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Mainz: Latour: „Das hat mit Angst im Kopf zu tun”

Mainz : Latour: „Das hat mit Angst im Kopf zu tun”

Die Impressionen vom Bruchweg drückten die Stimmung im Kölner Lager weit unter den Gefrierpunkt. Hanspeter Latour weiß seit Samstagnachmittag ziemlich exakt, was er sich damit angetan hat, den Trainerjob beim 1. FC Köln zu übernehmen - eine Aufgabe von gigantischem Ausmaß.

Denn die 2:4 (1:1)-Niederlage zum Rückrundenauftakt beim FSV Mainz 05 hat dem Schweizer gezeigt, dass sein Team in dieser Zusammensetzung in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig ist. Da ließ man sich auch vom 05er-Trainer Jürgen Klopp keinen Sand in die Augen streuen, der hinterher von einem „verdienten Sieg gegen sehr starke Kölner” sprach.

„Man kann sich eine gewisse Qualität erarbeiten”, sagte Latour unter den Eindrücken des Mainzer Desasters und meint wohl seine Defensivabteilung. „Nur haben wir nicht sehr viel Zeit dafür.” Dabei dürfte das Erarbeiten wohl nur über weitere Transaktionen auf dem Spielermarkt gehen. Manager Michael Meier: „Wir haben Bedarf. Es sind Fehler gemacht worden, die dürfen einfach nicht passieren.”

Gesucht: ein zentraler Mittelfeldspieler. Ob das aber Ricardo Cabanas (Grashoppers Zürich) sein kann, ist fraglich. Der 27-Jährige ist eher die Kreativkraft hinter den Spitzen. Im Gespräch auf der 6er-Position ist Svonomir Soldo (VfB Stuttgart). Beim FC ist man jedenfalls zuversichtlich, bis Dienstag um Mitternacht, dem Ende der Transferzeit, Vollzug vermelden zu können. Meier: „Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen. Wir sind dran.”

Drauf und dran ist Köln jedenfalls schon jetzt den Anschluss zu verpassen. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt bereits fünf Punkte. Und das Tabellenbild wird vom statistischen Zahlenwerk ergänzt: Mainz schoss 30 Mal aufs FC-Tor, die Kölner nur sieben Mal. Allein der zweifache Mainzer Torschütze Michael Thurk (5., 55.) zog einmal öfter ab als das gesamte Gäste-Team.

Beim Führungstor des FSV hatten sich Springer, Benschneider und Sinkiewicz willig in die Statistenrollen begeben, bei Thurks zweitem Volltreffer ließen sich Schlicke, Schindzielorz und Zivkovic auf zwei Strafraum-Quadratmetern vorführen. Zwischenzeitlich hatten Lukas Podolski, der mit einem von Manuel Friedrich an Marco Streller verursachten Foulelfmeter traf (32.), und Matthias Scherz (49.) Hoffnung im FC-Lager aufkeimen lassen. Die nächsten Patzer von Zivkovic und Schindzielorz nutzten Zidan (61.) und Auer (87.) zu den restlichen Treffern.

„Da war eine Viererkette, die aber nicht wie eine Viererkette gespielt hat”, fiel Latours Beschreibung des Ist-Zustandes noch eher gemäßigt aus. „Die haben ihre Positionen doch gar nicht gefunden.” Der Trainer hatte sich noch in der Nacht mit seinem Einstands-Debakel befasst und ein 15-Minuten-Video schneiden lassen. Das war dann am Sonntag vor dem Auslaufen der Anschauungsunterricht für überforderte Profis.

„Wir haben nur unser Tor verteidigt und selbst in Überzahl nicht gepresst”, gefiel dem Trainer etwas Grundsätzliches nicht. „Das war die Haltung des Schwächeren. Man zieht sich zurück, obwohl man sich duellieren wollte.” Auch diese Erkenntnis wird von der Spielstatistik gestützt: Schiedsrichter Günter Perl musste keinem FC-Akteur die Gelbe Karte zeigen. „Das hat nichts mit der Einstellung zu zu tun”, glaubt Latour. „Das hat mit Angst im Kopf zu tun.”

Die einzigen, die der Trainer davon ausnehmen wollte, waren Torhüter Stefan Wessels, Lukas Podolski und Albert Streit. Wessels: „Wenn der Torhüter zu den besten Spielern gehört, dann stimmt irgendetwas mit der Mannschaft nicht.” Unter dem Eindruck des Niederschlags vom Mainz wurde auch kurzfristig noch ein Testspiel vereinbart. Heute (14.30 Uhr) will der Trainer auf dem Kunstrasen am Geißbockheim gegen den Regionalligisten Rot-Weiß Essen einiges ausprobieren.

Nicht mehr dabei sein wird allerdings Peter Madsen. Der Däne absolvierte gestern beim FC Southampton den Medizincheck und wird mit sofortiger Wirkung bis zum Saisonende an den Premier-League-Klub ausgeliehen.