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Berlin/Mönchengladbach: „Ich bin wirklich gespannt, ob ich es schaffe”

Berlin/Mönchengladbach : „Ich bin wirklich gespannt, ob ich es schaffe”

Ein Trainer hinterlässt Spuren. Nicht nur sportlicher Art. Und so bedurfte es für Hans Meyer keiner großen Anstrengungen, die versammelte Berliner Presse in bekannt humoristischer Art für sich einzunehmen.

Nach dem Profi-Grantler Huub Stevens und den Monaten der fußballerischen und zwischenmenschlichen Dürre nahm die Erwartungsfreude der Journalisten schier beängstigende Formen an. „Es ging einen Raunen durch die Menge, und vereinzelt kam es sogar zu Beifall. Das habe ich in Berlin von Journalisten noch nie erlebt”, schilderte konsterniert ein erfahrener Berufs-Kollege den Einzug des vermeintlichen „Erlösers”.

Der ließ denn auch nicht lange warten mit Beispielen aus seinem Scherz-Repertoir. „Ich bin so wie ein Mittelstürmer, der fünf Meter vor dem Tor den Ball bekommt und in Gedanken schon sein Trikot beim Jubeln auszieht. So sehe ich Euch mich beim Klassenerhalt schon auf den Händen durch das Brandenburger Tor tragen.”

Der erste Test ist bestanden. Der wahre wird an der Tabelle am letzten Spieltag abzulesen sein. „Das wird kein Selbstläufer. Ich kann auch das Opfer von zu großen Erwartungen werden”, warnt der Trainer-Methusalem. „Wesentlich ist, das ich die Mannschaft auf meine Seite bringe.”

Den Ärger, den sein Aussteigen aus dem Vertrag bei seinem alten Klub Borussia Mönchengladbach ausgelöst hat, kann Meyer nur teilweise nachvollziehen. „Klar, man kann Hans Meyer jetzt in eine Ecke stellen, in die er nicht hingehört. Aber für mich ist es das Normalste auf der Welt. Und ein befristeter Vertrag von fünf Monaten ist für mich nicht gleichbedeutend damit, dass ich alle klare Grundlinien aufgebe.”

Telefonische Kündigung

Die Einigung zwischen den Klubs wurde erst am Morgen der Meyer-Präsentation erzielt, nachdem am Sonntagabend die Zeichen noch auf Sturm gestanden hatten. Die kolportierte Ablösesumme von 1 Million Euro war Hertha zu hoch, Meyer entzog sich dem Poker, indem er telefonisch kündigte. Montagfrüh dann trafen sich Vize-Präsident Rolf Königs und Hoeneß finanziell - vermutlich irgendwo in der Mitte.

Eine vertragliche Rückkehr zur Borussia ist nach der Hertha-Episode ausgeschlossen. Sein Ex-Klub ist zu erbittert darüber, dass Meyer nach der Entlassung von Ewald Lienen die Bitte, bei seinem Klub erneut als Trainer zu arbeiten, abschlägig beschieden hat, jetzt aber den Berlinern hilft.

„Das kam damals nicht in Frage wegen Ewald Lienen. Zudem war nicht die Rede von einem Fünf-Monats-Kontrakt”, rechtfertigt Meyer sein Nein und begründet sein Ja pro Hertha, die im Oktober schon mal um ihn gebuhlt hatte. „Es ist mein erster Job als Feuerwehrmann. Und ich finde es auch ein klein bisschen spannend, ob ich es schaffe.”

Der noch immer schlummernde Ehrgeiz eines Fußball-Verrückten. Aber auch ein ganz profanes Interesse. „In einer Gesellschaft, in der Geld eine so große Rolle spiet, kann man ruhig annehmen, dass dem Ossi Meyer auch am Geld gelegen ist.” Wenn man annimmt, dass ihm sein Scout-Vertrag in Gladbach bis 2006 rund 500000 Euro eingebracht hätte, dürfte die Hertha-Dotierung etwas drüber, und im Erfolgsfall wahrscheinlich ein gutes Stück darüber liegen.