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Mönchengladbach: „Jetzt ist der Uefa-Cup ein Thema für uns”

Mönchengladbach : „Jetzt ist der Uefa-Cup ein Thema für uns”

Die Frage: Sind fünf Minuten zu viel, um die wirklich guten Szenen von Mönchengladbachs 90-minütigem Auftritt gegen den 1. FC Köln in einem Video zusammenzufassen?

Die Antwort - interessierte kaum einen Borussen. Sportdirektor Peter Pander gab mit der Mutter aller Analysen die Losung für den Feier-Abend. „Mund abputzen, nach Hause gehen.” Etwas tiefgreifender formuliert, hörte sich das so an: „Dass wir nicht gut gespielt haben, hat jeder gesehen. Heute waren aber nur die drei Punkte entscheidend.”

Drei Punkte, die Borussia im Duell des Tabellenletzten der Rückrunde gegen den realen Tabellenletzten gewann. Nach 90 Minuten, in denen der reale Tabellenletzte bis zum fragwürdigen Platzverweis gegen Roland Benschneider (28.) und dem unglücklichen 0:1 durch Christian Lells Eigentor (54.) den besseren Eindruck hinterließ. Den besseren Eindruck zweier schwacher Teams wohlgemerkt.

Die Kölner haderten nach dem Spiel zu Recht, die Borussen feierten ausgelassen. So, als hätten sie den Uefa-Cup erreicht. Thomas Broich, der vor Lells Ballberührung mit den Haarspitzen einen Freistoß schön-scharf vor das Tor getreten hatte und sich auch vor Oliver Neuvilles 2:0 (74.) zusammen mit Wesley Sonck einen Scorer-Punkt erarbeitete, findet das Ziel Uefa-Cup gar nicht so abwegig. „Natürlich ist das ein Thema für uns”, findet der Mann hinter den Spitzen, der auch bei der Roten Karte unmittelbar beteiligt war. Als Leidtragender der Benschneider-Grätsche.

Aber Broich, der eines seiner besseren Spiele bot, plädierte auf unschuldig: „Die Rote Karte hätte man nicht unbedingt geben müssen.” Das verriet er nach dem Spiel auch Schiedsrichter Michael Weiner, der sich problemlos dem Niveau des Spiels angepasst und sogar noch schwächer als Lukas Podolski agiert hatte. Was wiederum eine starke Leistung war.

Wenn es stimmt, das die Tabelle nicht lügt, dann sind Gladbacher Uefa-Cup-Traum tatsächlich realistisch. Der unbändige Jubel mit den Fans hat aber nicht nur mit diesem Traum zu tun, „da kam alles zusammen”, wie Marcell Jansen erklärte.

Der für die Fans so wichtige Derby-Sieg, der Sprung auf Tabellenplatz 7, das (vorläufige) Ende der unruhigen Zeit. Denn natürlich waren die Mutmaßungen um und über Trainer Horst Köppel („Ich war richtig angespannt, das will ich nicht verhehlen”) den Spielern nicht verborgen geblieben.

Peter Pander erklärte ungefragt und mit ernster Miene: „Auch bei einer Niederlage hätte es keine Trainer-Diskussion gegeben, wir hätten uns nicht zu Sondersitzungen getroffen.” Sieger sagen so was leichter.

Was ohne Wenn und Aber stimmt bei der Borussia: Sie gewinnt in dieser Saison Spiele wie gegen Duisburg, Mainz, Frankfurt und Köln, die in der vergangenen Saison verlustig gegangen wären. Das zeichnet die Mannschaft aus.

Aber sonst? Die Abwehr steht mit Bögelund und Svensson in der Rückrunde recht sicher, doch im Mittelfeld sorgt konstant allein Peer Kluge - in Bremen nach der fünften Gelben Karte gesperrt - für Wirbel, der Angriff ist erschreckend harmlos.

Und Jeff Strasser, den Horst Köppel erneut auf der linken Abwehrseite aufgeboten hatte, ist dort - gerade zu Hause - wegen mangelnder bis nicht vorhandener Offensivkraft eine glatte Fehlbesetzung. Dass nach der Halbzeit mit Nando Rafael ein dritter Stürmer für den Kapitän kam, ist nur Benschneiders Platzverweis zu danken. Sonst hätte Köppel sicherlich nicht reagiert.

Viel besser wurde es mit dem gebürtigen Angolaner nicht. Aber zumindest torreicher, und mit den beiden Treffern lässt sich auch die Eingangsfrage beantworten: Fünf Minuten reichen. Inklusive Wiederholungen. Und Zeitlupen.