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Kommentiert: Der Lack war schon früh ab

Kommentiert: Der Lack war schon früh ab

Eine Saison lässt sich nicht in Zahlen pressen. Platz zehn, auf den Köppel so stolz ist, ist nur die Außenschicht und reicht nicht als Arbeitsnachweis.

Kratzt man leicht an diesem Lack, entdeckt man fußballerische Defizite, die schon in der ach so tollen Hinserie von einigen Glückserfolgen (Bremen) übertüncht worden sind. Eine fußballerische Entwicklung hat unter Horst Köppel nicht stattgefunden. Allenfalls ein oder zwei Mal hat es seine Elf geschafft, über 90 Minuten eine einigermaßen solide Leistung zu zeigen.

Der Trainer hatte keine präzise Idee, was er denn eigentlich für einen Fußball wollte. Seine Mannschaft, vom Personal so stark wie in den letzten Jahren nicht mehr, konnte nur eigene Interpretationen anbieten. Die aber bei kleinsten Rückschlägen nur noch Makulatur waren.

So weit, dass die Elf auch bei Gegenwind sich selbst trägt, ist sie nicht. Damit war sie so überfordert wie Horst Köppel beim Versuch, im Trainingsalltag die Defizite ab- und eine klare taktische Vorgabe mit all seinen Automatismen aufzubauen. Trotz mehrerer Anstöße und Nachhilfe-Unterrichts.

Mit entsprechender Persönlichkeit und Außenwirkung kann man diese Mängel auffangen. Horst Köppel kann das nicht. Was dem oberflächlichen Betrachter so lieb daherkommt, ist in Wirklichkeit pure Unsicherheit. Die überträgt sich auf Spieler. Und wirkt besonders negativ, wenn sie sich zu Hasenherzigkeit entwickelt. Möglichst jedem Konflikt ausweichen, Spielern etwas zu versprechen und nicht zu halten, diskrediert schnell die Führungstauglichkeit. Da sind Profis nicht anders als Schulkinder, die ihre Klassenlehrerin zum ersten Mal erleben.

Viel Kredit hatte Köppel auch bei den Vertragsverhandlungen verloren, als er den Nimbus als Retter mit Berater Dr. Gerd Niebaum im Rücken überzog. Zwei Jahre statt einem Jahr - „Wir haben ihm die Chance gegeben”, sagt Borussia-Boss Rolf Königs. Köppel hat sie nicht genutzt.

Ungenügende Fachkenntnisse, falsche Persönlichkeit - es sind schon Trainer für weniger gefeuert worden. Verpokert hat sich der 57-Jährige auch bei der Gestaltung seines nachtrainerlichen Lebensabends: Eine andere Position im Verein „ist nicht vorgesehen”, sagt Königs. Köppel hatte unlängst in einem Interview davon geträumt, noch drei Jahre als Trainer zu arbeiten, um dann ins Präsidium hinüberzugleiten und diesem mehr fußballerisches Fachwissen einzuhauchen.

Als dieses interessiert nachfragte, stritt der Möchtegern-Aufsteiger dies zuerst ab, um dann von partieller Amnesie befallen zu werden und nicht einmal mehr den Fragesteller zu kennen. Das Präsidium vergisst das nicht.