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Mönchengladbach: Jos Luhukay: „Wir müssen nur auf uns schauen”

Mönchengladbach : Jos Luhukay: „Wir müssen nur auf uns schauen”

Er ist ein anerkannter Fachmann, kein Medienstar. Er ist ein akribischer Arbeiter, kein „Lautsprecher”. Und er lebt der Mannschaft das vor, was er von ihr erwartet: Teamfähigkeit. Deshalb wäre es auch falsch, Jos Luhukay als „Macher” von Borussia Mönchengladbachs Erfolgsserie in der 2. Fußball-Bundesliga zu bezeichnen. Er ist „nur” ein Mosaikstein - allerdings ein sehr wichtiger.

Unser Redakteur Heribert Förster sprach mit dem Trainer des Tabellenführers vor dem Rückrundenstart am Freitag im Borussia-Park gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen.

Luhukay: Wieso?

Weil ich zu den Menschen gehört habe, die nach dem 1:4 in Mainz am dritten Spieltag schon ein bisschen gezweifelt haben...

Luhukay: Ich hatte immer volles Vertrauen in die Mannschaft. Es war doch normal, dass wir am Anfang der Saison noch nicht so eingespielt waren. Mit vielen Neuzugängen, mit einigen Spielern, die erst kurz vor Saisonbeginn zu uns gekommen sind. Es dauert seine Zeit, sich zu finden, Stabilität reinzubekommen.

Was dann ja auch hervorragend gelungen ist. Wie ist der Ist-Zustand der Mannschaft?

Luhukay: Die Mannschaft hat hervorragend gearbeitet, intensiv und engagiert. Trotz einiger Rückschläge durch Verletzungen: Wir sind für Freitag gut vorbereitet.

Und der Trainer kann nach der Verpflichtung von Thomas Kleine ruhiger schlafen?

Luhukay: Ja, wir hatten doch keinen echten Innenverteidiger mehr. Und auch wenn Steve Gohouri (Anm.: für die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup) und Roel Brouwers (Anm.: Reha nach Knie-Operation) bald wieder dabei sind. Freitag geht die Rückrunde los, nicht erst in ein paar Wochen.

Ist die Verpflichtung Kleines auch schon ein Vorgriff auf die neue Saison, um Filip Daems, der ja auch kein gelernter Innenverteidiger ist, wieder auf der linken Seite einsetzen zu können?

Luhukay: Nein, das ist nur eine Reaktion auf die momentane Situation. Und außerdem hat sich Filip in der neuen Rolle phantastisch entwickelt. An die neue Saison verschwenden wir noch keine großen Gedanken.

Kaiserslautern ist sicher besser, als es der Tabellenplatz aussagt. Dann geht es nach Hoffenheim, dann kommt Mainz...

Luhukay: ...und dann müssen wir nach Osnabrück, die sind noch ungeschlagen zu Hause. Ein schweres Auftaktprogramm.

Mit sechs, sieben Punkten aus den ersten drei Spielen können Sie der Konkurrenz zeigen: An uns führt kein Weg vorbei.

Luhukay: Natürlich ist ein guter Start immer ein Vorteil, aber entschieden ist dann doch nichts. Wenn wir aber so konstant wie in der Hinrunde spielen, den Zusammenhalt und die mannschaftliche Geschlossenheit zeigen, brauchen wir nur auf uns zu schauen.

Wie sehr schauen Sie auf die Konkurrenz? Sind die Trainer-Diskussionen in Köln und Mainz mit Blick auf die neue Saison, die für Unruhe sorgen können, ein Vorteil für die Borussia?

Luhukay: Das interessiert uns überhaupt nicht. Wir schauen nur auf uns, alles andere ist uninteressant.

Sie und ihre Kollegen aus dem Trainerstab und Management legen großen Wert auf persönliche Gespräche mit potentiellen Neuzugängen, dass sie teamfähig sind. Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Kann man diesen Zusammenhalt, diesen Teamgeist trainieren?

Luhukay: Es ist ein Prozess, in dem natürlich auch die tägliche Arbeit eine Rolle spielt. Wichtig ist, dass kein Spieler von Egoismus geprägt ist. Wir kommen über die mannschaftliche Geschlossenheit zum Erfolg. Und schauen Sie: Bei uns entscheiden immer wieder mal andere Spieler mit ihren individuellen Stärken eine Partie, wir sind nicht von einem oder zwei Spielern abhängig, die allein ein Spiel entscheiden können.

Ein kurzer Rückblick, auch wenn Sie lieber stets nur nach vorne schauen: War der Abstieg nicht ein Glücksfall, weil sonst der große Umbruch nicht in dem Maße hätte stattfinden können?

Luhukay: Wir hätten die personellen Korrekturen auf jeden Fall vorgenommen. Für mich war es nicht notwendig, dafür abzusteigen.

Aber ob es auch die Erfolgserlebnisse wie jetzt gegeben hätte?

Luhukay: Man weiß es nicht. Aber auf jeden Fall ist es für unsere Fans das schönste Geschenk, dass wir gerade auf fremden Plätzen wieder gewinnen und die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga sind.

Konnten Sie denn in der kurzen Winterpause den Erfolg ein bisschen genießen?

Luhukay: Von genießen will ich nicht sprechen, dafür bin ich zu ruhig, zu nüchtern. Es war nach dem bewegenden Jahr schön, einfach mal abzuschalten.

Ist die Borussia beim Afrika-Cup mit „Spionen” vertreten?

Luhukay: Ich verfolge nur die Spiele der Elfenbeinküste mit Steve Gohouri. Unsere Scouts sind nicht vor Ort.

Weil Sie lieber mit europäischen Spielern arbeiten?

Luhukay: Ja, und zuerst schauen wir uns intern und dann auf dem deutschen Markt um. Wir wollen dahin, dass wir eine 70:30-Situation kreieren können, den Großteil der Mannschaft aus deutschen Spielern bilden. Man sieht es doch an Thomas Kleine. Er kann die Sprache, er kennt die Liga, die Mitspieler, er benötigt keine Eingewöhnungszeit. So kann man viele Probleme ausschalten, die sonst den Einstand erschweren würden.