Mönchengladbach: Kampf gegen die „Horror-Rechnung”

Mönchengladbach: Kampf gegen die „Horror-Rechnung”

Sorgenfalten beim Blick auf den Spielplan? Michael Bradley entlastet die gepeinigte Phantasie des Mönchengladbach-Fans: „Ist egal, gegen wir spielen - wir brauchen die Punkte.” Also, herzlich willkommen HSV, Borussias nächster Hochkaräter in der Reihe Top-Teams.

Natürlich sagt auch Hans Meyer, der Tabellenzweite komme mit ganz breiter Brust in den Borussia-Park. Doch allzu schmalbrüstig sieht der Trainer-Koloss seine Jungs auch nicht. Nicht nur wegen der wieder einmal nur „inneren Werte” nach dem Spiel in Berlin, das auf dem Papier 1:2 endete.

Auch zahlenmäßig vermag der 66-Jährige durchaus Positives zu entdecken, auch wenn man weiterhin auf dem letzten Tabellenplatz rangiert. „Ich sollte den Jungs mal die Rückrundentabelle ausschneiden und in der Kabine aufhängen. Da liegen wir vor Leverkusen und den Bayern.”

Auf Platz 12 eben statt auf 18. Deshalb die Anregung Meyers, den Anfangspunkt Ende Januar zu setzen und bereits jetzt die Saison zu beenden.

Solange die DFL sich zu diesem revolutionären Plan nicht durchringen kann, sollten Neuville & Co. die diesmal ernst gemeinte Ankündigung ihres Trainers beherzigen: „Die Meisterschaft beginnt für uns jeden Samstag aufs Neue.” Wohl bis zum Saisonende - dem echten natürlich. Und aus Sicht der Gladbacher hoffentlich. Denn nicht auszuschließen ist, dass die von Meyer so genannte Meisterschaft, die natürlich ein Kampf um den Titel „Nichtabsteiger” ist, schon früher beendet ist - wegen rechnerischer Aussichtslosigkeit.

Ein Sieg am Samstag gegen die Norddeutschen könnte diese Horrorrechnung ein Stück unrealistischer machen. Doch der HSV hat jüngst in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen gezeigt, wozu er auch auswärts in der Lage ist. Der geballten Offensivkraft von Jarolim/Pitroipa/Jansen/Petric/Olic hat die Borussia eine immerhin strukturell verbesserte Elf entgegenzustellen. Die aber jederzeit in der Lage ist, die selbstmörderischen Abwehr-Defizite aus der Hinrunde zu zitieren. Wie zuletzt bei Hertha BSC.

„Ein komisches Spiel”, erinnert und ärgert sich Michael Bradley, der mit seinem Strafstoß lediglich den 1:2-Anschlusstreffer erzielen konnte. „Da haben wir das Spiel kontrolliert und sorglos zwei Tore weggegeben.” Das Erschreckende aber nicht Neue dabei: Es ging ab durch die Mitte. Eine Todsünde für eine halbwegs funktionierende Abwehr.

Diese Passage erfolgreich zu verstopfen und die Schnitzer der Innenverteidiger einzuschränken bzw. bestenfalls auszubügeln, dazu ist Tomas Galasek da. Der tschechische Sechser-Libero fehlte in Berlin, Patrick Paauwe konnte ihn nicht gleichwertig ersetzen.

Problemzone Abwehr

Die Magen- und Darmgrippe ist mittlerweile auskuriert. Doch beim Elf gegen Elf am Mittwoch wirkte der 36-Jährige noch nicht komplett wieder hergestellt. Problemzone Abwehr, doch auch vorne ist Hans Meyer nicht sorgenfrei. Nicht nur in Berlin fehlte die Durchschlagskraft, selbst in der Sturm- und Drangphase nach der Pause. Rob Friend läuft und läuft - der Bestform hinterher.

Bei Karim Matmour steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum (Tor-)Ertrag. Oliver Neuville scheint nur dann spritzig genug zu sein, wenn Matmour & Co. die Abwehrspieler vorher müde gerannt haben. Und Roberto Colautti bleibt in Sachen Erstliga-Qualitäten noch ein zweibeiniges Rätsel. Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Große Alternativen besitzt Meyer nicht. Er darf das zarte Pflänzchen Hoffnung, das sich in der gewonnen Stabilität ausdrückt, nicht durch weitere Experimente zertreten. Anlässe gäbe es genügend. Etwa in der Abwehr. Auf den Außenbahnen setzt der HSV auf die Sprintqualitäten von Marcell Jansen und Jonathan Pitroipa.

Mit Paul Stalteri und Tobias Levels stehen ihnen nicht unbedingt Abwehrflitzer gegenüber. Doch etwa Filip Daems aus der Innenverteidigung nach außen zu ziehen, würde nur eine andere Problemzone eröffnen. Für Daems müsste etwa Roel Brouwers es mit Petric/Olic aufnehmen, beide auch nicht gerade Stürmer aus der Schnecken-Abteilung.

Also lieber sich gegenseitig helfen, doppeln, im Verbund die individuellen Unzulänglichkeiten bekämpfen. Oder plakativ in Erinnerung an die jüngste Vergangenheit ausgedrückt: Ein Team!