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Schanghai: „Kaiser von China” auf WM-Thron

Schanghai : „Kaiser von China” auf WM-Thron

Michael Schumacher umarmte die Ferrari-Crew und sprang vor Begeisterung seinem Renningenieur Chris Dyer in die Arme. Der neue WM-Spitzenreiter strahlte, als hätte er seinen achten Titel schon unter Dach und Fach: In der Wetter- und Reifenlotterie von Schanghai zog der Formel-1-Regenkönig das große Los und kehrte vor den letzten beiden Rennen seiner Karriere zum ersten Mal in dieser Saison auf den Thron des WM-Führenden zurück.

Während der Rekordweltmeister dank einer perfekten Vorstellung und der richtigen Wahl der Pneus zu seinem 91. Grand-Prix-Sieg raste, wurde sein Rivale Fernando Alonso am Sonntag nach Fehlern seines Teams nur Zweiter vor seinem Renault-Kollegen Giancarlo Fisichella. Der Große Preis von China wurde so zur Wachablösung in der Fahrerwertung. Zwei Rennen vor dem Saisonende büßte der 25-jährige Alonso erstmals seine Führung ein.

„Es ist ein Wunder”, sagte Schumacher, der in den bisherigen zwei Grand Prix in Schanghai noch keinen WM-Punkt geholt hatte. „Ich bin komplett aus dem Häuschen.” Bei einem Sieg in Suzuka und einem Ausfall von Alonso kann der 37-Jährige bereits am kommenden Sonntag mit seinem achten WM-Titel den Abschluss seiner Karriere krönen.

Vor dem WM-Lauf in Japan und dem Finale in Brasilien am 22. Oktober weisen der Rennrentner in spe und sein Rivale jeweils 116 Punkte auf. Mit sieben Saisonsiegen hat der Kerpener einen mehr auf dem Konto als Alonso, der auf dem Podium und in der Pressekonferenz neben dem freudestrahlenden Schumacher wie versteinert wirkte.

„Wir haben eine große Gelegenheit nicht genutzt”, haderte der von der Pole Position gestartete Spanier. Er verlor seit seinem letzten Sieg vor drei Monaten in Montreal den kompletten 25-Punkte-Vorsprung. Symbolcharakter hatte eine auf dem Boden zerschellende Schampus- Flasche von Renault nach der Siegerehrung.

„Eine grandiose Voraussetzung für die nächsten zwei Rennen”, sagte Schumacher. „Wir wollten hier eigentlich nur Schadensbegrenzung betreiben. Ich habe mir hier vorher Kopfschmerzen gemacht. Nun kommen aber Rennen, die uns gut liegen. Drückt uns die Daumen, dann kriegen wir das schon irgendwie hin”, meinte Schumacher, den die „Bild” - Zeitung in ihrer Online-Ausgabe am Sonntag als „Kaiser von China” feierte.

Angesichts seines Erfolgs konnte Ferrari (178 Punkte) leicht verkraften, dass die Scuderia nach dem Ausfall von Felipe Massa die Führung in der Konstrukteurs-Wertung wieder an Renault (179) abgab.

Pech hatte Nick Heidfeld im BMW-Sauber. Auf Platz vier liegend kollidierte er in der letzten Kurve mit Rubens Barrichellos Honda. Er rettete sich noch als Siebter ins Ziel und holte zwei Zähler. „Das war das enttäuschendste Rennen meines Lebens”, klagte Heidfeld und gab die Schuld an der Kollision den überrundeten Super-Aguri-Fahrer Takuma Sato und Christijan Albers im Spyker-MF1. Die Rennkommissare strichen daraufhin Sato wegen wiederholten Ignorierens der blauen Flagge aus den Ergebnislisten; Albers bekam 25 Sekunden aufgebrummt. Doch für Heidfeld blieb es beim 7. Platz.

Williams-Fahrer Nico Rosberg ging als Elfter erneut leer aus. Für Ralf Schumacher war im Toyota vier Runden vor dem Ziel Schluss. Michael Schumachers Ferrari-Nachfolger Kimi Räikkönen war ebenfalls wieder vom Pech verfolgt. Der Finne musste in der 19. Runde als Dritter seinen McLaren-Mercedes einmal mehr vorzeitig abstellen.

Nach einem Sieg für Michael Schumacher hatte es lange nicht ausgesehen: Vom Start weg zog Alonso aus der nassen Piste mit seinen bei Regen überlegenen Reifen von Michelin davon, assistiert von seinem Teamkollegen Fisichella, der die Konkurrenz blockte. Zwischenzeitlich lag Schumacher mit seinen bei Nässe benachteiligten Bridgestone-Pneus über 20 Sekunden zurück.

„Es war ein Glücksspiel, wir mussten zocken”, kommentierte Schumacher die Strategie, mit einem Reifensatz 40 Runden und die Konkurrenz in Grund und Boden zu fahren. Als der Asphalt abtrocknete, lief es richtig rund. Nach dem ersten Tankstopp lag er auf Rang drei, ehe die Entscheidung nach 30 Runden fiel.

Wegen eines Problems am Vorderreifen wurde Alonso indes immer langsamer. Erst überholte Fisichella seinen Teamkollegen, eine Runde später zog auch Schumacher am Spanier vorbei. Probleme mit dem rechten Hinterrad beim Boxenstopp im 35. Umlauf machten alle Hoffnungen Alonsos auf den Sieg zunichte - der Stopp dauerte 19,2 Sekunden. „Alles hängt von den Reifen ab. Ich hoffe, dass Michelin uns für die nächsten beiden Rennen noch bessere Reifen liefert”, meinte Alonso in Richtung seines Reifenlieferanten.

Mit einer taktischen Meisterleistung düpierte der Formel-1-Senior auch noch Fisichella, als er den Italiener gleich in der ersten Kurve nach dessen Boxenstopp und dem Wechsel auf Trockenreifen in der 42. Runde passierte. Nach 56 Runden auf dem 5,451 Kilometer langen Kurs reckte Schumacher die Faust in den diesigen Himmel: Der Sieg in 1:37:32,747 Stunden für die 305,066 Kilometer mit einem Vorsprung von 3,121 Sekunden war Gewissheit.

„Wir haben aber ein verloren geglaubtes Rennen noch gedreht”, meinte Schumacher. „Das Glückspendel hat diesmal für mich ausgeschlagen”, so der Ferrari-Star, der nun an die Strecke in Suzuka zurückkehrt, auf der er 2000 seinen ersten von fünf Titeln für die Mythos-Marke aus Maranello eingefahren hatte: „Ich liebe Suzuka.”