Mönchengladbach: Hochstätter: Die „echte Beratung” muss ein Schwerpunkt sein

Mönchengladbach: Hochstätter: Die „echte Beratung” muss ein Schwerpunkt sein

Die tragische Geschichte zwingt viele Menschen zum Grübeln. Ganz besonders die, die unmittelbar mit Robert Enke zu tun hatten. Im Licht der heutigen Erkenntnisse über seine geheimgehaltene Krankheit versucht man, Aussagen des Torhüters im Nachhinein anders zu interpretieren als zuvor.

„Das wäre gefährlich”, sagt Christian Hochstätter. „Einen Spruch wie Warum immer ich! haben schon viele von sich gegeben, wenn sie sich erneut eine Verletzung zugezogen haben.” Der Ex-Profi kannte Enke sehr gut. Hat mit ihm noch zusammen Fußball gespielt in Mönchengladbach, zwei Jahre mit dem 32-Jährigen eng zusammengearbeitet als Sportdirektor bei Hannover 96.

„1996 hat er mit Marco Villa zusammen hier auf der Couch gesessen, zusammen mit ihren Freundinnen, die später Ehefrauen wurden. Zehn Jahre später habe ich ihn in Hannover wiedergetroffen. Die vielen Auslandsaufenthalte - seine menschliche Entwicklung war einfach sensationell.”

Für den ehemaligen Kollegen war der Torhüter etwas Besonderes im Fußball-Geschäft. „Er war ein Mensch, der es geschafft hat, sich mit Leistung und Zurückhaltung Anerkennung zu erwerben, und nicht als Lautsprecher. Deshalb war er ein Vorbild gerade auch für junge Leute.”

Und gerade deshalb reagiert Hochstätter nach wie vor ungläubig und fassungslos auf das Geschehen. Denn schon als junger Spieler hatte Enke wesentlicher reifer als viele Gleichaltrige gewirkt. „Er ruhte in sich selbst.”

Heute ist Hochstätter Spielerberater (Stars & Friends). Und versucht mit den Erfahrungen aus Profi- und Managerzeit den Schwerpunkt auf echte Beratung zu setzen. „Ich hoffe, damit bin ich auf dem richtigen Weg.” Eine Garantie, solche Selbstmordabsichten zu ahnen, sieht er trotzdem nicht. „Sein Berater Jörg Neblung hat ein extrem enges, freundschaftliches Verhältnis zu Robert gehabt und war eingeweiht in die Krankheit. Und nicht mal der behandelnde Arzt hat mit der fatalen Entscheidung gerechnet. Wenn nicht mal ein Profi das erkennt, wie sollen wir Laien das denn machen?”

Dennoch seien am Ende der Geschichte einige Fragen offen, „aber die muss sich die Gesellschaft stellen. Was muss der Junge sich für einen Druck gemacht haben ...” Alle müssten in sich gehen. Einer alleine könne nichts ausrichten. „Der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt rücken. Nicht das Geld und das ganze Drumherum.” Auch die Vereine müssten mehr tun, auch wenn das keine Garantie sei.

Schließlich beschäftigt auch die Nationalmannschaft einen Psychologen. Dennoch fordert Hochstätter Trainer, Manager und Verantwortliche auf, mehr in die psychologische Betreuung von Spielern zu investieren. „Wie andere Sportarten das auch machen. Und nicht immer nur sagen, das kostet ...”

Das Gefühl der Ohnmacht

Denk- und Änderungsanstöße auf allen Seiten, aber auch auf Sportlerseite: „Ich hätte als Spieler auch nie Hilfe zugelassen. Aber ich hoffe, dass durch dieses Ereignis auch die Profis offener werden.” Und sich - anders als Enke - trauen, ihre vermeintliche Schwäche einzugestehen. Trotz aller Lehren und Präventiv-Überlegungen kehren Hochstätters Gedanken immer wieder zu seinem Ex-Kollegen und auch zum Gefühl der Ohnmacht zurück.

„Gerade als Torhüter musst du ein stabiler Mensch sein. Und ich habe ihn völlig anders eingeschätzt. Wenn es bei Hannover 96 interne Probleme gab: Er hat sie angesprochen, angepackt und nichts liegengelassen.” Nur sein eigenes Problem konnte Enke nicht lösen.