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Köln: Kamelle oder Aschenkreuz?

Köln : Kamelle oder Aschenkreuz?

Die Ausgangslage für das morgige „Karnevals-Derby” in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen ist klarer, als vielen lieb ist, und kann nur heißen: Rosenmontag oder Aschermittwoch, Kamelle oder Aschenkreuz.

Drei Punkte müssen gegen den Werksklub her, will der 1. FC Köln noch weiter erstklassig im Geschäft bleiben.

Ein Ausblick mit dem närrischen Dreigestirn. Das „Juwel”, das „Jahrhunderttalent” des FC drohte in den letzten Tagen selbst beim bislang auffallend zurückhaltenden Boulevard in Köln vom Prinzen zum Prügelknaben zu werden.

Auch der Trainer ließ sich den Satz entlocken: „Das ist zu wenig, was Lukas momentan zeigt, die besten Elf müssen spielen.”

„Prinz Poldi” machte in dieser Woche zwei Trainingseinheiten (Erkältung) nicht mit. Vielleicht der Weg auf die Ersatzbank, ohne dass der gejagte Millionen-Star des FC das Gesicht respektive den Marktwert verliert?

Zweiter Abräumer

„Er war Anfang der Woche etwas kränklich, aber er legt sich im Training mächtig ins Zeug”, kommt zunächst das Bulletin des FC-Coaches. Und im folgenden Satz fehlt eindeutig das Wort Ersatzbank: „Es gibt Höhen und Tiefen, jetzt wäre wieder ein Hoch an der Reihe. Aber es geht nur über seriöse Arbeit.”

Also: Arbeiten mit dem Talent, zum einen „im mentalen Bereich verbunden mit Erfolgserlebnissen”, Erfolg für das Team, persönlicher Erfolg. Zum anderen mit Auswirkungen auf die Trainingsarbeit, wo der „Bergdoktor” so operieren lässt, dass „er viel gegen das Tor abschließen kann”.

Doch wie lässt die Jungfrau aus der Schweiz, für den jede Bundesliga-Begegnung eine Premiere ist, dann spielen, wenn unbedingt drei Punkte her müssen? „Wenn man einen Spieler mit solchen Qualitäten hat und er sie auch auszuspielen vermag, muss man ihm schon gewisse Freiheiten geben”, leitet Hanspeter Latour über die zentrale Figur ein, um dann zum heißen Kern vorzudringen: „Es ist gefährlich, wenn man eine Korrektur vornimmt, und das dann defensiver scheint.”

Defensivere Aufstellung bei einem Muss-Heimsieg? Bislang lautete das Rezept Streller in der Spitze, dahinter zwei Offensive seitlich versetzt. „Doch stellt man Podolski direkt hinter Streller”, skizziert Latour ein gedankliches Planspiel, „dann müsste er weniger nach hinten arbeiten.” Übersetzt: Steht Podolski in der Sturmmitte hinter der vordersten Spitze, muss vor der Dreierkette ein weiterer defensiver Abräumer her.

Bauern-Opfer

Und Marvin Matip gehört mit zum 18er-Kader, der seit Mittwoch auf den Venusberg in Bonn vor dem Karneval „geflüchtet” ist; dem Kader, der es gegen Leverkusen richten soll. „Ich habe zwei Hände, eine zum Helfen, eine zum Fressen. Aber wenn ich beide Hände zum Helfen hinhalte, werde ich selbst gefressen”, beschreibt Latour bildhaft den Drahtseilakt.

Zum Bauern: Wo es die gibt, gibt es auch Bauern-Opfer. Eines ist wohl Christian Lell, nicht wegen seines Eigentores, sondern wegen mangelnder Einsicht. „Bleibt er konsequent bei seinem Mann, kommt er erst gar nicht in eine Situation wie die, die zum Eigentor geführt hat”, ist sich Latour nicht erst nach der Video-Analyse sicher.

Die ist auch ein probates Mittel, um die Stärken und Schwächen des Gegners zu filtern. „Natürlich schaut man, wer schießt die Tore, woher kommen die Assists. Aber man darf sich selbst nicht zu sehr beschneiden.” Also, alles wie im Karneval: In die Vollen gehen, ohne gleich alles aufs Spiel zu setzen.