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Alvor: Jos Luhukay: „Ich will mich nicht profilieren”

Alvor : Jos Luhukay: „Ich will mich nicht profilieren”

Für viele ist er der Schatten-Trainer von Borussia Mönchengladbach. Jost Luhukay als potenzieller Nachfolger von Jupp Heynckes. Das mag eine Option für irgendwann sein. Aktuell aber könnte er eine ideale Lösung für eine Schwachstelle des Tabellensechzehnten werden.

Mit seiner gelassenen und offenen Art ist er in der Lage, anders als Vorgänger Uwe Speidel, eine leistungsfördernde Wohlfühl-Atmosphäre zu kreieren.

Der 43-Jährige deckt nicht nur die Konditionsarbeit ab wie Spezialist Speidel. Mit Luhukay, der nach 28 Jahren im Seniorenbereich eine vielversprechende Mischung aus Erfahrungen und Kenntnissen aus dem holländischen und deutschen Fußball einbringt, sprach unser Redakteur Bernd Schneider.

Alle sagen, Sie seien nett. Offensichtlich so nett, dass Sie weiterhin Jupp Heynckes mittrainieren lassen. Dabei soll der doch durch Ihre Einstellung entmachtet sein, wie einige Zeitgenossen behaupten.

Luhukay: Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer im Team gearbeitet habe. Jupp Heynckes ist der Chef. Ich bin erst einige Tage dabei. Aber ich habe ein gutes Gefühl, dass die Chemie stimmt. Ich will mich nicht profilieren. Ich weiß mit meiner Rolle umzugehen, ich will mich nicht aufdrängen. Das habe ich nie gemacht. Die Basis ist, meine Fußballkenntnisse rüberzubringen.

Aber die Spekulationen sind Ihnen doch nicht verborgen geblieben?

Luhukay: Nein ich weiß, dass normalerweise die Einstellung eines Co-Trainers nur eine ganz kleine Meldung ist. Wenn die Erfolge ausbleiben, muss das aber kein Zeichen sein, dass der Trainer schlecht arbeitet. Ich sehe doch, wie Jupp Heynckes sich unheimlich mit der Mannschaft beschäftigt, sie versucht, besser und stärker zu machen.

Aber es gibt nicht viele, die den Schritt zurück machen, wenn man es so nennen darf: vom Chef- zum Co-Trainer.

Luhukay: Ich hätte auch in der Zweiten Liga als Chef auf der Bank sitzen können. Doch meine Arbeit jetzt ist keine Degradierung. Ich brauch nicht die Kameras, ich brauch es nicht, in der Zeitung zu stehen. Im Fußball kann man doch eh nicht mehr langfristig planen. Ich will meine Aufgabe erfüllen, und dann mag vielleicht im Sommer die Verlängerung kommen.

Müssen Sie als Nachfolger von Uwe Speidel für mehr Wohlfühl-Atmosphäre sorgen?

Luhukay: Dass Heynckes keinen Zugang zu den Spielern findet, ist Blödsinn. Er spricht viel mit der Mannschaft, ich brauche nicht für eine bessere Chemie sorgen. Ich will auf und neben dem Platz den Spielern helfen. Auf eine ganz natürliche Weise. Nicht aufdringlich, immer situativ. Und dazu gehören natürlich auch Gespräch mit unzufriedenen Spielern oder solchen, die auf der Tribüne sitzen.

Filtern Sie die Probleme, bevor sie den Trainer erreichen?

Luhukay: Die Rolle ist nicht neu für mich. Die habe ich auch schon drei Jahre beim 1. FC Köln erfüllt. Die Probleme versuche ich selbst zu lösen, die sollen erst gar nicht zum Trainer dringen. Er muss Vertrauen zu mir haben und nicht mit jeder Kleinigkeit konfrontiert werden. Ich will ihm so die Arbeit erleichtern.

Glaubt man einigen notorischen Skeptikern, sind Sie eine Kröte, die Jupp Heynckes schlucken musste.

