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Köln: Kraft schöpfen aus der Niederlage

Köln : Kraft schöpfen aus der Niederlage

Im Körbchen liegen alle Zutaten, die ein heißes Krisen-Süppchen so richtig scharf machen und einen deftigen Fonds für verzweifelte Fans, gefeuerte Trainer, eine zerknirschte Mannschaft und einen hektisch agierenden Manager hergeben.

Sechs Niederlagen in Folge, ein Punktekonto, das nur aufgrund des Torverhältnisses keinen Abstiegsrang mit sich bringt, ein einst jugendlicher Held, dem zumindest im Geißbock-Trikot in den letzten Wochen nur noch das Charisma eines polnischen Gebrauchtwagen-Händlers anhaftet. Doch statt Kölle in der Hölle keimt Hoffnung auf, trotz der 1:2-Heimniederlage gegen die Bayern.

Die Mannschaft: Ohne Fünf aus dem Frankfurt-Versagerkader lässt Rapolder gegen die Abonnements-Sieger aus Bayern antreten. Zwei Verletzte (Weiser und Lurling), zwei Banker (Guié-Mien neben Grammozis), Andrew Sinkala ganz aus dem Kader geflogen. Keine Chance also zur vollständigen Rehabilitation gegen die Bayern, für die ohnehin kein Team der Liga Motivationshilfe benötigt, aber die Mannschaft lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sie für die Fans spielt, für den Trainer, für den Verein auf ihren Trikots.

Ein brüderlicher Kreis vor dem Anpfiff, alles kämpft und rackert, übersteht die erste Drangphase, drängt die Krösus-Elf zurück und geht durch Matthias Scherz in Führung, der einen Zuckerpass von Marvin Matip aufnimmt und den Vati-Kahn, ältester Spieler auf dem Platz und feste Burg der Bayern, bezwingt und den Nimbus des Dauer-zu-Null stiehlt.

Eine Mannschaft, die auch nach dem (verdienten) Ausgleich und der (unverdienten) Bayern-Führung nicht knickt wie zuvor; eine Mannschaft, der nur dank des Sekundenschlafs von Schiedsrichter Lutz Wagner, der nicht nur eine Tätlichkeit von Ze Roberto, sondern auch ein klares Handspiel von Lucio im Strafraum übersieht, der gerechte Ausgleich verweigert wird, und die nach der unglücklichen Niederlage die Fans in der Südkurve feiert. „Ich hoffe, dass wir diese Einstellung halten können was das Kämpferische betrifft und den Umgang mit den Mitspielern. Was uns jetzt noch fehlt, ist ein bisschen Glück, ein bisschen Kaltschnäuzigkeit”, bewertet Kapitän Björn Schlicke den Auftritt.

Der Trainer: Auch Uwe Rapolder scheint Kraft aus der Niederlage zu saugen, auch wenn er beklagt, er sei „bedrückt, dass wir nicht mal einen Punkt, etwas Zählbares mitbringen”. Aber trotzdem macht auch Rapolder den ersten Schritt herunter vom Glatteis, auf dem er in den letzten Wochen einige unfreiwillige Pirouetten gedreht hat, hin zu einer selbstbewussteren Haltung als Übungsleiter. Er räumt seinem Team den Bayern-Bonus aller ein („Wir mussten das Spiel nicht selbst machen”), lobt („Wir haben aus einer kompakten Abwehr kämpferisch dagegen gehalten) und fordert („Es war ein Fortschritt, dass die Mannschaft zurückgeschlagen hat. Wir müssen zwei Spiele gewinnen und mit sechs Punkten da unten raus”). Rapolder gibt Menschliches preis („Auch mein Sohn saß im Sonderbus nach Frankfurt”) und steht gegen den Götzendienst auf, der um Sankt Lukas gemacht wird, der auch als hängende Spitze keine einzige Strafraumszene in 90 Minuten hat: „Das ist zu wenig. Das muss man sagen dürfen, da wird ein Kult aufgebaut, das tut mir schon körperlich weh.”

Der Star: Auch gegen seinen vermutlich nächsten Arbeitgeber, ein Auftritt der per se Ehrgeiz und Engagement voraussetzt, steht ein Lukas Podolski auf dem Platz, dem einfach sein „Mojo” abhanden gekommen ist wie dem Geheimagenten Austin Powers. „Mojo”, jene undefinierbare Kraft, die alles leicht und elegant, spielerisch und erfolgreich erscheinen lässt. Gegenüber der Frankfurt-Fracksause ein weitaus größerer Aktionsradius und wesentlich mehr Ballkontakte, dennoch wird er von den anderen zehn im weißen Trikot häufiger vergeblich gesucht als aus Unvermögen nicht gefunden. Auch das trotzige Versprechen, „Ich spiele auf jeden Fall die Saison beim FC zu Ende”, mit dem er sagen will, dass er sein Team nicht im Schlamassel mitten in der Winterpause im Stich lässt, ist ein Schritt zurück hinter die bisherige Aussage, den Vertrag bis 2007 zu erfüllen.

Und der Manager? Der giesst die Niederlage in die Form, aus der der FC wirklich Kraft schöpfen kann: „Das war der Auftakt zum Abstiegskampf, wenn die Betonung auf Kampf liegt. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie nicht gewillt ist, sich schlachten zu lassen.” Das passt: Nächste Woche geht es für die elf Geißlein nach Wolfsburg.