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Köln: Machtkampf in Köln: Soldo unter Erfolgsdruck

Köln : Machtkampf in Köln: Soldo unter Erfolgsdruck

Trainer Zvonimir Soldo hat sich und den 1. FC Köln mit der Entmachtung des aufmüpfigen Kapitäns Milivoje Novakovic zusätzlich unter Erfolgsdruck gesetzt.

Vor dem „Endspiel” beim Fußball-Bundesligisten VfL Bochum am (heutigen) Freitagabend griff der 42 Jahre alte Coach durch und nahm Novakovic die Spielführerbinde weg.

„Ich habe Milivoje die Chance gegeben, sich nach den Vorkommnissen der letzten Woche bei mir und der Mannschaft zu entschuldigen. Diese Chance hat er aber nicht genutzt”, begründete Soldo nach dem Abschlusstraining am Donnerstagabend die Maßnahme.

Er brauche „einen Kapitän, der mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld ist und mit dem ein gegenseitiges respektvolles Verhältnis besteht.”

Von Michael Meier erhielt der angesichts der sportlichen Talfahrt zunehmend unter Druck geratene Soldo Rückendeckung. Der Manager zeigte Verständnis für den Schritt, der sich angedeutet hatte. „Wir wollten ihm Gelegenheit geben, zur Besinnung zu kommen, aber das hat er nicht getan”, sagte Meier über Novakovic. In Bochum sollte der Portugiese Petit die Mannschaft auf das Feld führen.

Der Konflikt zwischen dem slowenischen Nationalspieler und Soldo schwelt schon länger. Nun war das Maß voll. Der kroatische Trainer, der im Sommer das schwere Amt von Kölns Liebling Christoph Daum übernommen hatte, fühlte sein Vertrauen missbraucht.

Erstens, weil in einer Mannschaftssitzung am Sonntag intern besprochene Dinge an die Öffentlichkeit drangen. Und zweitens, weil Novakovic und dessen Landsmann Miso Brecko sich darüber beklagt hatten, dass der Club sie nach der geschafften WM-Qualifikation der Slowenen noch vor den Feierlichkeiten mit einem Privatjet abholen ließ. „Wenig respektvoll” nannte der formschwache Stürmer Novakovic die Aktion und belastete damit das ohnehin gestörte Verhältnis zum Coach zusätzlich.

Schon bei der Pressekonferenz vor der Kellerpartie in Bochum hatte Soldo wegen der „Maulwurf-Affäre” aufgewühlt und wütend gewirkt. „Ich bin kein Polizist. Aber in jeder Mannschaft gibt es einen Ehrenkodex. Und das war eine eindeutige Verletzung. So etwas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt”, schimpfte er.

Mit Personen, die interne Dinge nach außen trügen, sei „kein Krieg zu gewinnen”. Ihm sei es nicht wichtig, nach außen hin immer gut auszusehen: „Aber damit habe ich ein Problem.” Konsequenz für Soldo: „Ich werde nur noch Einzelgespräche mit Spielern führen.”

Der offen ausgebrochene Machtkampf kommt zur Unzeit. Der Druck auf den früheren Stuttgarter Profi nimmt weiter zu. Sollte seine Elf nicht die erhoffte Trotzreaktion zeigen und sich der sportliche Absturz beschleunigen, droht Soldo die Entlassung. Auch wenn Meier („Es gibt keine Revolte gegen Soldo.”) und Präsident Wolfgang Overath ihm derzeit noch den Rücken stärken.

„Der Trainer hat unser vollstes Vertrauen. Es gibt kein Ultimatum”, betonte Overath unlängst. Doch derlei Beteuerungen haben in der Fußball-Branche häufig nur eine begrenzte Halbwertzeit.