Mönchengladbach: Lucien Favre: Katalysator und Visionär

Mönchengladbach: Lucien Favre: Katalysator und Visionär

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie sich Trainer wie Thomas Tuchel spreizen würden, hätten sie den wunderbaren bis -samen Erfolg eines Lucien Favre.

Der 54-Jährige zählt nicht zu der Spezies der Pfauen im Fußballgeschäft. Doch an Minderwertigkeitskomplexen leidet der Schweizer nicht, da darf man sich nicht von seiner entwaffnenden Höflichkeit täuschen lassen. „Für Bundestrainer Joachim Löw sind Sie der Trainer des Jahres”, wurde Favre nach dem Pokalerfolg gegen Schalke mitgeteilt. Statt Schamesröte folgte die ruhige Bestätigung. „Ja, das stimmt.”

Ein Fußballlehrer, der gleich zwei Wunder - den Nichtabstieg und die Wiederauferstehung in die obere Tabellenregion - schafft, ist außergewöhnlich. Was aber ist es, das aus dem Schweizer einen Wundertrainer macht? Wäre der Erfolg von Borussia nur ihm zuzuschreiben, müsste sich Sportdirektor Max Eberl Sorgen machen. Auch „Wundertrainer” ziehen weiter - wen wunderts. Favre war der richtige Mann zur richtigen Zeit. Ein positiv Fußballverrückter mit der Lust an und dem Können für Detailverbesserungen.

Der akribische Arbeiter wirkte wie ein Katalysator, er ließ bereits vorhandene, aber durch Verletzungen und Enttäuschungen verschüttete Qualitäten zünden. Ohne die personellen Veränderungen (Martin Stranzl, Harvard Nordtveit, Mike Hanke, Marc-André ter Stegen) und die strukturellen Bedingungen, die Borussia in Person von Eberl und seinem Team ihm lieferte, wäre das Doppel-Wunder ausgeblieben.

Lucien Favre ist der Retter und die fleischgewordene Verheißung, das Kellerleben in der Bundesliga auch langfristig hinter sich zulassen. Seine Vision vom Direktpassspiel à la FC Barcelona gepaart mit seiner alltäglichen Schulung der Borussen- Profis passt perfekt zum vorausschauenden Wirken eines Max Eberl. Rückschläge werden irgendwann kommen, Favre irgendwann gehen. Die Grundlagen aber werden bleiben.

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