsäule verdreht und das Becken sowie die Lendenwirbelsäule geprellt.