Köln: Köln zu lieb für den entscheidenden Treffer

Köln: Köln zu lieb für den entscheidenden Treffer

In der Sportwissenschaft gehört der Fußball einerseits zu den Komplexsportarten und andererseits zu den Ergebnisspielen. Letzteres hat zur Folge, dass bei einer Partie wie der des 1. FC Köln gegen Dynamo Dresden keine Jury begeistert lauter Einsen in die Luft reckt und die Hausherren zum Sieger erklärt.

72 Prozent Ballbesitz, 26:5 Schüsse auf das Tor und 29:14 Flanken sprechen eigentlich eine eindeutige Sprache. Doch weil das Ziel des Spiels lautet, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen, ging die Heimmannschaft in der Montagspartie der Zweiten Liga nicht als klarer Sieger vom Platz, sondern musste sich nach dem 1:1 mit der Punkteteilung zufrieden geben.

„Die Art und Weise, wie wir spielen, macht uns als Trainerteam sehr zufrieden”, arbeitete Trainer Holger Stanislawski das Positive heraus - um das Negative folgen zu lassen: „Wir machen einfach zu wenig Tore aus unseren vielen Möglichkeiten.”

So war der 1:1-Ausgleich durch die Mainzer Leihgabe Anthony Ujah (77.) erst der siebte Treffer im neunten Saisonspiel. Und da die Gäste nach einer Lachnummer der beiden Kölner Spieler Sascha Bigalke und Christian Eichner in Führung gegangen waren, war das eine Tor ohnehin zu wenig, um als Gewinner vom Platz zu gehen. „Das sind ganz liebe und nette Kerle. Das darf nicht passieren, da muss man auch mal A...loch sein”, lautete das vernichtende Lob Stanislawskis, nachdem Bigalke und Eichner im sicheren Glauben, der andere habe den Ball, diesen an den Gegner schenkten und Mickael Poté im Sturm sich nicht zu fein war, die selbstlose Gabe auch anzunehmen und zur Dresdener Führung zu verwerten (31.). „Das war schon Slapstick”, räumte Eichner in der anschließenden Analyse selbstkritisch ein.

Bleiben noch die Anforderungen einer komplexen Sportart, die den Spielern Handlungsschnelligkeit in unterschiedlichen Situationen abverlangt, etwa beim schnellen Spiel nach vorn nach Balleroberung. Zu häufig trabten die zentralen Mittelfeldspieler wie Matthias Lehmann oder nach seiner Einwechslung Mato Jajalo gemächlich nach vorn, und die Durchstecher von Bigalke in die Spitze waren häufig schlecht getimet. „Mal zu kurz, mal zu steil”, monierte Stanislawski Zustellfehler an den Adressaten.

Auch die Kölner Passstafetten Richtung gegnerischer Strafraum glichen häufig eher einem komplexen Schnittmusterbogen als konsequenten Zug nach vorn als zentrales Thema zu haben. Dresdens Mannschaft fand immer wieder die Zeit, sich rund um den Strafraum zu formieren und die Kölner dazu zu zwingen, sich an den dicht gestaffelten Abwehrketten abzuarbeiten.

Dass weder Thomas Bröker mit seinem Lattentreffer per Kopf direkt nach dem Seitenwechsel, noch Adil Chihi mit seinen insgesamt acht Schussversuchen auf das gegnerische Tor oder Ujah, der kurz vor Schluss (82.) seinen Kopfball neben das Gehäuse setzte, ihre Chancen auch nutzten, bedeutete den glücklichen Punktgewinn für das Team von Trainer Ralf Loose.

„Wir müssen einfach nach vorne schauen und nicht auf die Tabelle”, gab Kapitän Miso Brecko angesichts der verpassten Absetzgelegenheit aus dem Tabellenkeller vor. Von Platz 13 aus bleibt ja auch genügend Raum für den Blick nach vorn.