Mönchengladbach: „Klassenerhalt - ein Wahnsinnserlebnis”

Mönchengladbach: „Klassenerhalt - ein Wahnsinnserlebnis”

Es gab einen Moment im Fußball-Leben des Martin Stranzl, den die Fernsehkamera in Großaufnahme festhielt: ungläubiges Entsetzen im Gesicht des Österreichers. Tatort Millerntor, St. Pauli. Borussia Mönchengladbach führt 1:0 ­ und gerade ist Igor de Camargo nach einem Kopfkontakt vom Platz geflogen.

„Wo bin ich hier nur gelandet?!”, lauteten die unsichtbaren Untertitel zur Mimik des Abwehrrecken, der erst zur Winterpause als Not-Helfer engagiert worden war. Der einzige Gedankenzeuge, er selbst also, korrigiert mehr als zwei Monate später nur buchstäblich, nicht aber die Richtung: „Was soll der Scheiß?!” Und weiter: „Wir führen, haben alles im Griff und dann . . .” Die Verzweiflung ist gewichen, Borussia spielt eine famose Rückrunde, die aber womöglich bis wahrscheinlich dennoch nicht zum Klassenerhalt reicht.

Was geht da in einem 30-Jährigen vor, der mit Spartak Moskau regelmäßig um die russische Meisterschaft und auch in der Champions League gespielt hat?

Der in den bisherigen 14 Spielen für Borussia gezeigt hat, dass er auf einem Leistungsstand ist, der ihn nicht nur für (fast) jeden Bundesligisten interessant machen muss, sondern auch noch Führungsqualitäten besitzt?

„Gegen den Abstieg zu spielen, hat seinen Reiz, das Außergewöhnliche versuchen. Wenn du das schaffst, ist das ein Wahnsinnserlebnis!” Fluchtgedanken, falls das Gewöhnliche, der Abstieg, eintritt, hegt er nicht.

Der Österreicher entschied sich bei vollem Bewusstsein für Mönchengladbach, obwohl und ein wenig auch weil der Klub bis zur Winterpause nur zehn Pünktchen gesammelt hatte. Also sechs bis neun Punkte aus den letzten drei Spielen holen und im letzten Moment dem Erstliga-Tod von der Schüppe zu springen: „Das macht es doch interessant.” Und Reize sterben eh nicht. „Wenn es runter geht, ist das nächste Ziel da: Aufstieg!” Martin Stranzl fühlt sich wohl in Mönchengladbach, und das kommt authentisch, nicht pseudo-professionell rüber.

Er hat gute Gespräche mit Sportdirektor Max Eberl geführt und würde auch bei Abstieg bleiben („Da passt alles”), obwohl er für die dann letale Hinrunde nicht verantwortlich ist. Den Schaden, den man angerichtet hat, eigenfüßig wieder reparieren: Diesen auch moralischen Anspruch sieht und bejaht er. Doch er weiß, dass ein Verein auch schon mal auf Spieler-Verkäufe angewiesen ist. Stranzl hat es bei 1860 München 2004 erlebt.” Die hatten sich mit dem Abstieg in keinster Weise auseinandergesetzt”, kritisiert er. „Es gab keinen Plan B. Keine Gespräche. Schwupps, waren alle im Urlaub. Eine Woche vor Trainingsbeginn gab es dann die ersten Gespräche ­ per Telefon.”

In seiner neuen sportlichen Heimat sind diese schon seit längerem im vollen Gang. „Hier gibt es Pläne, jeder arbeitet dran. Und dann kannst du absteigen und dennoch bleiben. Wir stehen in der Schuld.” Aber auch dann könnte es nötig sein, sich von dem einen oder anderen Spieler zu trennen. „Irgendwo hat es gehakt, ­ und da musst du den Filter drüberlaufen lassen.” Einen ganz großen hat er bereits für die persönliche Analyse benutzt.

Hängengeblieben ist: „Verletzungspech. Stabilität bekommst du nur, wenn die Viererkette immer die gleiche ist. Nur dann ist die nötige Abstimmung vorhanden. Und das hast du bei allen Teams in Problemen gesehen, mit Ausnahme von Wolfsburg. Aber Bremen und Bayern ­- und das bei deren breiten Kadern.” Auch Samstag in Hannover fällt mit Dante sein eingespielter Partner aus. Aber die Stabilität war mit Roel Brouwers sogar gegen Dortmund da. Da kann man ja wohl auch Hannover bezwingen? „Ja, aber nur, wenn wir nicht in Konter laufen und weniger Ballverluste haben als gegen den BVB in der zweiten Hälfte.”

Fanprojekt unterstützt Effenberg & Co. nicht

Das Fanprojekt Mönchengladbach e.V. gibt keine Empfehlungen für seine Mitglieder zu den Anträgen auf Satzungsänderung bei der Jahreshauptversammlung am 19\. Mai ab. Auf ihrer Jahreshauptversammlung sei die Mehrheit der Mitglieder gegen die geplanten Strukturreformen der „Initiative Borussia” gewesen. Der Verein sei auch in der aktuellen Struktur in der Lage, sich personell zu verändern.

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