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Marbella: Hochstätter: „Die Borussia hat kein großes Portmonee”

Marbella : Hochstätter: „Die Borussia hat kein großes Portmonee”

Borussia Mönchengladbach ist aufgestiegen, hat sich anschließend - was statistisch selten ist - in der Bundesliga gehalten, besitzt ein eigenes neues Stadion, das Perspektiven auch für die sportliche Zukunft verspricht. Zufriedenheit aber ist nur selten eingekehrt.

Ansprüche und Erwartungen galoppieren dem früher so genannten Fohlen-Klub fast schon traditionell davon. Für die überraschenden Lahmheiten dieser Saison wird einmal mehr Christian Hochstätter verantwortlich gemacht.

Im Trainingslager in Marbella sprach unser Redakteur Bernd Schneiders mit dem Sportdirektor über die Möglichkeiten und Probleme der Manager-Arbeit.

Sie müssen ein gutes Herz haben...

Hochstätter: Wieso?

Weil Sie anstatt mit den Millionen nur so um sich zu werfen Spieler holen, die auf der Bank gesessen haben oder länger verletzt gewesen sind.

Hochstätter: Fakt ist, wir haben durch unsere Geschichte bedingt, nur beschränkte Möglichkeiten. Es wird besser, aber sich grundlegend personell zu verstärken, so weit sind wir noch nicht. Borussia hat einen großen Namen, aber kein großes Portmonee.

Das scheint aber nicht überall so gesehen zu werden.

Hochstätter: Was wir in den letzten sechs Jahren auf die Beine gestellt haben, nicht nur sportlich, kann sich sehen lassen. Man kann nicht erwarten, das die Öffentlichkeit die Rahmenbedingungen permanent bedenkt.

Drei neue Spieler haben Sie in der Winterpause verpflichtet, mindestens einer soll noch kommen: Muss ein Manager dann damit leben, dass seine Einkaufspolitik im Sommer nicht erfolgreich war?

Hochstätter: Das kann man so sehen. Wenn man aber sich verbessern kann, dann sollte man die Chance nutzen. Das machen auch viele andere Vereine so.

Aber im Sommer ist die Möglichkeit sich zu verbessern doch wesentlich besser.

Hochstätter: Das ist eine falsche Einschätzung. Wir haben uns im Sommer für einen Umbruch entschieden, weil etliche wichtige Spieler in die Jahre gekommen waren. Wesentlich aber ist es, wann kommt man auf den Markt. Bei uns war das eine Woche vor Saisonende. Neue Spieler aber wollen Sicherheit. Dadurch wird der Topf immer kleiner. Daraus aber müssen wir uns ernähren.

Wie kommen Sie aus diesem Teufelskreis raus?

Hochstätter: Diese Mannschaft ist in der Lage dafür zu sorgen, dass wir früher das Licht am Ende des Tunnels sehen.

Die so genannten Flops werden Ihnen persönlich angekreidet. Ist das der Fluch des Manager-Amtes?

Hochstätter: In der Öffentlichkeit wurde das Bild geschaffen, allein der Manager ist verantwortlich für das, was eingekauft wird. Der Trainer muss sie nur trainieren. Schwachsinn! Ein völlig falsches Bild: Der Trainer entscheidet zusammen mit dem Sportdirektor. Wie kommen denn sonst so genannte Wunsch-Listen zustande? Wichtig aber ist in bestimmten Situationen das letzte Wort zu haben. Schließlich geht es auch um langfristige Arbeit.

Um sich durchzusetzen, muss der Manager eine starke Position innerhalb des Klubs besitzen. Ist das so bei Ihnen?

Hochstätter: Diese Position besitzt man nicht, indem man den Titel bekommt. Das hat eher was mit Fußball-Verstand und Erfahrungsschatz zu tun.

Zur Altersstruktur des Kaders. Immer wieder tauchen Vokabeln wie Rentner-Truppe auf. Ist die Mannschaft überaltert?

Hochstätter: Jörg Böhme ist 30, Bernd Thijs 26, Craig Moore 29. Und Oliver Neuville ist mit 31 Jahren nach Christian Ziege der Älteste unter den Stammspielern. Ein torgefährlicher Rentner oder?

Woran liegt es denn, dass Sie immer wieder in der Kritik stehen? Sie sind ein Borussia-Urgestein. Gilt der Prophet nichts im eigenen Lande?

Hochstätter: Das wäre reine Spekulation, wenn ich sage, der Lehrling im Hause zählt nicht. Das kann ich so nicht beantworten.

Aber es ist schon auffällig, dass etwa Schalke-Manager Rudi Assauer in den letzten Jahren riesige Summen ohne großen Erfolg investieren durfte, ohne dass so massiv an seinem Stuhl gesägt worden ist.

Hochstätter: Man fokussiert sich derzeit auf mich. Weil der Erfolg eben nicht da ist. Das passiert auch woanders. Ein Dietmar Beiersdorfer etwa wurde mächtig angegangen. Jetzt, wo der HSV wieder in der Erfolgsspur ist, ist die Kritik verstummt.

Es kursieren auch wilde Zahlen in der Öffentlichkeit, was Sie investieren dürfen. Von drei oder vier Millionen Euro ist die Rede, selbst so genannte Fachagenturen benutzen Formulierungen wie „Borussia weiter auf Einkaufstour”.

Hochstätter: Das ist ein eklatantes Missverständnis. Im Etat sind immer Ablösesumme, das erste Jahresgehalt und das Berater-Honorar enthalten. Draußen aber wird immer so getan, als wenn etwa vier Millionen nur für die Ablöse vorhanden wären. Wir reden immer von allen Posten.

Sie haben im Sommer zehn Spieler abgegeben, dadurch sieben Millionen frei gemacht. Dafür neun Neue geholt mit einem Etat von 8,5 Millionen Euro. Sie haben bei Ihren Risiko-Transfers Forssell und Neuville echte Volltreffer dabei. Müssen Manager Erfolgsstatistiken veröffentlichen?

Hochstätter: Ich halte das nicht nach. Wann ist denn eine Einkaufspolitik erfolgreich? Bei 80 Prozent etwa? 100 Prozent gibts nicht. Das Transfer-Geschäft ist so schwierig, oft so irrational.

Es gibt so viele Geschichten: Ich erinnere mich noch gut an Allan Simonsen, der bei der Borussia lange auf der Bank saß und dann Europas Fußballer des Jahres geworden ist. Wie man das heute oft von außen bewertet, ist totaler Quatsch. Es gehört auch immer Glück dazu.