Luhukay: Ich habe mit Jupp Heynckes vor meiner Vertragsunterschrift zwei lange und intensive Gespräche geführt. Über Fußball-Philosophie geredet. Das war auch ein Grund, warum er mich dann unbedingt dabei haben wollte. Mir haben seine Ideen unheimlich imponiert, das Konzept, verstärkt auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen. Das war auch immer mein Ziel.

Kann man denn als Co einer Mannschaft auch den Stempel aufdrücken?

Luhukay: Man kann nicht über das System entscheiden. Wir Co-Trainer unterstützen. Dabei kannst du versuchen, mit deinen Ideen zu verstärken. Nicht anders war das auch beim FC. Dort habe ich mit Friedhelm Funkel, Huub Stevens und Marcel Koller gearbeitet. Drei Trainer die menschlich, fußballerisch und vom Führungsstil sehr unterschiedlich waren.

Sie sind ein Anhänger des Offensiv-Fußballs. Ihr Landsmann Stevens, äußerst untypisch für einen Holländer, bevorzugte eine defensive Grundhaltung. Ist das nicht ein Problem?

Luhukay: Man muss nicht immer der gleichen Meinung sein. Gerade auch unterschiedliche Betrachtungen können für die Arbeit sehr befruchtend sein. Der Cheftrainer muss die Richtung vorgeben und die Entscheidungen treffen. Ich werde aber immer versuchen, meine Meinung zu äußern. Ob sie hilfreich ist, muss er bestimmen.

Ihre Nettigkeit war aber doch sicher hilfreich, gerade bei einem Trainer wie Huub Stevens?

Luhukay: Jeder Trainer ist anders. Huub ist extrem temperamentvoll und auch schon mal aggressiv. Dann muss man auch schon mal anschließend zu den Spielern gehen und sie wieder aufrichten.

Ist das denn Ihr Markenzeichen, diese Nettigkeit, die ihnen überall beschieden wird?

Luhukay: Ich bin nicht schnell aus der Ruhe zu bringen. Das war auch schon als Spieler so. Ich relativiere alle Situationen, dass wissen die Spieler. Ich bleibe immer der gleiche Trainer. Und darauf können sie sich verlassen.

Ist das mehr als ein Charakterzug?

Luhukay: Ich kann gut mit Menschen umgehen. Das ist ein Geben und Nehmen. Ich versuche alles positiv zu sehen. Um das volle Potenzial eines Spielers auszuschöpfen, muss er sich wohl fühlen, muss Spaß und Freude an seinem Beruf besitzen und gerne zum Training kommen. Mit dieser positiven Ausstrahlung kann man mehr aus dem Spieler herausholen.

Die netten Trainer,die nah an der Mannschaft sind wie Thomas Doll und Jürgen Klopp galten lange Zeit als Erfolgsmodell. Inzwischen haben sie aber massive Probleme. Kann Nettigkeit auch negativ sein?

Luhukay: Ich hatte auch in Paderborn eine schwierige Phase, als wir sieben Spiele nicht gewonnen hatten. Aber ich bin immer der selbe Trainer geblieben. Meine Analysen sind immer sehr sachlich. Jeder Spieler weiß genau, was ich verlange. Und daran ändert auch eine Niederlage nichts.

Also greifen Sie nicht zu den beliebten und oft erwarteten Instrumentarien wie früherer Trainingsbeginn, verschärfte und mehr Einheiten?

Luhukay: Das kann kontraproduktiv sein. Wenn solche Dinge nicht greifen, was macht man dann? Ich bevorzuge auch in schweren Zeiten eine klare Linie, um die Situation zu drehen.

Sie bleiben also auch in der direkten Ansprache nach groben Schnitzern stets der Profi-Flüsterer?

Luhukay: Schreien und kritisieren ist das eine. Aber dann muss du anschließend auch sagen, was der Spieler besser machen soll.

Auch bei notorischen oder schier unverbesserlichen Kandidaten?

Luhukay: Wenn er es 20 Mal nicht umsetzt, wird auch der Ton ein anderer.