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Bitburg: Kulturschock an der Kabinentür

Bitburg : Kulturschock an der Kabinentür

Und wieder dieser langweilige Satz direkt zum Auftakt: „Als ich die Kabine gesehen habe, das war ein echter Kulturschock”, meint Markus Daun - wie schon Dutzende Neuzugänge und hunderte Gästespieler vor ihm. Nur zeigt sich der Schock beim 27-Jährigen ganz anders: „Das ist richtig Hightech, früher fielen hier die Kleiderhaken von der Wand.”

Früher ist noch gar nicht so lange Vergangenheit: Der damals 21-jährige gebürtige Eschweiler war von Bayer Leverkusen zur Rückrunde 2001/2002 an den Tivoli gekommen, die Mannschaft stand in der Zweiten Liga mit dem Rücken zur Wand, der Verein kämpfte finanziell ums Überleben.

Der Gerichtsvollzieher war an der Krefelder Strasse häufiger zu Gast als Spielerberater, die Fans sammelten in den Fußgängerzonen Geld für den „KlömpchensKlub”. „Das war Gänsehaut: Ich war hautnah dabei, als ein Junge das Geld, das eigentlich für seine Klassenfahrt gespart war, in der Geschäftsstelle abgegeben hat”, erinnert sich Markus Daun, der ein Angebot von Werder Bremen bekam, nachdem die Alemannia mit Mühe und Not den Klassenerhalt geschafft hatte.

„Das Angebot konnte ich nicht ausschlagen konnte”, meint Daun, der in 15 Pflichtspielen vier Treffer für die Alemannia erzielte. „Sportlich war das genau richtig, wir haben mit Bremen das Double geholt.”

Sieben Jahre sind im Fußball zwar eine Ewigkeit, aber nur eine ganz kleine, und Markus Daun, der wieder in seinen Heimatort Eschweiler gezogen ist, hat noch die ganz dunklen Zeiten miterlebt. „Wir Spieler sind damals echt auf dem Zahnfleisch gekrochen, die Gehälter kamen selten, wir waren ein Haufen Verrückter, die es trotzdem schaffen wollten”, denkt der Stürmer an die Zeit zurück, als der Verein kurz vor der Auflösung stand.

„Hätte damals einer etwas von Stadionneubau erzählt, alle hätten das für einen Aprilscherz gehalten, und zwar für einen ganz schlechten”, umreißt der 27-Jährige die ganze Spannweite. „Bei allem Jubel um das Pokalfinale und den Uefa-Cup, die sicher die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung gebracht haben: Hätten wir den Klassenerhalt nicht geschafft, Alemannia wäre in der Bedeutungslosigkeit versunken. Aber ,Klassenerhalt Zweite Liga´ hat wohl niemand auf dem Briefkopf oder der Visitenkarte stehen”, meint Daun und erinnert an Vereinshelden wie Stephan Lämmermann, Marc Spanier und Frank Schmidt.

Ein Fußballer-Leben später ist Markus Daun gereift wieder zurück am Tivoli nach weiteren Erstliga-Stationen beim 1. FC Nürnberg und dem MSV Duisburg. Wie ein Absteiger fühlt er sich aber nicht, eher wie ein Heimkehrer: „Ich bin nicht der unglaubliche Erstliga-Spieler, der Alemannia als Notlösung empfindet. Mir ist es mittlerweile wichtig, dass meine Familie und ich uns wohl fühlen. Das ist mir wichtiger, als irgendwo in der Walachei zu verschwinden, in Augsburg oder Ingolstadt. Auch wenn man dort vielleicht mehr verdienen könnte.”

Also lieber wieder Zuhause ankommen, ein eigenes Haus gegen eine ständig wechselnde Mietwohnung eintauschen und wenn es läuft, das große Ziel Erste Bundesliga noch einmal angreifen. Dazu die einzigartige Konstellation mit dem Abschiedsjahr auf dem Tivoli („Ich erwarte viele große emotionale Momente”) und das Warten auf das neue Stadion („Man sieht, das da etwas wächst”).

Nur im Moment gilt nicht die volle Konzentration dem Fußball und dem großen Ziel. „Ich sitze hier ziemlich auf heißen Kohlen”, gesteht der Stürmer ein, der mit dem eigenen Auto ins Trainingslager Bitburg gereist ist. Ehefrau Monica Daun ist am Ende des neunten Monats und neben „Noelia”, der Name der dreijährigen Tochter der Dauns, soll auch bald „Nicolas” auf den Körper von Markus Daun tätowiert werden. Der Platz für das dritte Kind ist schon reserviert: Innenseite Bizeps, rechter Arm.

Aber irgendwie bricht in dem werdenden Vater auch der Vollblut-Fußballer wieder durch: „Ich hoffe nicht, dass ich im Kreißsaal stehe, wenn das Testspiel gegen Schalke 04 stattfindet.”

Zwei Tage von der Grippe flachgelegt

Schon im Testspiel gegen Bayer Leverkusen wollte Markus Daun eigentlich nicht antreten, weil ihm ein Infekt zu schaffen machte. „Ich habe dann mit dem Trainer verabredet, dass ich 60 Minuten spiele. In letzter Zeit kippen ja schon mal öfter Spieler auf dem Platz um.”

Zwei Tage später war es dann soweit: Der Infekt hört auf den Namen Grippe, zwei Tage Trainingsverbot und Bettruhe.