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Stuttgart: Kölns Armada versenkt den VfB

Stuttgart : Kölns Armada versenkt den VfB

Knapp eine Stunde nach dem Schlusspfiff präsentierte sich Christoph Daum den Journalisten bestens gelaunt. Anspannung und die Wut über die Unparteiischen waren beim Trainer des 1. FC Köln angesichts des 3:1-Erfolges beim VfB Stuttgart längst verflogen. Denn mit diesem nicht eingeplanten „Dreier” und nun bereits 16 Punkten sieht die Bundesliga-Welt für den Aufsteiger nach elf Spieltagen rosig aus.

In der Schlussphase der Partie war die Gemütslage bei den Kölnern noch ganz anders gewesen. Als der vierte Offizielle beim Stand von 2:1 für die Geißböcke die Nachspielzeit von fünf Minuten anzeigte, rastete Daum aus.

Es hatte im Spiel keine größeren Unterbrechungen gegeben, und der Chefausbilder fürchtete um den Sieg. „Der Schiedsrichter hat das mit einer Schuhbind-Aktion in Verbindung gebracht”, berichtete Daum später. „Da habe ich ihm gesagt: In fünf Minuten binde ich mir 100 Paar Schuhe, da brauche ich nicht so lange nachspielen zu lassen.” Die besagte Aktion ereignete sich in der 74. Minute, als sich Pierre Womé vor Ausführung eines Einwurfs seelenruhig seine Schnürsenkel festzog und von Thorsten Kienhöfer dafür die Gelbe Karte erhielt.

Von der Extrazeit profitierten aber nicht etwa die Hausherren, sondern der FC. Nach einem Fehler von Roberto Hilpert erzielte Petit (90+4) sein erstes Bundesligator. „Nach dem 3:1 habe ich ihm gesagt, er kann ruhig noch einmal verlängern”, frotzelte Daum an die Adresse des Unparteiischen. Voll des Lobes äußerte sich der Trainer dagegen über die Mannschaft: „Wir hatten heute eine Armada kampfbereiter Spieler auf dem Platz.”

Taktisch hatte Daum gegenüber den Vorwochen einiges verändert. Mit Marvin Matip hatte er auf Kosten eines offensiven Spielers einen „Staubsauger” vor der Abwehrkette positioniert. Und Sergiu Radu begann als zweite Sturmspitze, ließ sich nach der frühen Führung aber direkt ins Mittelfeld zurückfallen. Eine Rechnung, die aufging.

Bereits in der dritten Minute hatte Novakovic nach einer Traumkombination über Matip, Miso Brecko und Radu, dessen Kopfball VfB-Schlussmann Jens Lehmann noch parieren konnte, im Nachsetzen das 1:0 erzielt. Als Matip in der 32. Minute mit einer Oberschenkel-Verletzung ausgewechselt werden musste, kam Kevin McKenna. Thomas Broich dagegen fand beim Trainer wieder einmal keine Berücksichtigung.

Novakovic war es auch, der nach einem Fehler des schwachen Thomas Hitzlspergers mit seinem siebten Saisontreffer das zweite Tor erzielte (61.). „Ich glaube an meine Qualitäten und denke, dass jeder Spieler bei uns weiß, dass er sich auf mich verlassen kann”, erklärte der slowenische Nationalspieler nach seiner überragenden Vorstellung selbstbewusst. Zwar war Stuttgart klar feldüberlegen (63 Prozent Ballbesitz), doch mehr als das 1:2 (69.) durch Hilpert wollte nicht herausspringen.

Offenkundig war, dass dem Uefa-Cup-Teilnehmer in dieser Form ein ungemütlicher Herbst bevorsteht. „Die Wunden sind noch zu groß, um heute schon ein Fazit zu ziehen”, meinte VfB-Sportdirektor Horst Heldt missmutig und kündigte Konsequenzen nach der zweiten Heimniederlage an. „Irgendwas werden wir verändern müssen. Es gibt kleine und große Veränderungen, da werden wir uns Gedanken machen. Aber wir werden sicher nicht zur Tagesordnung übergehen.”

Kölns Defensivverbund um den wieder einmal groß auftrumpfenden Pedro Geromel bekam keine großen Probleme in Stuttgart. Auch dank der neuen Taktik? „Es kommt nicht auf die Taktik, sondern auf die Spieler an”, wiegelte Daum ab. „Heute habe ich einen zusätzlichen defensiven Mann gebracht, und wir haben drei Tore gemacht. Das sagt wohl alles aus...”