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Mönchengladbach: Korzynietz geordneter Rückzug ist wieder gefragt

Mönchengladbach : Korzynietz geordneter Rückzug ist wieder gefragt

Er ist ein Gewinner. Schon vor dem Sonntagsspiel seiner Mönchengladbacher am Sonntag bei Bayern München.

Nachdem Bernd Korzynietz in der Hinserie nur dreimal in der Startformation der Borussia stand, setzt sein Trainer zum Rückrundenauftakt beim Branchenführer auf den schnellen Rechtsaußen.

Im Verlaufe der vergangenen Saison hatte der 23-Jährige seinen Stammplatz am Lawrence Aidoo verloren. Der aber weicht in München auf die verwaiste linke Seite aus. „Es war eine harte Zeit, nachdem ich zuvor zweieinhalb Jahre regelmäßig gespielt habe”, bekennt Korzynietz.

Dann aber brachte Aidoo den Schuss an Anarchie und Kreativität ins geordnete Gladbacher Spiel, der der Mannschaft gefehlt hatte. Der geordnete Rückzug des Bernd K. war nicht mehr so gefragt.

Auf die Idee, Hans Meyer könne ihn nicht leiden, ist der ehemalige U 21-Nationalspieler nie gekommen. Er weiß, „dass ich in 1:1-Situationen mich verbessern und manchmal mehr Übersicht bewahren muss”. Obendrein war ihm nach seinem sensationellen Aufschwung „die Unbekümmertheit abhanden gekommen”.

Und die lässt sich nur schwer wieder antrainieren. Eine Erfahrung, die auch Marcel Ketelaer schmerzhaft erfahren muss. „Aber ich habe aufgehört, darüber zu grübeln. Das mache ich eh schon zu viel.” Lieber schob er Sonderschichten und nahm sich speziell in der Winterpause vor, „noch mal richtig anzugreifen”.

So reagiert jemand, der vor der Profi-Laufbahn eine Ausbildung als Fachangestellter für Arbeitsförderung im Arbeitsamt genossen hat - Umschulung zur beleidigten Leberwurst oder zum Klub-Flüchtling à la Benjamin Auer ausgeschlossen.

Er ist halt ein Kämpfer, der 1,74 m große Rechtsfüßer. Von „klein” auf, wie er meint, weil er sich stets gegen Ältere und körperlich Überlegene durchsetzen musste. Wie etwa mit 17 Jahren beim Oberligisten Schweinfurt. „Er besitzt eine gute Einstellung zum Beruf”, erkennt auch Trainer Meyer den fränkischen Grell an.

Und zieht für die Sonntags-Aufgabe im Münchner Olympiastadion den nicht ganz „reinrassigen” Rechtsaußen wegen seiner Defensiv-Qualitäten dem Spezialisten Marco Küntzel vor.

Als lammfromm erweist sich Korzynietz allein im Interview. Für solche beredten Gelegenheiten hat er schon vom ersten Niederrhein-Tag an das Nichts-Sagen zur Kunst verfeinert. Sprüche raushauen ist ihm so fremd wie seinem Trainer die Fastenzeit. „Damit kann man sich doch nur selbst schaden”, erklärt er seine Zurückhaltung.

Umso mehr fliegen dem Jüngling die Herzen der weiblichen Fans zu. Eine Zuneigung losgelöst vom sportlichen Stellenwert: Auch als Bankdrücker verlor Korzynietz für die Anhängerinnen-Schar nicht seinen Reiz.

Allerdings funktioniert nun auch abseits des Rasens das von Meyer eingeforderte Kollektiv. „Ich bin nicht mehr der einzige junge Spieler. Jetzt haben wir auch Peer Kluge, Marcel Ketelaer und Morten Skoubo.” Geteilte Freud . . .