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Mönchengladbach: Historischer Sieg mit unnatürlichen Toren

Mönchengladbach : Historischer Sieg mit unnatürlichen Toren

Warum in der Nähe bleiben, wenn das Glück liegt denn so fern: Drei Mal brandete der Jubel auf im Borussia-Park. Am lautesten, als die zwei Treffer der Mönchengladbacher gegen Erzgebirge Aue bereits gefallen waren.

Die 2:2-Meldung auf der Anzeigetafel aus dem fernen Fürth gegen den Erzfeind aus Köln war der phonetische Höhepunkt an diesem unwirtlichen Abend. Fünf Punkte Vorsprung vor dem FC, vier vor dem derzeitigen Zweiten Greuther Fürth - aus dem ersten Sieg anno 2008 sogen die Borussen jede Menge Nektar, auch wenn die Vorstellung des Fußball-Zweitligisten an sich nicht durchweg süß war.

„Das war ein Pflichtsieg, den die Mannschaft unbedingt erzwingen wollte”, befand Borussias Trainer Jos Luhukay. „Es war keine phantastische Vorstellung, in der alles perfekt war.”

80 Prozent Ballbesitz...

Speziell nicht in der ersten Halbzeit, als Gladbach sich gegen die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga schwerer als erwartet tat. „Da hatten wir sehr viel Mühe, womöglich auch aus dem Gefühl heraus, die bessere Mannschaft zu sein”, kritisierte der Niederländer. „Dann musst du die Konzentration sehr hoch halten.” Sascha Rösler aber war zufrieden: „Wir sind so aufgetreten, wie wir uns das in den letzten Wochen gewünscht haben: dominant, mit bestimmt 80 Prozent Ballbesitz.”

Nun, Gladbachs Kampf-Meister ist ein gefühlvoller Mensch. Und so korrigierte ihn die nüchterne Statistik auf lediglich 65 Prozent - immer noch ein extrem hohes Maß an Ballbesitz. Der aber wenig einträglich ist, wenn die Ball-Zirkulation tempomäßig zu niedrig ist und sich immer wieder Ungenauigkeiten einschleichen. Dann helfen gegen Defensiv-Fetischisten wie die Auer nur noch überraschende Steck-Zuspiele, Doppelpässe oder Einzelaktionen. Das kann Borussia, aber all das blieb zu lange verschüttet. Die Misserfolgssträhne hat Spuren hinterlassen beim ehemaligen Souverän der Liga.

Bezeichnend, dass beide Treffer durch den Gang in die Tiefe fielen. Und zwar widernatürlich: Marcel Ndjeng, der Spezialist für Maß-Flanken und Freistöße, erblockte sich aggressiv im Mittelfeld den Ball gegen Aue-Kapitän Jörg Emmerich. Rob Friend, der Mann fürs Grobe in Tornähe, spielte technisch perfekt den Steilpass auf Oliver Neuville, der souverän zum 1:0 einschoss (33.). Nicht minder „unnatürlich”, sprich entgegen dem Charakter der Protagonisten, entwickelte sich Tor Nr. 2: Meister-Kämpfer Sascha Rösler spielte blitzgescheit tief auf Marco Marin.

Borussias Edel-Techniker verlor den Ballkontakt an der Torauslinie und konnte sich nur noch mit einem Grätschpass helfen: Friend stupste den Ball aus wenigen Zentimetern über die Linie (57.). Schon der 13. Treffer des Torjägers: „Das war mein leichtester Treffer”, bedankte sich der lange Kanadier in der Kabine bei Gladbachs Kleinstem.

Der hatte nicht die Erwartungen erfüllt, die sein Trainer in ihn gesetzt hatte. Zu häufig blieb der 18-Jährige beim zweiten oder dritten Haken wieder hängen. Und auch die mit Filip Daems und Kasper Bögelund neu besetzten Außenglieder in der Viererkette entpuppten sich noch nicht als Glanzstücke. Bögelund beschwörte einige brenzlige Situationen herauf, Daems blieb unter seinen Möglichkeiten.

„Beide waren zu verhalten. Aber sie müssen erst wieder Vertrauen zu ihrer Position gewinnen. Kasper besitzt wenig Spielpraxis und Filip hat anderthalb Jahre nicht mehr dort gespielt”, erklärte Luhukay. Bögelund stimmte zu: „Ich bin nicht richtig zufrieden.” Es gibt noch viel Luft nach oben. Nicht nur für die beiden Pseudo-Neulinge.

„Da war die richtige Richtung”, analysierte Sascha Rösler, dem nach seiner Verletzungspause auch zuweilen noch die Präzision fehlte. „Anfangs waren wir doch sehr nervös. Wir müssen uns das Selbstvertrauen noch zurückerarbeiten.” Der Anspruch des Blondschopfs: „Wir brauchen wieder die Selbstverständlichkeit aus der Hinrunde, nächsten Freitag einfach nach Augsburg zu fahren und zu gewinnen.”