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Mönchengladbach: Joris van Hout und die neue Lust als Stürmer

Mönchengladbach : Joris van Hout und die neue Lust als Stürmer

Nicht jeder wird empfangen wie Morten Skoubo: Mönchengladbachs neuer Däne wurde gleich von einem Journalisten angehimmelt: „Du siehst ja so gut aus, du hast bestimmt eine Freundin...”

Sturmkollege Joris van Hout ist einige Wochen länger am Bökelberg, kommt aus Belgien, und drängt sich erstmal nicht unbedingt als Kandidat fürs Bravo-Poster auf.

Seine Nase scheint eher von knackigen Kontakten mit gegnerischen Köpfen oder gar einer frühen Karriere eines Boxers zu erzählen. „Nee, mit der bin ich geboren”, begräbt der 25-Jährige mit einem Satz alle Vorurteile - ein wunderbar misslungener Einstieg in ein erstes Gespräch, der eigentlich die Zunge lösen sollte.

Doch van Hout geht nicht in die verbale Doppeldeckung. Diese Abgeklärtheit hat auch Michael Frontzeck am Stürmer entdeckt. „Er macht einen gesetzten Eindruck”, sagt der Co-Trainer. „Er unterliegt nicht den Leistungsschwankungen eines Neuen, der nach ein, zwei guten Spielen wieder abfällt, sondern spielt konstant auf hohem Niveau.”

Und das dokumentiert sich nicht nur in den drei Toren. Nach fünf Spielen drängt sich der Eindruck auf, dass sein Vertrag auf ganz spezifische Weise leistungsabhängig gestaltet worden ist: Der Mann muss Kilometer-Geld bekommen. Seine Wege sind noch weiter als die des verletzten Arie van Lent. „Das ist halt meine Art zu spielen. Das war in Mechelen so, das war bei Anderlecht so.” Motto: für die Mannschaft arbeiten.

Bei seinen beiden Toren gegen Kaiserslautern bewies er, dass er nicht zur Hrubesch-Kategorie „Rammbock auf zwei Beinen” gehört. Mit Raffinesse und Gefühl bugsierte er den Ball ins Netz. Was den Anti-Euphoristen Hans Meyer immerhin zu einem „kein Fußball-Blinder, aber auch kein Ronaldo” verleitete.

Der Stürmer ist es gewohnt, dass einen der Trainer nicht gerade zur Schnecke, aber beispielsweise zum Verteidiger macht. Wie in Anderlecht: Als Torjäger von KV Mechelen verpflichtet, erfolgte unter Aime Anthuensis die Umschulung zum Defensiv-Mann. „In der Offensive hatte ich sieben, acht Mann vor mir.”

Glücklich wurde er im fußballerischen Hinterland nicht. „Vom Gefühl her bin ich Stürmer. Das ist meine Position, meine Natur. Das ist der Grund, warum ich gewechselt bin. Die Chancen, vorne zu spielen, sind hier einfach größer.”

Möglicherweise auch die Chancen, wieder ins National-Team zu stoßen. „Ich muss hier gut spielen. Alles andere ergibt sich von selbst.” Den Blondschopf konnte auch nicht schocken, dass sein Anderlechter Trainer nun Coach der „Roten Teufel” ist. „Mein Verhältnis zu Anthuensis ist gut. Ich habe viel in Anderlecht gelernt.”

Sein einstiger Mechelen-Coach und ehemaliger Ajax-Star Barry Hulshoff vergleicht van Hout sogar mit Marc Wilmots. Vom Typ her sei er mit dem Schalker vergleichbar.

Joris, das Kampfschweinchen? Es muss wohl an den Genen der Belgier liegen, dass diese auf Schalke und am Bökelberg so begehrt sind. „Das sind unsere gute Physis und unsere gute Mentalität.”

Mit diesen Beigaben am Sonntag ausgerechnet gegen die vielen Landsleute auf Schalke zu spielen, „das macht Spaß”. Und sich dann durchzusetzen, „besonders viel Spaß”.

Für den gesperrten Eberl rückt wohl Kluge in die Abwehr und Stassin neu ins Team. Aidoo (Erkältung) sitzt höchstens auf der Bank, Korzynietz stürmt.